Review: Before Elvis there was nothing – Elvis, das Musical (06.05.2018, Hannover)

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Elvis Musical (Foto: Michael Lange bs! 2018)

Am Anfang ist das Ende. ELVIS – Das Musical beginnt tatsächlich mit dem Ende des King.  Ausschnitte aus weltweiten Nachrichtensendungen bringen folgende erschütternde Meldung auf einer Großbildleinwand: „Elvis Presley starb am 16. August 1977 im Alter von 42 Jahren auf seinem Anwesen Graceland in Memphis, Tennessee.“ Und dann singt  Elvis-Darsteller Grahame Patrick „My Way“ von Sinatra. Hört sich komisch an, aber das ist ein überaus geschickter und perfekter  Start in den Abend.  Es wird erstmal der Dampf aus dem Kessel genommen: Wieso, weshalb, warum starb Elvis so jung an Lebensjahren? Das interessiert wahrscheinlich jeden im ausverkauften Theater am Aegi, aber halt nur am Rande. Vielmehr wollen die Leute daran erinnert werden, wie alles begann, was für ein Mensch Elvis war, wie sich seine Karriere entwickelte. Und sie wollen Musik, Musik, Musik.  Genau das bekommen sie. Es geht rein, ganz tief rein in die Anfangszeit des Rock´n´Roll. Und wie sagte John Lennon damals so treffend: „Before Elvis there was nothing.“

Elvis Musical (Foto: Michael Lange bs! 2018)

Es beginnt alles im Juni 1953 als Elvis bei Sam Phillips Memphis Recording Service Sun Records vorstellig wird, um ein Lied für den Geburtstag seiner Mutter („My Happinness“) auf eine Single zu pressen. Sam Phillips selbst ist nicht da, aber seine Assistentin. Denn das ist das große Glück für Elvis. Diese Marion Keisker erinnert sich später  an den smarten Typen, ruft ihn an weil ein charismatischer Sänger gesucht wird,  und im Studio, diesmal in der Anwesenheit von Sam Phillips, wird  mit den Gitarristen Scotty Moore und dem Bassisten Bill Black „ That`s All Right Mama“ eingespielt. Phillips kriegt danach das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht, verteilt die Scheibe im ganzen Land an Radiostationen und DJ´s  und zack: „ A star is born“.  1955 übernimmt  der gebürtige Niederländer Colonel Tom Parker das Management und Elvis wechselt vom  regionalen Sun- zum nationalen RCA-Label. Und danach gab´s sowieso kein Halten mehr. Elvis-Mania weltweit.

Why can’t you see What you’re doing to me
When you don’t believe a word I say?
Don’t you know I’m caught in a trap I can’t walk out
Because I love you too much baby

Elvis Musical (Foto: Michael Lange bs! 2018)

All dies wird auf der Bühne szenisch dargestellt. Daniel  Neumann spielt dabei einen herrlich fiesen, knallharten, geldgeilen COLONEL PARKER, der die Fäden in der Hand hält. Begleitend wird dies durch Film- und Tonaufnahmen aus Wochenschauen, Nachrichtsendungen, Konzerten und Shows. Und natürlich Filmen. Elvis hat in 31 Spielfilmen mitgespielt. Bei Titeln wie „Pulverdampf und heiße Lieder“, „Rhythmus hinter Gittern“ oder „Mein Leben ist der Rhythmus“ weiß mensch was einen erwartet. Das waren dann doch eher C-Movies. Absolutes A+++++- Niveau hat Grahame Patrick. Derr gebürtige Ire und Wahlkanadier sieht so aus wie Elvis, singt wie Elvis, bewegt sich wie Elvis und wahrscheinlich atmet er auch wie sein Idol. Und umziehen muss er sich auch ständig. Immer das Outfit wie in den eingespielten Filmszenen. Eine perfekte Illusion.

Ob eine Band nur ihr Pensum abspult oder Lust auf Musik hat, merkt mensch sofort. Die Las Vegas Showband hat richtig, richtig Bock auf Rock´n´Roll. Sieben wirkliche Ausnahmekönner liefern einen perfekten Sound. Egal, ob ein rockiges „Jailhouse Rock“, Big-Band-Sound wie bei „Burning Love“ oder doch zurückgenommen a la „Love me tender“, die Band hat Spaß, den mensch nicht nur hört sondern auch sieht.

Elvis Musical (Foto: Michael Lange bs! 2018)

Gesanglich unterstützt wird der Patrick-Elvis von Ed Enoch & The Stamps Quartet. Die Stamps sind das älteste professionelle Gospel Quartett in der Geschichte Amerikas. Noch Fagen? Und der 75-jährige Ed Enoch, der original Leadsänger der Stamps, hat in über 1000 Konzerten mit Elvis gesungen. Noch weitere Fragen? Nur eine: „Wer sind diese hübschen Ladies?“ The Heartbreakers. Kein Elvis ohne Frauen. Die hinreißenden  Tänzerinnen verzaubern nicht nur optisch sondern geben dem Musical noch das Sahnehäubchen an Showfeeling.

Kurz vor Ende des ersten Show-Teils steht der Saal schon vor Begeisterung. („Was geht denn hier ab?“) und auch im zweiten teil kommt man auch eher wenig zum Sitzen.

Das Elvis´ Wurzeln im Gospelbereich liegen ist unverkennbar. Gospel-Songs wie „Why me, Lord?“ und „How great thou art“ mit den Stamps oder ein Duett mit EVA MARIA BENDER (als Marion Keisker) sind die Perlen der Show. Absolute Stille im Saal, dann folgt ein Beifallssturm. Richtig durchdrehen tut das Publikum bei „Suspicious Minds“. Elvis geht dann direkt durch die Reihen, schüttelt Hände und macht Selfies mit den Fans. Ein Fan, sogar ein männlicher, ist total happy, als er ein Halstuch von Elvis ergattert. Der wird bis heute sein Grinsen nicht aus dem Gesicht bekommen haben.

Im Zugabenteil dann die Klassiker (dann sind doch eigentlich alles Klassiker) „Jailhouse Rock“, „In the Ghetto“ und ach wie schön „Musi denn zum Städtele hinaus“ (Wooden Heart).

Natürlich Standing Ovations (stehen sowieso alle). ELVIS lebt. Aber das wissen hier sowieso alle.

Galerien (by Michael Lange bs! 2018):

Setlist (leider nicht vollständig und in der richtigen Reihenfolge):

  1. Elvis Musical (Foto: Michael Lange bs! 2018)

    My Way

  2. My Happiness
  3. That`s All Right Mama
  4. Heartbreak Hotel
  5. All Shook Up
  6. Are You Lonesome Tonight
  7. Kentucky Rain
  8. Blue Suede Shoes
  9. Love Me Tender
  10. King Creole
  11. Suspicious Minds
  12. The Impossible Dream
  13. Polk Salad Annie
  14. Can`t Help Falling in Love
  15. See See Rider
  16. Burning Love
  17. How Great Thou Art
  18. Sweet Sweet Spirit
  19. Run on (For a Long Time)
  20. Swing Down Sweet Chariot
  21. If That Isn`T Love
  22. Bridge Over Troubled Water
  23. Suspicious Minds
  24. Jailhouse Rock
  25. In The Ghetto
  26. Muss i denn zum Städtele hinaus? (Wooden Heart)

Links:
www.elvis-musical.co