Review: Sunrise und Surprise – Tequila & the Sunrise Gang (25.02.2023, Hannover)

Es gibt so Abende, da wird man doch mal überrascht. Positiv überrascht. Auf der Homepage des Veranstalters war immer nur eine Band für diesen Abend angekündigt. Da stellt man sich dann darauf ein, dass das Konzert ungefähr normale Spielfilmlänge hat und man dann gegen 22:30 Uhr wieder in seinem warmen Nest ist. Ist auch mal gut, aber wie gesagt, positive Überraschungen kann mensch ruhig mal erleben in diesen Zeiten. Besser ist das. Die Band wurde wahrscheinlich kurzfristig angefragt: „Habt ihr Zeit und Bock?“ „Na klar“, die Antwort. Und so sieht man beim Betreten des Musikzentrums in Hannover als Erstes das Banner von Grundhass.

Grundhass (Foto: Michael Lange bs! 2020)

Grundhass, Grundhass? Wer war das nochmal? Waren die schon mal da? Ein Blick ins Archiv und zack gefunden. Am 02.07.2020 war Grundhass auch Support, bei einem dieser Autokultur-Konzerte. Ein etwas übergewichtiger Typ mit bunten Haaren und allein mit seiner Akustikgitarre. Und heute Abend? Zweite Überraschung. Steffen Neumeister, so heißt der Mann, hat einen radikalen Typwechsel vorgenommen, andere Frisur, anderer Körperbau, geht jetzt irgendwie in Richtung Schwiegermutter´s Liebling. Und das ist nicht negativ gemeint. Und dritte Überraschung: er hat jetzt einen Schlagzeuger dabei, der auf den Namen Tonic hört. Und das ist der Grund warum Grundhass jetzt ganz anders abgehen. „Diggi gib Kohle”, „Dorfpunks“, „Dortmund“ kann mensch gut hören, weil eingängig, tanzbar, gute Laune verbreitend. Selbst „Fünf minus vier“, eigentlich ein trauriges Trennungslied, ist irgendwie fröhlich. Grundhass kann gerne wieder kommen, gerne auch kurzfristig.

I see your face at night in our campfire light
And it′s breaking me breaking me when I change my sight
Your face at night in a campfire light
In the clash of day and night
You’re a vision of delight

Tequila And The Sunrise Gang (Foto: Michael Lange bs! 2023)

Was an diesem Abend auch überrascht, ist die Tatsache, dass mehr Frauen als Männer im Musikzentrum Hannover sind. Ist hier etwa eine Boy-Band am Start? Irgendwas mit Boys im Bandnamen? Nö, ist eine Gang. Tequila & the Sunrise Gang. Uuuh, eine Gang, und die spielen Ska-Punk. Uuuuhh. Ist das dann Gangsta-Ska-Punk. Nein, nicht wirklich. Ist einfach nur Gute-Laune-Mucke. Bereits beim Intro „Don´t Stop me Now“ von Queen, kommt Bewegung ins Publikum, gepaart mit freudiger Erwartung. Endlich wieder Spaß haben, Tanzen, Abgehen. Na klar ist dieser Ska-Punk, Musik auf einfachstem Niveau, aber damit fängt man die Leute. Ganz einfach.

Tequila And The Sunrise Gang (Foto: Michael Lange bs! 2023)

Pogo, Moshpit, das alles gehört dazu, genauso wie ein Experiment, als ein junger Fan auf einem Aufblastier, dem Mann am Licht ein Bier bringen soll. Die Menge trägt ihn auf Händen dahin und natürlich auch wieder zurück. Der Lichtmann ist glücklich und alle anderen auch. Frontmann René Unger macht launige Ansagen, allerdings passt manche Ansage nicht zum anstehenden Song. Was hat er denn, der René? Ist er aufgeregt, endlich wieder live vor Publikum zu spielen? Mag sein. Zum Glück passt Bassist Lukas Hartung auf. Also Ansage nochmal und ab geht es. Mal etwas ruhiger mit Reggae, dann wieder volles Ska-Tempo. „Kick it“, „Take You Home“ oder „My Dear, My Darling” klingen oft ähnlich und irgendwie auch nicht. Egal, Hauptsache da ist Energie im Raum. Eine besondere Ansage kriegt „Can You Feel the Love Tonight“. Die Songrechte hierfür sollen tatsächlich mal bei TATSG gelegen haben, wurden aber leider, leider für kleines Geld verkauft. Jetzt macht einer Millionen damit und René & Gang machen dicke Backen. Aber das Lied spielen sie trotzdem und sind sich der Zuneigung der 450 Fans sicher. Was ist schon Geld, nur die Liebe zählt. Frenetischer Jubel zum Schluss und dann noch eine Pina Colada vom Band als Outro. Was will mensch mehr. Ein schöner Cocktail wäre jetzt nicht schlecht.

Galerien (by Michael Lange bs! 2023):

Links:
www.grundhass.com
www.tatsg.de

Michael Lange
Michael Langehttps://www.be-subjective.de
Michael Lange. MichaL ist der Methusalix in unserem Team. Ein Original, ein Sympath, ein Genießer von A wie Abba bis Z wie Zabba und im realen Leben ein Stepptänzer. »Jawohl, das mit dem KlackerdiKlack.« MichaL hat schon Rock’n’Roll gehört, da waren die Little Boy Blue and the Blue Boys noch grün hinter den Ohren. Man munkelt er konnte schon einparken, da gab es noch nicht mal Rückspiegel, geschweige denn Einparkhilfen. Dennoch ist die MichaL noch lange kein Oldy oder darauf fokussiert. The big L war plötzlich da. Zeitlos. Unerwartet und doch völlig freiwillig tauchte er in unserem Universum auf und bereichert es. KlackerdiKlack.

Weitere Artikel

Ähnliche Beiträge

Review: Die neue Liebe erkennt man mit geschlossenen Augen – Tiefblau (17.02.2024, Hannover)

Wenn jemand frisch verliebt ist, kommt irgendwann der Zeitpunkt,...

Review: Alles. Wirtz. Gut ?! – Wirtz live (10.02.2024, Hannover)

„Alles wird gut“ ist wohl die Königin der Floskeln....

Preview: Irgendwas mit R – Rogers live (2024)

Das letzte Album Rambazamba & Randale beginnt mit R....

Preview: Twist and Shout – Adam Angst live (2024)

Den gibt es als Tanz, als Cocktail, als Film...