Review: Das war Bombe – Heimspiel der Donots (15.12.2018, Münster)

Donots (Foto: Daphe Dlugai bs! 2018)

Der Grand Münster Slam der Donots gehört so fest zu Münster, wie Publikum zu Konzerten, Gitarren zu Rock oder eine solide Haltung gegen Nazis zu gesundem Menschenverstand. Alles das und noch wesentlich mehr gab es auch in diesem Jahr wieder bei den Donots zu bestaunen, befeiern und erleben. 

Erstmal ankommen 

Die Halle Münsterland. Groß. Pompös. Elegant. Und irgendwie trotzdem der perfekte Ort für ein Rockkonzert. Ausverkauft ist der heutige Abend seit langem. Auch wenn es drinnen schon sehr gut gefüllt aussieht, der Zustrom an Besuchern ebbt nicht ab. Lange Schlangen vor dem Einlass, lange Schlangen vom Merchandise und vor den Getränkeständen ebenso. Die Minuten bis zum Start sind gezählt. 

Ruhe füllt den Raum

Wer Gäste hat, sollte sie persönlich begrüßen, kurz den Anderen vorstellen und so den Einstieg erleichtern. Dies sorgt nicht nur für gutes Klima, gehört zum guten Ton und lässt die Headliner des Abends schon vorab die Stimmung im Publikum checken. Die Donots halten viel vom guten Ton und ebenso viel von Chuck Ragan, dem ersten Act des Abends. 

Chuck Ragan (Foto: Daphe Dlugai bs! 2018)

Schlicht, einfach und aufs Wesentliche konzentriert beginnt Chuck Ragan seinen Auftritt. Nur er, seine Gitarre, begleitet vom Keyboard. Die Stimme reicht. Warm, rau, einhüllend und umhüllend. Mehr braucht es nicht.

Chuck Ragan (Foto: Daphe Dlugai bs! 2018)

Auch Chucks Band Hot Water Music wird zum Thema. Neue Konzerte mit den zurückgekehrten Muff Potter in Deutschland. Das schon 2019. Vorfreude schüren die letzten 2 Songs seines Sets. Natürlich von Hot Water Music. 

Wir könn’ alles und

alles könn’ wir sein

Programmpunkt 2 von 3. Auch hier lassen es sich die Donots nicht nehmen auf der Bühne zu stehen. Anmoderiert werden Turbostaat von Ingo Donot persönlich, die anderen nicken bei seinen Lobeshymnen zustimmend. Dicke Liebe für Flensburg.

Turbostaat (Foto: Daphe Dlugai bs! 2018)

Nebel. Dunkelheit. Faustgroße Glühbirnen durchbrechen das bläuliche Licht. Nur erahnen lassen sich Details wie Kunstblumen, den Pedalkoffer und gemusterten Teppiche. Gehüllt in violett und blau ein perfektes Set. Band und Publikum im Einklang. Angeheizt, aufgeheizt. Song zu Song. Nach Abalonia und zurück. Atemlos bis zum Schluss. Verbeugung und der Abschied. Die Zeit ist geflogen. 

Turbostaat (Foto: Daphe Dlugai bs! 2018)
Turbostaat (Foto: Daphe Dlugai bs! 2018)

Verhüllungskünstler

Für alle, die vergessen haben sollten, wer an dem heutigen Abend eigentlich in die Halle Münsterland geladen hat, verhüllt ein großes Banner mit Donots-Aufschrift die Bühne. Dahinter: die letzten Vorbereitungen. Davor: Spannungsbogen. 

Der Vorhang fällt, die Menge grölt, Bühne frei für ein weiteres Highlight an diesem grandiosen Abend. Ingo rennt von vorne nach hinten, von rechts nach links, springt über Monitore, grüßt das Publikum, interagiert mit seinen Bandkollegen. Energie für 5 und doch stehen die anderen ihm in nichts nach. Der erste Song zeigt, wohin die Reise am heutigen Abend geht. Keine Pause, kein Erbarmen, immer weiter, jede Sekunde nutzen.

Donots (Foto: Daphe Dlugai bs! 2018)

Hing vor 2 Jahren noch ein riesiges durchgestrichenes Hakenkreuz im Hintergrund der Bühne sind die Aussagen heute nicht weniger deutlich: Nazis haben hier nichts zu suchen. Alle paar Songs wechselt Ingo sein Shirt, ist das andere doch jedes Mal tropfnass geschwitzt. Nahezu jedes Outfit beinhaltet eine Botschaft: Nazis raus, Faschismus raus. Eine Botschaft, die man (leider) heutzutage nicht oft genug verbreiten kann. Das Publikum stimmt zu. 

Circle Pit, nicht Circle Rhombus

Das Blut kocht, der Schweiß läuft. Immer wieder werden tropfnasse Crowdsurfer von den Securities aufgefangen, immer wieder bilden sich Circle Pits und Pogokreise. Natürlich lässt sich Ingo nicht nehmen mittendrin zu stehen. Aber auch andere Aktionen werden nicht ausgelassen. Konfettikanone und statt Scheinwerfern weit über 6000 Handys, die die Halle beleuchten. Statt Mitsingen erklingen Muha’s im Chor. Band und Publikum tragen sich gegenseitig durch den Abend, stacheln sich immer weiter an und sind dankbar, für deren gegenseitige Präsenz.

Donots (Foto: Daphe Dlugai bs! 2018)

Quo vadis, Erziehungsauftrag

Dunkelheit. Countdown. Und Instagram zerspringt in 10.000 Teile. Fliegen auf Kommando mindestens genauso viele Knicklichter in Richtung Bühne. Danach wieder Dunkelheit, bis einzelne Scheinwerfer den VIP-Bereich beleuchten.

Umringt von Familien und Freunden ein weiterer Ortswechsel: Zugaben auf der Balustrade. Wagemutig ein Sprung zurück ins Publikum. Auf Händen getragen, von Gesängen begleitet zur Bühne. Das letzte Mal Gas geben endet in goldenem Glitzer. Konfettikanonen bedecken alles und jeden in einer dicken Schicht. Ein weiteres Highlight beendet den Grand Münster Slam. Strahlende Gesichter glänzen mit dem Glitzer um die Wette während um uns herum die Lichter angehen. 

Donots (Foto: Daphe Dlugai bs! 2018)

Ein grandioser Abend an dem jeder einen fabelhafte Job gemacht hat: Musiker, Techniker, Securities und Publikum. Noch lange nach den letzten Tönen verweilen Besucher in der Halle, fragen nach Andenken von der Bühne, lassen den Abend Revue passieren und machen sich auf zur Aftershowparty. Bis in zwei Jahren Donots!

Galerien (by Daphne Dlugai bs! 2018):

Donots (Foto: Daphe Dlugai bs! 2018)

Setlist Donots:

  1. Intro
  2. Geschichten vom Boden
  3. Keiner kommt hier lebend
  4. Wake the dogs
  5. Dead man walking
  6. Whatever forever
  7. Rauschen
  8. Das Ende der Welt
  9. Gegenwindsurfen
  10. Today
  11. Kaputt
  12. Come away with me
  13. High and dry
  14. Ich mach nicht mehr mit
  15. Dann ohne mich
  16. Solid Gold
  17. Stop the Clocks
  18. Whatever 80s
  19. Problem kein Problem
  20. Piano Mortale
  21. Hier also Weg
  22. Encore
  23. Das Dorf war L.A.
  24. Eine letzte Runde
  25. Morgen Konfetti
  26. Calling
  27. Encore 2
  28. Hansaring
  29. We’re not gonna take it
  30. So Long (mit Chuck Ragan)

Links:
www.donots.com