Review: Klez.e – Musikalisches Best-of im Beatpol (01.12.2017, Dresden)

Klez.e (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

Text: Torsten Arndt.

Nicht erst 2017 sind mir die Musiker von Klez.e über den Weg gelaufen, sondern bereits einige Jahre zuvor. Ich spreche von den Nullerjahren. Musikalische Brauzeit für so manchen Doppelbock-Highfligher im Indie-Rock-Bereich. Nur damals sind mir Klez.e noch durch meine grobmaschigen, musikalischen Fangnetze gerutscht.

Aber dieses Jahr ist alles anders. Die Mannen um Multiinstrumentalist Tobias Siebert habe ich im Frühjahr schon gejagt, lieblich vor mir her getrieben und spätestens im Sommer zum Festival Alinae Lumr erfolgreich eingenetzt! Das natürlich nur gedanklich und auf die Musik bezogen.

Und nun dürfen Daniel Moheit (Keys, Bass) und Philip Pampuch (Drums) mit bereits erwähntem Tobias Siebert (Vocals, Gitarre) die alternativen Bretter des Beatpols in Dresden zerfasern.

Box And The Twins (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

Sie steigen mit ‚Am Grund der tiefgrünen See‘ ein, vom 2009er Album ‚Vom Feuer der Gaben‘. Ein musikalischer Impulsvortrag. Das induziert sofort Spannung in das von der Vorband Box and The Twins aufgeheizte Publikum. Ein kurzes Wort zur Vorband. In mein Mindset schaffen es die drei Kölner leider nicht. Zu beliebig und austauschbar ist der Dream-Pop für mich und zu oft mit der gleichen 80er Wave-Schattierung versehen.

Musikalische Spurensuche

Aber zurück zu Klez.e. Vom Grund der tiefgrünen See geht es hoch in den ‚Garten‚. Erster Song aus dem ‚Desintegration‚ Album, welches hinlänglich als Hommage an ‚The Cure‚ bekannt ist. Ein tolles Album wie ich finde. Politische Statements wie:

Draußen vor den Mauern, fängt es an sich zu bewegen,
da steht der Dummheit bester Freund, er zeigt Flagge mit der Hand.
Draußen vor den Türen, fangen wir an im Schlamm zu stehen,
weil Pflastersteine so schön schweben, ich fühle auch in mir ein Beben.

werden in zeitgeschichtliche Finsternis eingehüllt. Wirken deutlich düsterer und bedrohlicher. Herr Siebert tritt in seinen Songs des Öfteren politisch manifestiert in Erscheinung. Immer her mit deiner Stimme. Wir brauchen jede einzelne. Wo, wenn nicht hier im gespaltenen Dresden sind Stimmen gegen Hass und Hetze besonders willkommen!

Klez.e (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

Und nach den Songs ‚Mauern‚ und ‚Nachtfahrt‚ – ebenfalls vom neuen Album – katapultiert Klez.e die bereits heftig mitschaukelnde Masse in die anfangs erwähnten Nullerjahre zurück. Es ist ‚Durch mich durch sehen‘ dran, vom 2004er Album ‚Leben daneben‚. Mein erster Höhepunkt in diesem Konzert. Dieser Röntgen-Blick zurück ragt heraus, ist musikalisch fast etwas elitär und fügt sich trotz allem nahtlos in die Best-of-Riege dunkler und schauerlich hämmernder Songs an diesem Abend ein. Dieses Lied nimmt mich an die Hand, nietet mich nun unlösbar in die Ge(mind)e ein.

Indie-Rock im New Wave-Gewand

Klez.e (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

Habt ihr die Präsenz von Tobias Siebert schon einmal erleben dürfen? Er sticht aus der Masse charismatischer Frontmänner immer noch ein wenig heraus. Mystisch. Geheimnisvoll. Trotzdem nahbar, mit Hang zum Detail.

Das vorletzte Lied im Hauptset ist ‚Strandlied‚. Aktuell mein ganz persönlicher Favorit. Kommt dieser etwas ältere Song auf Platte klar im Indie-Rock-Gewand aus der Kabine, ist dieser heute dressed in cure-eskem Schwarz. „Sind das etwa zwei Bässe? Ja das sind zwei Bässe.“ Unfassbar, was für eine verrückte Darbietung. Drums, zwei Bässe, eine Stimme. Es hämmert und das nicht nur im mit historischem Stuck versehenen Beatpol, sondern ebenfalls in meinem kleinen Klez.e-Fan-Kopf. Mich dagegen wehren? Nein, kommt nicht in Frage. Im Gegenteil, ich genieße es. Lass mich vom Rhythmus hin und her schaukeln, bzw. von den Basslinien tragen.

Zugabe-Zeit

Klez.e (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

Und alle singen ANTI-DEPRES-SIVA im Refrain von ‚Schwarz‚ mit. Ein fabelhafter Einstieg in die Runde der letzten Fünf. Dieser „schwarze“ Song ist gefühlt das ganze Gegenteil des darauffolgenden ‚Wir ziehen die Zeit‘. Depression vs. hymnischen Aufbruchs. Seelische Verkümmerung gegen schleichende Hoffnung.

Neuerlich verfestigt sich die milde Widersprüchlichkeit siebertscher Bildsprache. Der Abschluss bleibt ‚Drohnen‘ vorbehalten mit seiner dystopischen Klanglandschaft und aussagekräftigen Zeilen wie:

Wenn es regnet gehn die Kinder spielen, in den Trümmern vor dem Haus.
Wenn es regnet gehn die Kinder spielen, die Drohnen bleiben aus.

Fazit:
Eine fantastische Präsentation des mit viel düsterer Nostalgie – rückblickend bis zur Wendezeit ’89 – aufgeladene Album ‚Desintegration‚. Ein Konzert als filigrane Gratwanderung zwischen sanfter Abrechnungen und orientierungsloser Resignation, eingerahmt in pittoreskem Schwarz!

Galerien (by Kristin Hofmann bs! 2017):

Links:
www.klez-e.de
www.boxandthetwins.com