Review: Carl Verheyen live im Herzog Ernst (07.07.2015, Celle)

Foto: Jürgen Wilde ©bs!

Der „Herzog Ernst“ in Celle ist bekannt für seine außergewöhnliche Live-Musik. Immer wieder schafft es Inhaber Axel Lanz, hervorragende Musiker in seine Altstadt-Kneipe zu verpflichten. So auch überraschte es auch nicht, dass er Carl Verheyen in seinen recht kleinen Club locken konnte. Der Kalifornier ist einer der Top-Ten Gitarristen weltweit und hat sich als Mitglied der Band „Supertramp“ einen Namen gemacht (die übrigens im November und Dezember auch in Deutschland  Konzerte gibt).

Verheyen kam mit seinen Kollegen Dave Marotta am Bass und John Mader hinter den Drums nach Celle. Mit ihnen als Trio hatte er vorher  auf einigen Festivals in Deutschland und Österreich gespielt. „Jetzt waren wir auf dem Weg nach Hamburg und bekamen die Anfrage, hier zu spielen“, erzählt Verheyen. „Und da war Zeit hatten, haben wir zugesagt.“ Zur Freude der Besucher im „Herzog“, die  ein  wirklich bemerkenswertes Konzert zu hören und zu sehen bekamen. Denn da die Bühne in der Kneipe recht klein ist (Verheyen: „Da ist ja mein Bettvorleger größer“) und das Schlagzeug fast den kompletten Platz einnahm und für seine Pedals einfach kein Platz mehr war, lieh er sich kurzerhand eine Akustikgitarre. Zwischendurch holte er aber auch ab und an die elektrische Version heraus.

Foto: Jürgen Wilde ©bs!
Foto: Jürgen Wilde ©bs!

Was folgte, waren fast drei Stunden, in denen die drei Musiker mal improvisierten, mal Verheyens eigene Stücke spielten. Little Feat-, Muddy Waters-, Bob Dylan-Songs brachte die Band in eigenwilligen, aber immer hochprofessionellen Versionen zu Gehör. Verheyen: „Wir haben heute eine Setlist zusammengestellt,  wie wir sie auf der ganzen Tour noch nicht gespielt haben. Wir mussten halt ein bisschen improvisieren. Es waren Stücke dabei, die sind heute heute zum ersten Mal vor Publikum erklungen.“ Zwischendurch unterhielt der Amerikaner mit munteren Geschichten, ein kleiner Entertainer eben.

Aber in jeder Minute bewies er seine Ausnahmestellung als Gitarrist. Da sitzt jeder Ton, nichts klingt schräg. Marotta und Mader standen dem in nichts nach. „China Town“ etwa ist ein Stück aus dem 2000er-Album „Atlas overload“. Peter Gabriels Stück „Mercy Street“ bekommt mit Verheyen an der Gitarre  ein völlig anderes Gesicht. Und als dann zum Schluss auch noch der Supertramp-Hit „Bloody well right“ erklang – übrigens der einzigen Song seiner Band, den er bisher gecovert hat – waren alle Besucher im Herzog zu echten Verheyen-Fans geworden.

Links:

www.carlverheyen.com