Review: Kivenlahti Rock 2009 (05. – 07.06.2009, Kivenlahti)

Foto: Iris Kessin
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Kivenlahti Rock, bisher eher ein Insider-Tipp für Einheimische, war früher nicht mehr als ein eintägiger Open-Air Event für lokale Newcomerbands im finnischen Kivenlahti, etwa 20km von Helsinki gelegen. Seit 2006 auf zwei Tage ausgeweitet, zog das Festival immer bekanntere Bands an.

Heute ist Kivenlahti Rock der nicht mehr wegzudenkende Auftakt für den finnischen Festivalsommer, und auch in diesem Jahr konnte sich das Lineup durchaus sehen lassen: Headliner der drei Festivaltage waren keine geringeren als Apulanta (FIN), D-A-D (DEN) und Cradle of Filth (UK).

Zuvor aber ließen es schon andere, nicht weniger bekannte Acts wie Backyard Babies (SWE), Amorphis, Diablo, Stam1na, Maj Karma und viele andere so richtig krachen. Am frühen Nachmittag gab’s zwischendurch auch ein bisschen Pop und Rock für andere Geschmäcker, aber der Akzent lag eindeutig auf solidem Metal. Damit machte Kivenlahti Rock in diesem Jahr dem Goth- und Metal Event „Tuska“ schon fast ernsthafte Konkurrenz: Neben den zuletzt genannten finnischen Metalbands hat das Ende Juni in Helsinki stattfindende Tuska-Festival (zu Deutsch „Schmerz-Festival“) nämlich diesmal nur Girugämesh (JPN) als internationalen Headliner zu bieten.

Dass der Sommer noch nicht ganz bis in den Norden vorgedrungen war, bekam man am ersten Festivaltag deutlich zu spüren. Nass war es, und Gummistiefel waren angesagt. Los ging’s allerdings gleich auf der Hauptbühne mit Sara und Maj Karma, und die heizten kräftig ein. Zwischendurch gab’s harten Rock vom Feinsten von Suburban Tribe auf der Foster’s Bühne im Zelt nebenan. Überhaupt eine klasse Regelung war die Zeitaufteilung. Es gab keine Überschneidungen, und wer genügend Kondition und Ausdauer hatte, konnte sich so an nur einem Wochenende schlappe 26 Bands hintereinander abwechselnd auf Haupt- und Nebenbühne geben.

Foto: Iris Kessin

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Der Headliner, auf den an jenem ersten Abend jedoch jeder wartete waren Cradle of Filth. Als die britischen Schockmetaller die Bühne bestiegen, war der Platz vor der Hauptbühne trotz des schlechten Wetters rappelvoll. Und mögen sie noch so ein kontroverses Image haben, Cradle of Filth haben’s drauf. Licht, Kostüme, Makeup, grimmige Gesichter und last but not least die unglaublich starke und vielseitige Stimme von Frontman Dani Filth – da stimmte einfach alles.

Nach einem solchen Einstieg ins Festivalwochenende waren die Erwartungen am Samstag eher gemischt. Konnten die noch kommenden Headliner Cradle of Filth überhaupt noch toppen, oder zumindest eine gleichwertig gute Show abliefern? Das Wetter hatte sich inzwischen gebessert; matschig war’s aber immer noch.

Schon um 13.30 eröffnete Finnpoprockerin Maija Vilkkumaa den Kivenlahti-Samstag, gefolgt von einer ganzen Reihe einheimischer Rock- und Metalbands: Kiuas, Profane Omen, Diablo und Kotiteollisuus.

Foto: Iris Kessin

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Als einziger internationaler Gast standen an diesem Abend Backyard Babies auf dem Programm. Vom Namen sollte man sich allerdings nicht täuschen lassen. Wer schwedischen Eurovisionsrock im Abbastil erwartet hatte, wurde schwer, aber angenehm enttäuscht. Von Hinterhof-Krabbelgruppe keine Spur – Backyard Babies können bereits auf eine über zwanzigjährige Karriere zurückblicken und entpuppten sich daher vor allem live als alte Hasen. Am Ende des 45-minütigen Sets lugte zum ersten Mal die Sonne hinter den Wolken hervor.

Nicht gerade passend zum Auftritt einer Punkrockband, die sich seit achtzehn Jahren zu den finnischen Eliterockern zählen dürfen und bei der grundsätzlich vor jedem Auftritt die Security verstärkt wird: Apulanta konnten sich jedoch nicht beklagen – proppenvoll war’s, fast noch mehr als bei Cradle of Filth. Die finnischen Texte wurden lauthals mitgegrölt und einige Sonnenschirme im Alkoholausschankbereich neben der Bühne klappten bei einigen Pogoversuchen ächzend wie vertrocknete Pilze zusammen. Natürlich verlangten die Fans eine Zugabe, und die kam in Form vom Apulanta-Klassiker „Piiska“ (Peitsche), der die Menge zum Abschluss noch einmal richtig zum Kochen brachte.

Foto: Iris Kessin

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Der Sonntag brachte endlich den Sommer, und passend zum Wetter auch ein gemischteres Programm. King Star, Egotrippi, die finnische Hip-Hop Kombo Don Johnson Big Band und die musikalisch eher eigenwilligen Von Hertzen Brothers lockerten am letzten Festivaltag das Lineup für diejenigen auf, die hören wollten, was die Finnen außer Metal noch so zu bieten haben.

Zwischendurch sorgten Profane Omen und Amorphis aber dafür, dass es zum Abschluss trotzdem noch einmal kräftig was auf die Ohren gab. Und nachdem am Abend D-A-D das Publikum durchgerockt hatte, gab es wirklich keine Zweifel mehr: Kivenlahti Rock kann sich mit anderen, international bekannteren Festivals wie Ankkarock, Ruisrock oder Tuska durchaus messen, und ist definitiv einen Besuch wert.

Konzertfotos:

Link:
www.kivenlahtirock.com