L'Ame Immortelle: Drahtseilakt (2014) Book Cover L'Ame Immortelle: Drahtseilakt (2014)
Trisol Music Group
28.11.2014

 Tracklist:

  1. Erste Schritte
  2. Sag mir wann
  3. Eye Of The Storm
  4. My Memory
  5. Komm zu mir
  6. Sehnsucht
  7. Warum
  8. Ich fang Dich auf
  9. Drown Them
  10. Tauch mich in Dein Licht
  11. Einsamkeit
  12. Drown Them
  13. Ich fang Dich auf
  14. Eye Of The Storm (Nachtmahr Remix)

 

Wer den 1997er Debüt-Silberling von L'ame Immortelle „Lieder, die wie Wunden bluten“ noch immer im Gehör hat, freut sich über das zehnte Studioalbum der Österreicher – und deren Entwicklung. Während damals noch deutliche Spuren aus Thomas Rainers Black-Metal-Vergangenheit dem Album den brachialen Charme eines ungeschliffenen Rohdiamanten einbrachten, klingt der Drahtseilakt aus dem Jahr 2014 sehr viel reifer, aber auch facettenreicher.

Doch damals wie heute prägt das Album der Gegensatz zwischen – teilweise noch immer – elektronisch verzerrtem Gesang des Frontmanns und der schmeichelnden Stimme Sonja Kraushofers, die der technoiden Elektronik Schlager- und Musicalhaftes entgegensetzt.

Die Grundmuster der Tracks auf „Drahtseilakt“ sind einfach gestrickt. Hämmernde oder zumindest tanzbare Rhythmen wechseln sich mit klassisch-orientierten Komponenten ab. So treffen  Elektropop-Nummern auf melancholische Balladen und Hymnen.

Zögernd, fast schüchtern – auf jeden Fall vorsichtig und fragend: So beginnt der Drahtseilakt von L'ame Immortelle. Doch spätestens bei „Sag mir warum“ ist die Gangart des Albums klar. Gewohnt brachial und mit verzerrter Stimme brettert Thomas Rainer durch diesen ersten Albumsong, um gleich danach von einer zärtlichen Hymne „My Memory“ abgelöst zu werden. Auch „Einsamkeit“ ist eine Solobalade von Sonja Kraushofer, die am besten zu einem grautrüben Winterabend passt, weil der Inhalt etwas morbide daher kommt.

Ganz ohne verzerrte Stimme kommt dagegen „Komm zu mir“ aus und ist durchaus tanzbar. Da hört man, dass der Thomas auch richtig mit Bassstimme singen kann!

Das wohl bekannte Duo „The Beauty and the Beast“ ist bei dem Titel „Warum“ wieder ganz in seinem Element. Den Song dominiert der Kontrast zwischen Musical-Schlager-Feeling und böse verzerrter Stimme.

Eine eher technoide Tanznummer ist dagegen „Ich fang Dich auf“. Fast könnte man meinen, „L'ame Immortelle“ wagen einen Ausflug zum Industrial. Das Solostück für den Frontmann wirkt inhaltlich fast mütterlich und schlägt einen Bogen zum Titel des Album. „Tauch mich in Dein Licht“ dagegen erinnert sehr viel mehr an die Metalvergangenheit des Frontmanns und greift auch die Strukturen der härteren Gangart auf.

„Drown them“ ist ein eher überraschendes und untypisches Solo für Sonja: Gewöhnlich setzt sie in den Alben eher hymnen- und balladenartige Schwerpunkte. Doch dieser Titel ist tanzbar-eingängig, auch wenn bis heute ihre Musicalausbildung in der stimme unverkennbar durchklingt. Aber Markenzeichen sind ja nichts schlechtes und durchaus für die Wiedererkennung nützlich.

Der „Drahtseilakt“ ist, anders als der Titel vermuten lässt, kein besonderes Wagnis. Es ist vielmehr ein Balanceakt zwischen der Vielzahl musikalischer Welten, durch die L'ame Immortelle inzwischen selbstsicher manövriert. Spannend und hörenswert!