Steven Wilson: 4 ½ Book Cover Steven Wilson: 4 ½
Kscope (Edel)
22. Januar 2016
www.stevenwilsonhq.com / www.ninetayeb.com

Tracklist:
1. My Book Of Regrets
2. Year Of The Plague
3. Happiness Lll
4. Sunday Rain Sets In
5. Vermillioncore
6. Don't Hate Me

Sechs Tracks = ein Album?

Steven Wilson ist eine Größe, um die seit Jahren niemand in der Prog (-Rock)-Arena herumkommt. Vor allem die letzten beiden Solo-Alben „The Raven that refused to sing“ (2013) und „Hand. Cannot. Erase“ (2015) konnten international viel Anerkennung – auch über die Szene der Prog-Heads hinaus – ernten.

An deren Kraft und Variantenreichtum in lauten und leisen Tönen kommt der aktuelle 37-Minüter nicht heran. Auf dem Album verarbeitet Wilson laut eigener Aussage Songs und Ideen, die vorher schon da waren, aber nicht so richtig in die vorangegangenen Alben passten. Der Name ist entsprechend Programm.
„4 ½“ stellt ein Übergangsalbum dar – sechs Tracks, die durchaus hörenswert sind und an manchen Stellen ein Lächeln mitten aus der Melancholie ins Gesicht zu zaubern vermögen, zum größten Teil aber ein wenig auf der Stelle zu treten scheinen.

Das verbindende Element, um das herum Wilson die Songs arrangiert hat, ist eine gebrochen fließende Schwere, die immer wieder wie beim Übergang von „Year oft he Plaque“ zu „Happiness III“ oder in „Sunday rain sets in“ durch Tempo- und Stilwechsel gekontert wird. Songs wie kreisende Gedanken beim Blick aus dem Fenster in die grau begrenzte Welt eines verregneten Tages in der Großstadt.
Eine Ausnahme stellt das sich immer weiter steigernde und schließlich wie ein Befreiungsschlag beißend rockige Instrumental „Vermillioncore“ dar.

Als Abschluss des Albums schickt Wilson einen alten Bekannten im neuen Gewandt ins Rennen. „Don’t hate me“ – „Porcupine Tree“- Fans noch in guter Erinnerung – macht sich auch als Duett mit Ninet Tayeb, der israelischen Sängerin, die Wilson ebenfalls auf der aktuellen Tour begleitet, gut. Es ist wie der hoffnungslose Versuch, sich zu finden, trotz Verschiedenheit miteinander zu sein. Mehr als einfach nur solide, glänzt hier der Stern der ganzen Weite tief-empfundener Sehnsucht, mal nah, mal fern.
Am Ende trägt diese Stimmung aus dem Album. Wo der Song ein Anfang hätte sein können, eröffnet er die Zeit des Wartens auf die nächste Produktion.
Das Fragezeichen bleibt.