Review: Tourabschluss Megaherz mit Unzucht (15.12.2012, Hannover)

Foto: Torsten Volkmer
Foto: © Torsten Volkmer bs!
Foto: Torsten Volkmer

Foto: Torsten Volkmer

Springt mit uns! Wenn ein Mann mit Glatzenschädel, weiß getünchtem Gesicht und schwarzen umrandeten Karo-Augen die Bühne betritt, dann kann das nur einer sein: Alexander „Lex“ Wohnhaas, besser bekannt als der Frontmann von Megaherz. Und die Herzen bringen dieselben im Musikzentrum in Hannover am
Sonnabend zum Höherschlagen, zum Überlaufen – und den Blutdruck gehörig in Wallung. Und das vom ersten Takt an.

Da spielt es auch fast keine Rolle, dass es angeblich ein Konzert unter „erschwerten Bedingungen“, wird, wie der Frontmann ankündigt. Denn es sei der Abschluss der Götterdämmerung-Tour. Und deshalb mit üblen Streichen der Crew  zu rechnen. „Die haben unsere Setlist komplett neu gemacht heute.“ Und bayerisches Bier „amputiert“. Da war es wohl schon zu viel des Gebräus. Doch Lex lädt zum Auftakt zur Jagdzeit und fordert die Fans munter auf: „Springt mit uns!“ Und die Fans springen. Bei „Heuchler“ recken sie konform die Fäuste in die Luft, während der Frontmann mit den Armen rudernd den Takt energisch vorgibt. Bei „Prellbock“ gar mutiert er zum Derwisch, dreht sich um die eigene Achse, bis kurz vor eine Ekstase. Um sich dann, der Vergleich sei verziehen, bei „Heute Nacht“ hymnisch-gewaltig dem Grafen zu nähern. Bald holt er für „Den Mann im Mond“ einen weißen Kittel auf die Bühne. Und dirigiert für „Dein Herz schlägt“ ein gigantisches Ballett aus tanzenden Händen vor der Bühne. Fäusten fliegen rhythmisch durch die Luft für „Kopfschuss“. Da gibt’s ordentlich was auf die Mütze.

Foto: Torsten Volkmer

Foto: Torsten Volkmer

Da ist Hannover angekommen in der Neuen Deutschen Härte: getrieben von stampfenden Donnerschlägen, versunken in Texten, die es lohnt, mehr als einmal zu hören. Und ja – da sind sie plötzlich schon: die Zugaben. Da gibt es ein Licht am Ende der Welt, das vor zwölf Jahren schon so gut war wie heute. Und es gibt „Gegen den Wind“. So brandneu, dass es noch auf keinem Album erschienen ist. Und wieder gibt es vor der Bühne ein Meer aus Händen, die sich vor dem Frontmann zu tosenden Wellen aufbauen.

Die Kulthymne „Miststück“ gibt es zum Grand finale zusammen mit dem Unzucht-Sänger Daniel auf die Ohren. Da fliegen Shirts. Da werden die Schnäppies mit den Fans geteilt. Die Hannoveraner Band hat zuvor Megaherz einen gut geheizten Boden im Musikzentrum bereitet. Im eher leichten Reisegepäckt hat die Gothic- und Industrial-Formation ihr Debüt „Totsünde 8“, das die Kritik zwischen hochgelobt bis niederschmetternd im September zur Kenntnis nahm. In Hannover jedoch zählt zweifelsohne der Heimvorteil. Und etwas vom nahen Tourende schafft eine gewisse Leichtigkeit, Entspanntheit – und Feierlaune.

Es sei ein Wahnsinnsabschlussfest gewesen in Hannover: würdig und recht. Das schreiben die Herzen am Tag nach Tourabschluss auf ihre Internetseite. Die Fans in Hannover werden das unterschreiben.

Links:
www.megaherz.com