Fjørt: Couleur (2017) Book Cover Fjørt: Couleur (2017)
Post Hardcore/ Post Rock
Grand Hotel van Cleef
17.11.2017
www.fjort.de

Tracklist:

1. Südwärts
2. Couleur
3. Eden
4. Mitnichten
5. Raison
6. Windschief
7. Fingerbreit
8. Magnifique
9. Bastion
10. Zutage
11. Karat

Drei Alben in drei Jahren. Die verhältnismäßig junge Band Fjørt strotzt nur so vor Tatendrang und beweist mit Couleur einmal mehr, wie vielfältig deutschsprachige Musik sein kann. Zwar deuten die Ein-Wort-Titel auf eine eher wortkarge Platte hin, jedoch sind Fjørt wortgewandt wie eh und je.

Auf Couleur treffen, wie bereits beim Vorgänger Kontakt, komplexe Songstrukturen auf einen Mix aus wunderbaren Post Rock- Anleihen und Post Hardcore, während Chris Hell und David Frings ihre cleveren Texte um die Wette schreien.

„Rückwärts war nie vorgesehen“

heißt es bereits im wenig verspielten Opener Südwärts, welcher mit breiten Gitarrenwänden und donnerndem Bass aufwartet. Die nächsten Stücke sind von ähnlicher Natur und vor allem der immer wieder gleiche wütende Gesangsstil fällt ins Ohr. An dieser Stille wünscht man sich als Zuhörer vielleicht die ein oder andere Nuance von Wut in der Stimme und die bekommt er ab Raison auch. Der Song stellt ein klares Statement gegen die politischen Geschehnisse der letzten Jahre dar.

 „Die Renaissance von Menschenhass und Zensur“

wird besungen, bevor er in einen schweren Instrumentalpart übergeht. Etwas leichtere Kost gibt es mit Magnifique. So wirkt dieser durch helle Gitarren und ein zurückhaltenderes Schlagzeug heller und einladender, als alle Songs zuvor.

„Ich habe dich dabei erwischt, wie du majestätisch Leinwände füllst, mit dem wunderschönen ersten Pinselstrich“

, heißt es. Ein ausgewogenes, vielseitiges Stück, welches dem düsteren Grundtenor der Platte etwas den Wind aus den Segeln nimmt. Darauf folgt mit Bastion ein klarer, schnörkelloser Rocksong. Die Platte schließt mit dem womöglich schwersten Stück Karat. Schmerzerfülltes Gesangsgeschrei begleitet von schweren Gitarren und Bässen bringt den Zuhörer noch einmal „Südwärts“ bevor er ihn in die Stille entlässt.

Alles in allem haben Fjørt mit Couleur in kürzester Zeit eine weitere, starke Platte abgeliefert, welcher es jedoch an einigen Stellen an etwas Abwechslungsreichtum fehlt. Die Texte auf Couleur erweisen sich wieder als äußerst clever und durchdacht, jedoch wäre an einigen Stellen etwas mehr lyrische Finesse statt eines plakativen Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Schemas wünschenswert gewesen, da das Hörerlebnis durch einige plump wirkende Reimereien getrübt wird.  Nichtsdestotrotz handelt es sich bei Couleur um eine sauber produzierte Platte, die Vielfalt in jedes Plattenregal bringen und hervorragende Live-Shows auf die Bühnen unserer Clubs tragen wird.

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Thea Drexhage
Thea Drexhage hat Salma Hayek einiges voraus! 100 mm. Wie die meisten Frauen der Redaktion, Duffy, Beth Ditto, Joan Rivers oder Angus Young kann sie die MusikerInnen aus dem Bühnengraben also völlig problemlos sehen, wenn jemand ihren Hocker trägt, wird aber - das hat sie mit Salma dann doch wieder gemein - dennoch viel zu oft auf Ihre Körpergröße, ihre Mähne und ihre leicht misanthropischen Anflüge reduziert. Damit sie also nicht im nächstbesten Titty Twister von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang Menschenmengen und Bläser mätzelt, halten wir “Aggro-Thea”, die zuvor ganze Landstriche in Mecklenburg Vorpommern ausgerottet hat, halbtags im spießbürgerlichen Oldenburger Exil an der langen Leine. Seither legt sich die scheißpünktliche existentialistische Besserwisserin analog mit Satre, Camus & Kodak an und ja, auch wir müssen neidlos zugestehen, dass der Instagram-Account ihrer beiden Katzen “Salma” und “Hayek” mehr Follower pro Tag hat, als unser webzine im ganzen Jahr.