Review: Paradise Lost, Ghost Brigade (05.10.2009, Helsinki)

Foto: Iris Kessin
Foto: Iris Kessin

Foto: Iris Kessin

Die britischen Metalikonen Paradise Lost sind wieder auf Tour. Seit ihrer Gründung vor 21 Jahren, haben Paradise Lost ihren Schwerpunkt vom Death und Doom Metal nach einem Exkurs zum Synth-Rock gegenwärtig auf das mehr Mainstream-taugliche Gothic Metal verlagert. Wie immer, wenn eine Band ihre ursprünglich eingeschlagene Richtung ändert, resultierte die Neuorientierung auch in einer Veränderung der bisherigen Fangemeinde. Die auf die eher düstere, morbide Seite fixierten Fans wandten sich anderen Bands zu, die ihrem Musikgeschmack mehr entsprachen. Stattdessen gewannen Paradise Lost neue Anhänger – genug um in ausverkauften Hallen zu spielen, und ihre Alben erfolgreich zu vermarkten.

Zumindest noch vor acht Jahren, als ich die Band zum letzten Mal live im bis auf den letzten Winkel vollgepackten Tavastia im finnischen Helsinki erleben durfte.
Da die Band in diesem Jahr sogar für das noch größere, etwa 200 Personen mehr fassende Nosturi gebucht war, waren meine Erwartungen entsprechend hoch. Gut, der Gig fiel unglücklicherweise auf einen Montag, aber wenn die Musik stimmt, tut das der finnischen Fanbegeisterung normalerweise keinen Abbruch. Umso überraschender war es, dass zu Beginn des Sets von Paradise Lost die Halle nur etwas zur Hälfte gefüllt war, obwohl die Band bisher eine solide finnische Fanbasis vorweisen konnte und vor Ort etliche (ausverkaufte) Konzerte gespielt hatte. Offensichtlich hatte nicht nur ich, sondern auch der Veranstalter sowie die Band selbst aufgrund des bisherigen Erfolges deutlich mehr erwartet.

Einer Sache konnten sich Paradise Lost an diesem Abend jedoch sicher sein – die treuesten Fans waren anwesend, und belegten auch sogleich die vordersten Reihen. Die Stimmung war euphorisch, als das englische Quintett die Bühne betrat. Im Laufe ihrer Karriere haben Paradise Lost bereits drei Mal den Schlagzeuger gewechselt. Seit März 2009 ist der vierte neue Mann im Bunde: Adrian Erlandsson, der sein Können bereits unter anderem in Bands wie Samsas Traum, Nemhain, oder Cradle of Filth bewiesen hatte.

Das Set selbst war eine ausgewogene Mischung aus älteren, klassischen Nummern und natürlich neuem Material von ihrer aktuellen Scheibe "Faith Divides Us – Death Unites Us" (Century Media, 25. September 2009). Wer bisher noch keine Gelegenheit gefunden hat, in das zwölfte Studioalbum der Band hineinzuhören, sollte diese beim nächsten Besuch im heimischen CD-Shop nachholen, denn Heavy Fans kommen garantiert auf ihre Kosten!

Zwei Minuspunkte gab's an diesem Abend dennoch zu verteilen: Woran es letztendlich gelegen hat, ist unklar, doch war der Sound zu Beginn des Konzertes denkbar schlecht. Teilweise klang es verzerrt aus den Verstärkern, teilweise waren einzelne Instrumente so laut, dass Sänger Nick Holmes' Stimme streckenweise fast völlig überdeckt wurde. Im Verlauf des Abends besserte sich die Situation ein wenig, aber völlig in den Griff bekam die Tontechnik die Lage nicht. Der zweite Punktabzug des Abends geht an den Frontman der Band selbst: Geschickt hinter einem der Monitore positioniert fiel der Aktenordner mit den abgehefteten Songtexten kaum auf. Schnelles Umblättern beim Aufnehmen und Wegstellen der Wasserflasche am Boden, und schnelle, durch die ins Gesicht fallenden halblangen Haare gekonnt verdeckte Blicke auf die Worte, die da geschrieben waren … ob er seine neuen Songs noch nicht auswendig, oder sich schlichtweg an die älteren Nummern nicht mehr gut genug erinnern konnte, es wirkte unprofessionell auf diejenigen, die es mitbekamen.

Ungewöhnlich war auch die Aufteilung der Set List – zwar startete die Band wie erwartet mit einem "The Rise Of Denial", einem Track vom neuesten Album, den Klassiker "As I Die" hätte man jedoch eher am Ende der Show erwartet statt mitten drin. Unerwartet war auch der Song "Eternal" vom 2. Album "Gothic". Sicherlich eine Überraschung für die meisten, schien der Track jedoch innerhalb des Sets etwas deplaziert, da sich Stil der Band inzwischen sehr gewandelt hatte.

Dennoch – Paradise Lost haben mit "Faith Divides Us – Death Unites Us" ein wunderbar düsteres, melodisches, hartes, aber ins Ohr gehendes Album vorgelegt, dass definitiv als eines ihrer überaus gelungenen Scheiben bezeichnet werden kann und viele ihrer Fans begeistern wird. Und wenn dann noch die Soundtechnik bei den Konzerten stimmt, klingen die neuen Songs sicherlich auch live so, wie sie aus der heimischen Stereoanlage herüberkommen, nämlich einfach genial.
 

Setlist:

  1. The Rise Of Denial n
  2. Pity The Sadness
  3. Erased
  4. Embers Fire
  5. I Remain n
  6. As I Die
  7. The Enemy
  8. First Light n
  9. Enchantment
  10. Frailty n
  11. One Second
  12. Forever Failure
  13. Requiem
  14. Faith Divides Us – Death Unites Us n
  15. Eternal
  16. Say Just Word

Tourdaten Deutschland:

  • 11.11. Stuttgart
  • 12.11. Leipzig
  • 13.11. Berlin
  • 14.11. Mannheim
  • 15.11. München
  • 16.11. Saarbrücken
  • 18.11. Bielefeld
  • 19.11. Hannover
  • 20.11. Cottbus
  • 21.11. Erlangen
  • 22.11. Hamburg
  • 11.12. Dortmund

 
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