Most Wanted 2021: Daphnes musikalischer Jahresrückblick

Wollten wir 2021 nicht alle auf Sternen tanzen? Getragen von dem eingeläuteten Ende der Pandemie, Impfstoff sei Dank. Getragen von der Zuversicht auf ein „normales“ Konzertjahr, der Kühlschrank noch voller Karten, darauf mit Bleistift: Neue Daten. Dann aber bestimmt im Stehen! Open Air ja sicher wieder in voller Besetzung, hoffentlich hält das Wetter. Auf dem Zeltplatz der großen Festivals wird’s sicher anders laufen. Wie gilt noch herauszufinden, es ist ja noch Zeit. 

Dann der Januar, die ersten Radierungen. 
Dann der Februar, vielleicht lieber Klebezettel statt neue Bleistiftdaten?
Dann der März, soll ich überhaupt noch neue Konzertkarten kaufen? 
Dann der April, so langsam verliere ich den Überblick. 
Dann der Mai, ich kaufe ein neues Radiergummi.
Ab dann: Testen, Impfen, Testen und Impfen. Maske. 3G, 2G, 2G+, ohweh. Hilftjanix. Hauptsache live, Streaming ist so 2020. 

Der meistgesehenste Act:

Mit falscher Strophe und richtigem Refrain
Sang ich nur für Dich
Während wir gehen
Du hast gelächelt und ich sagte dann:
„Sincerely, Thees Uhlmann“

Ganze 12 Mal. Ja, 12 Mal in 2021. Upps. Von Hamburg über Paderborn bis Köln. Angefangen bei der Quell van Cleef Bierverkostung. Wiedersehen von Freunden. Wiedersehen mit Freunden. Bestes Bierwetter, beste Bierlaune. Danke für die Angst ist jetzt ein Quartett, ab Sommer die ganze Band wieder vereint. Und dann, so noch nie und so nie wieder, WBU – Wiebusch, Bosse, Uhlmann. Wie wunderbar war das denn bitte? Im Sitzen, im Stehen, draußen, drinnen, hauptsache dabei. Rheine, Stadthalle, indoor, maskenlos, fühlt sich so nackt an. Kurzer Abstecher im strömenden Regen beim KGB Open-Air, das wär fast ins Wasser gefallen, literally. Dann: Barclaycard Arena Hamburg. Knapp 600 Plätze, 2 ½ Meter Abstand zu allen Seiten, fast so wie Security wie Zuschauende, Maskenpflicht, Tourabschluss. Ok doch nicht ganz, Bremen fucking Nord (kennt man sonst von Grillmaster Flash) lädt zum letzten Tanz. Mit Glühwein in der Strandbar.

Das schönste Konzert:

Jetzt denke ich, dass es vielleicht zu früh war
Und dass das Beste eigentlich noch kommt
Und dass ich mich vielleicht in was verrannt hab
Und niemand hinterher kommt

Ok, eins der schönsten Konzerte. Trotz der (vergleichsweise) kleinen Auswahl kann ich mich kaum entscheiden. Muss ich jetzt aber, also: Tada. The Winner is Moritz Krämer. Vier Uhr morgens klingelt ein Wecker, Vier Uhr Zehn der Snoozebutton. Aus dem Bett schälen, warm einpacken, die berühmte Zwiebel. Picknickdecken, Kissen, Picknickkorb, Kaffee. Sparrenburg Bielefeld. Kurz vor Sechs. Eine Gitarre, Ein Keyboard, ein Moritz. Aus Grau wird Gold. Mit den ersten Tönen die ersten Strahlen Sonne. Warm wird’s in der Natur, Seifenblasen steigen auf. Zeit, die Zwiebel zu schälen. 

Die spannendste Location:

Es kehren Rasenmäher und Planschbecken zurück
Blumenkästen und Gartenmöbelgarnituren
In den Winterschlafgaragen werden Cabrios geweckt
Zurück in die Natur

Hier treffen wir eine alte Bekannte wieder. Hallo Westfalenhalle Dortmund, schön dich zu sehen. Endlich mal wieder Ausverkauft. In 2021. Ja, das ging! Aber nur, weil ausverkauft ganze 50 Tickets bedeutet. Gänsehaut beim Betreten, jeder Schritt hallt, ehrfürchtiger Blick in die Höhe, Fotos für die Nachwelt. Kapelle Petra spielen bei Dortmund Live. Streamingkonzert vor ausgesuchtem Publikum. 25 Minuten, jede einzelne tief in das Gedächtnis einbrennen lassen. Da bleibt keine Zeit für lange Ansagen. Da bleibt keine Zeit für das anderes als Hits. Neues vermischt mit der Creme de la Creme des Bekannten. Mit den vier Jahreszeiten hat die Band quasi einen musikalischen Ganzjahres-Adventskalender geschaffen. Vier EPs verteilt übers Jahr unterwegs. Gut, dass der Frühling angebrochen ist. Der Sommer auf dem Weg, Herbst und Winter gefühlt noch ewig weit weg. 

Die Bilanz:
39 Konzerte auf der Uhr, davon ein Theaterstück (Kabale und Liebe musikalisch untermalt von Kettcar), eine Bierverkostung mit musikalischer Untermalung (Quell van Cleef mit Thees Uhlmann und Shitney Beers) und 3 Hybridkonzerte live vor Ort (Kapelle Petra bei Dortmund live, Orange Hotel Special und Grillmaster Flash im KGB Langenberg). Kann sich sehen lassen.

Der Ausblick: 
Ach lassen wir das einfach. Gehe zurück über Los, ziehe nicht 2000 Konzertkarten ein.

Daphne Dlugai
Daphne Dlugaihttps://www.be-subjective.de
Daphne Dlugai. Eine lebendige Mindmap aus einem Kessel Buntes, läuft wie ein Duracellhäschen, wenn man Kaffee, kaffee, kaffee (hier als Nomen, Verb und Adjektiv verwendet) in ihr System kippt. Oder Schokolade. Im Herzen eine Disneyprinzessin (definitiv Mulan, die anderen sind zu girly),  im echten Leben Teilzeitcholerikerin, audiophil Vinyladdicted und ist Daphne ein bisschen sonderbar. Oder war es Sonderpädagogin? Wir wissen es nicht so genau. Man munkelt sie ist wegen Schokolade auf Bewehrung und versucht diese Schwäche mit Bastelkram zu kompensieren. Funzt! Alles ist schöner mit Kerzen! Sogar Kerzen.

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