Review: Adam Angst – mit Vollgas in den Sonntag Abend (18.11.2018, Zürich)

Adam Angst (Foto: Judith Sander bs! 2018)

Gute alte Traditionen führen am Sonntagabend in Zürich verschiedene Menschen in das Dynamo in Zürich: Da wäre einmal ein bunt gemischtes Publikum mit einem Hang zu U30 und der Idee, dass ein gutes Wochenende am besten mit einem zünftigen Konzert endet. Und dann wären da natürlich die beiden Hauptakteure: angereist aus Deutschland, jeweils mit einer neuen CD im Gepäck, die nun traditionellerweise auf ihre Live-Qualitäten getestet werden soll.

Tusq (Foto: Judith Sander bs! 2018)
Tusq (Foto: Judith Sander bs! 2018)

Los geht es mit Tusq, einer vierköpfigen Band aus Berlin und Hamburg, die Adam Angst eins voraushaben: nämlich ein drittes Album. Die Band besteht bereits seit 2010 und hat sich über die Jahre ihren eigenen Sound bewahrt. Irgendwo zwischen Indie, Pop, Rock mit einem Hauch Psychodelic bringt das Quartett einen sauberen Sound mit viel Herz auf die Bühne. Die Texte sind auf Englisch, neben den klassischen Instrumenten Schlagzeug, Gitarre, Bass und Keyboard kommt auch ein Akkordeon zum Einsatz und verleiht der Musik einen heimeligen Touch. In den Texten setzt sich die Band kritisch mit der heutigen Gesellschaft auseinander ohne dabei anklagend rüberzukommen. Insgesamt eine sympathische Band mit viel Potential. Potential, das es auch in den beiden Bands Terrorgruppe und Schrottgrenze zu bewundern gibt, in denen zwei Mitglieder der Band aktiv sind. Und zu guter Letzt bereiten Tusq gekonnt den Weg für Adam Angst.

Adam Angst (Foto: Judith Sander bs! 2018)
Adam Angst (Foto: Judith Sander bs! 2018)

Nach einer kurzen Umbauphase ist es soweit: Adam Angst betreten von dem Intro ihrer neuen CD begleitet die Bühne. Heute in schwarz-weiß geht es von Anfang an rockig-punkig mit Vollgas los. Garniert mit einer gehörigen Portion Selbstironie, Witz und Charme dauert es nicht lange bis das gesamte Publikum pogt, hüpft und mitgrölt. Und auch auf der Bühne wird geschwitzt, gewitzelt und ganz nebenbei gedroht: nämlich mit dem dritten Album. Wir dürfen gespannt sein und uns freuen!

Adam Angst (Foto: Judith Sander bs! 2018)
Adam Angst (Foto: Judith Sander bs! 2018)

Gespielt wird eine bunte Mischung aus den bisherigen Alben, gekonnt zusammengestellt zu einem temporeichen Abend. Die Band kommt gewohnt witzig, selbstbewusst und voller Spielfreude rüber. Und das springt schnell auf das Publikum über. Doch einfach nur einen Song nach dem anderen spielen, passt nicht zu Adam Angst. So kommt passend zum aktuellen Album eine Computeransage zu Wort, die das Publikum miteinbezieht und über das nächste Lied entscheiden lassen möchte. Soweit zur Theorie. Denn jeder, der schon einmal in den Genuss eines Sprachcomputers gekommen ist, kennt diesen Moment, in dem man klar, deutlich und im schulmeisterlichsten Hochdeutsch alle Fragen der netten Computerstimme beantwortet und trotzdem früher oder später in der „Entschuldigung, ich habe Sie nicht verstanden. Meinten Sie…..“ – Schleife gefangen ist. Warum sollte das gerade bei einem Adam Angst – Konzert anders verlaufen? Doch zum Glück hat die Computerstimme bald ein Erbarmen und knackig geht es weiter mit „Alle sprechen Deutsch“. Etwas später hört die Band mitten im Lied komplett auf zu spielen und verharrt regungslos auf der Bühne. Bevor das Publikum zu irritiert ist, geht es auch schon temporeich weiter.

Adam Angst (Foto: Judith Sander bs! 2018)

Doch bei aller Ironie und Witz vergessen Adam Angst nicht, dass sie auch einen klaren Standpunkt vertreten und diesen nicht nur in punkige Mitgröl-Songs verpacken, sondern auch aktiv so vertreten: so positioniert sich die Band klar gegen Faschismus, Homophobie und Rassismus und wird nicht müde, das auszusprechen und vor allem es auch zu leben: So gibt es am Merchandisestand die Möglichkeit für gemeinnützige Institutionen wie „Pro Asyl“ zu spenden.

Ganz klar Daumen hoch!

Und auch für den letzten Song hat sich Adam Angst etwas einfallen lassen: So kommt die Band mitten unter die Zuschauer und spielt den Song umringt von glücklichen Gesichtern. Passt gut zu Adam Angst und zu dem Style des Konzerts.

Statt einer Zusammenfassung kommt an dieser Stelle einfach mal eine Empfehlung: bis März 2019 sind Adam Angst noch in Deutschland auf Tour und noch gibt es die ein oder andere Karte.

Galerien (by Judith Sander bs! 2018):

  1. Set Fire
  2. Gorilla Syrup
  3. Nothing Is Won
  4. Different Planet
  5. Drive
  6. Full Scale Retreat
  7. Fading Stars
  8. Fortune

Setlist Adam Angst:

  1. Der Beginn
  2. Punk
  3. Wunderbar
  4. Ja Ja, ich weiß
  5. Alphatier
  6. Teufel
  7. Lauft um euer Leben
  8. Immer noch
  9. Alexa
  10. Alle sprechen Deutsch
  11. D.I.N.N.
  12. Blase aus Beton
  13. Professoren
  14. Wir werden alle sterben
    Encore
  15. Jesus Christus
  16. Splitter
  17. Frieda

Links:

www.facebook.com/adamangstofficial/

www.tusq.net

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Judith Sander
Es gibt Sucht-Charaktere, die entsagen und es gibt andere, die setzen sich ins Epizentrum ihres Verlangens. Nein, Judith ist keine Schweizer Taschenmesserwerferin, sie ist bekennend schokoladensüchtig und metzelt ohne zu zucken für ‘ne Toblerone oder Eiscreme oder Tobleroneeiscreme oder.. na jedenfalls: Die Frau ist echt Zucker, echt hart drauf, hat ein feines Näschen, legt sich für die richtigen Dinge ins Zeug, in die Kurve und nascht am allerliebsten an kleinen, unbekannten Bands in ruhiger Atmosphäre. Wer die olle Genießerin dennoch ans Messer liefern will, sperrt sie – in einen rosa Rüschen-Alptraum gehüllt – mit stinkenden Dränglern ins Musikantenstadl und nimmt ihr das letzte Milkyway weg.