Review: Pils-Brand bei Milzbrand – Anthrax live (26.06.2019, Hannover)

Anthrax (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Na das ist ja mal wieder eine Suuuperidee. Draußen sind über 30 Grad, die Sonne brummt vom Himmel und jedes Kleidungsstück am Körper ist eigentlich zu viel. Und was macht mensch? Na was wohl. Schön zum Metal-Konzert gehen. In so einem Venue warten dann noch andere „Bekloppte“, die genauso schwitzen wie mensch selbst. Da kann dann die Temperatur mal locker 40+ erreichen. Von der Luftqualität ganz zu schweigen.

Als Support tritt an diesem Abend Alien Weaponry auf. Bitte wer? Wo kommen die noch mal her? Aus einem der klassischen Metal-Länder England, USA oder doch Skandinavien? No, die drei Jungs kommen tatsächlich aus Neuseeland. Dort gehören sie zu den besten 10 Metal-Bands. Tschacka. Die Brüder Lewis de Jong (Gitarre, Gesang) und Henry (Schlagzeug) machen bereits seit 2010 zusammen Musik, Ethan Trembath hat 2013 den Bass-Part übernommen. Das Besondere? 2010 waren die de Jong-Brothers gerade mal 8 und 10 Jahre alt. Waaaahnsinn.

Alien Weaponry (Foto: Michael Lange bs! 2019)
Alien Weaponry (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Eine weitere Besonderheit ist, dass das Trio manche Texte in ihrer Landessprache Maori geschrieben hat. Den Jungs bedeuten noch Ursprung und Tradition ihrer Kultur etwas. Großen Respekt dafür. Bevor der Gig losgeht vollführt Henry de Jong eine Zeremonie, eine Einstimmung, eine Art Tanz. Und dann wird getrashmetalt wie die Grossen. Obwohl die Jungs noch ziemlich jung sind, liefern Alien Weaponry einen ziemlich erwachsenen Auftritt ab. Die 800 Fans haben Bock auf die Neuseeländer und die liefern ab. Nach dem Konzert kommt ein Fan mit einer gekauften CD der Truppe in den Bereich wo die Band ihr Equipment auflädt. „Waren die nicht der Hammer? Und hat hier mal einer einen Kuli für eine Signierung?“ Beides wird bejaht.   

Anthrax (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Wenn draussen 30 Grad sind, dann sind nach der Vorband im Capitol gefühlte 45 Grad. Zeit den Elektrolythaushalt aufzufüllen. Schnell das eine oder andere Bier noch ordern, denn Pils-Brand bei Milzbrand geht gar nicht. Anthrax (Milzbrand) gibt es auch schon seit 1981. Sie haben die Hoch-Zeit des Metal mitgestaltet und gehören zu den Big Four neben Metallica, Megadeth und Slayer. In ihrer langen Schaffensphase hat die Formation immer mal wieder personell gewechselt aber Scott Ian Rosenfeld an der Gitarre war immer dabei.

Anthrax (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Auch Sänger Joey Belladonna (der Typ heiß wirklich so) ist ein Urgestein des Metal. Am Bass Frank Bello, Gitarrist Jonathan Donais und Drummer Charlie Benante komplettieren das New Yorker Quintett. Anthrax legen lautstärke-technisch noch mal eine Schippe drauf. Benannte hämmert volle Kante, und Scott Ian, der Rosenfeld , ist einer den sowieso keiner hält. Volles Brett, volle Power, druckvoll die Riffs. „Caught in the Mosh“ ist Opener und der Name gleich Programm. Hier wird ohne Zögern gemosht. Immer schön im Kreis und hau drauf auf die Ohren. Nur musikalisch natürlich. Schwitzen, Trinken, Bier holen, Grölen, Ausrasten und von vorn und immer wieder. Klassischer Fünfkampf im Metal.

ORCED OUT – Brave and Mighty
STOLEN LAND – They can’t fight it
HOLD ON – To pride and tradition
Even though they know how much their lives are really missin‘
WE’RE DISSIN‘ THEM…

Anthrax (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Mister Belladonna ist ein Kreischer vor dem Herrn. Wenn er mal nicht sein Mikro  malträtiert sucht er Blickkontakt zum Publikum und macht so eine Art Zeichensprache mit den Fans. Nonverbale Kommunikation nennt mensch das dann wohl. Das funzt nur beim Metal so gut. Anthrax gehören zu den Pionieren dieser Musikrichtung. Haben sie diese Spielart doch ursprünglich über New Wave of British Heavy Metal mit Power Metal und Speed Metal weiterentwickelt zum Trash Metal. Na gut die Feinheiten hört mensch jetzt nicht so richtig raus. Will heute auch keiner. Lieber abgehen. Tätowerte Arme werden in den Capitol-Himmel gestreckt und immer wieder von der Band nochmal nachgelegt und abgefeuert. „Antisocial“ (Trust-Cover) und „Indians“ beenden den trashigen Abend. Das waren zwar „nur“ 80 Minuten Konzert von Anthrax, aber die waren sehr intensiv und nachhaltig. Jetzt aber erstmal den Pils-Brand bekämpfen.

Galerien (by Michael Lange bs! 2019):

Setlist Alien Weaponry:

  1. PC Bro
  2. Holding My Breath
  3. Nobody Here
  4. The Things That You Know 
  5. Te Ara
  6. Ahi Ka
  7. Kai tangata
  8. Raupatu
  9. Rū Ana Te Whenua
Anthrax (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Setlist Anthrax:

  1. Caught in a Mosh  (Cowboys from Hell Intro) 
  2. Got the Time (Joe Jackson cover) 
  3. Madhouse
  4. Be All, End All
  5. Breathing Lightning
  6. I Am the Law
  7. Medusa
  8. Now It’s Dark
  9. Efilnikufesin (N.F.L.)
  10. In the End
  11. A.I.R.
  12. Encore:
  13. Antisocial  (Trust cover) 
  14. Indians

Links:
www.alienweaponry.com     
www.anthrax.com