Review: Auch der Wettergott ist Nah am Wasser (13.07.2019, Münster)

Leoniden (Foto: Daphne Dlugai bs! 2019)

Zum zweiten Mal lädt der Coconut Beach zum Nah am Wasser Festival. Nach einem grandiosen Start im letzten Jahr sind die Erwartungen hoch. Gepilgert wird nach Münster, schon früh öffnet die Location Tür und Tor. Der bange Blick zum wolkenverhangenen Himmel gerichtet, nah am Wasser ja gerne, aber bitte nicht von oben. 

Der Pool auf dem halben Weg zur Bühne ist mit frischem Wasser gefüllt. Nicht nur unmittelbar herum: Nasser Sand. Nur kein Regen, das wäre der Super-Gau. Erst kurz vor Einlass und nach mehrfachen Nachfragen ein Post mit Informationen zum Einlass. Besser spät als nie. Dass dieser nicht mal vollständig ist, erfährt man erst durch die Securities. Ganz schwache Nummer. Lunchpakete und Tetrapacks stapeln sich jetzt schon am Eingang. Einfach mal 6€ für ne Cola hinblättern. Zugegeben, 2€ davon sind Pfand, aber dennoch happig. Ärger runterschlucken, man kann ja immer wieder zum Auto.

Wenn ihr das fühlt, zeigt Körperteil!

Grillmaster Flash (Foto: Daphne Dlugai bs! 2019)

Grillmaster Flash in Begleitung von The Jungs spült sich Songs von der Seele. Der Soundtrack zum Einlass, während der ersten Viertelstunde verdreifacht sich die Zuschauerzahl. Wer jetzt schon da ist sing mit. Charmbolzen Grilli aus Bremen fucking Nord startet direkt von Null auf Hundert, kurbelt fest und ab geht Schmitz’ Katze. Pommes sind für alle da! Was ein geiler Start!

Hello Kitty und Headbangen

Foxing aus Missouri, USA, am Ende ihrer Zeit in Europa. Hier und da technische Probleme, ein gerissener Gitarrengurt, Soundprobleme professionell überspielt. Hier und da Kuschelindie, dann wieder feinster Rock. Gelungene Mischung und eine perfekte Ergänzung nach Grillmaster Flash. Ob Sänger Conor Murphy wie angekündigt gleich noch ein Bad nimmt? Abwarten.

Foxing (Foto: Daphne Dlugai bs! 2019)

Pommes, Pommes oder Pommes

Vizediktator (Foto: Daphne Dlugai bs! 2019)

Sommer, Sonne, Sandburg. Noch schnell genüsslich an der Zigarre ziehen, dann geht’s auf die Bühne. Vizediktator aus Berlin treten ein wie Lokalmatadore, springen durch die Gegend, schreien ins Publikum. Front vor die Front. Müdigkeit gibt’s nicht. Noch hält das Wetter, die ersten Füße hängen im Pool. Stärken kann man sich mit Pommes, Pommes mit Poutine oder Süßkartoffelpommes. Immerhin der Sound ist hinten super. 

Picknickpause mit Klanguntermalung

Matze Rossi wusste bis vorgestern noch nichts von seinem Auftritt, ist er doch „nur“ Ersatz für die erkrankte Mine. Hier ein „Hey“, dort ein „Ho“, eine Gitarre, eine Stimme, ein komplett lauschender Platz. Picknickdecken ausgebreitet, dösen auf Liegestühlen. Texte zum Nachdenken, eine Stimme für wohlig warme Gänsehautschauer. Wie kann man nur so verdammt sympathisch sein?

Matze Rossi (Foto: Daphne Dlugai bs! 2019)

Sehr laut und festlich gegrölt

Neonschwarz mit feinstem Rap scheißen auf Laufmaschen und Nazis. Aufblasbare Ananas fliegen durch die Luft, durchs Publikum weht die Regenbogen-Flagge, Nebel steigt auf, im Hintergrund brauen sich die Wolken zusammen. Wenn Endzeit dann mit Liebe. Wall of Love, ein deutliches Zeichen für Toleranz und Akzeptanz. Muss halt auch mal gesagt sein.

Neonschwarz (Foto: Daphne Dlugai bs! 2019)

Na Gott, es hätt’ auch schlimmer sein können…

…die Bühne hätt’ schließlich auch zusammenbrechen können. Da machen die Gerissene Gitarrenseite und die fallenden fünf Regentropfen auch nichts aus. Granada selber verbreiten genug Sonne. Die Jungs aus Österreich mit Akkordeon, Reggaebeats und gute Laune bereuen die weite Anreise nicht. Ein bisschen wie Bilderbuch, ein bisschen wie Von Wegen Liesbeth. Schmeckt nach Cocktails.

Lasst die Flummis los

Leoniden (Foto: Daphne Dlugai bs! 2019)

Rauf, runter, vorne, hinten. Percussiongewummer, Glitzergewitter, Funkenregen. Reizüberflutung Leoniden. Die Mädels aus Reihe 1 werden fürs stundenlange Ausharren belohnt. Das erste Grand Finale geht definitiv an die Jungs aus Kiel, auch wenn das Konfetti von einem Windstoß direkt vom Gelände befördert wird. Jakob scheut die Nähe nicht, mit Cowbell wird gebadet, Schweiß tropft. Eine Stunde Auftritt und nen ganzen Marathon geschafft.

Es ist das gleiche Herz, aus dem dieser Song kommt!

Herzschmerzfinale mit Kettcar. Während die Sonne langsam hinter dem Gelände verschwindet kommentiert Reimer das Geschehen. Was seid ihr denn für scheiß Hippies geworden? Wer Balu schreiben kann, dem nimmt man auch Sommer 89 ab. Nur halt nicht direkt hintereinander. Ist vermerkt und umgesetzt. Sonnengoldgeküsste Szenen zum Heulen schön. Bebarfußtes Einigkeitsgesinge im Sand. Lasst uns den Moment festhalten.

Galerien (by Daphne Dlugai bs! 2019):

Kettcar (Foto: Daphne Dlugai bs! 2019)

Die Links:
http://www.nahamwasser-festival.de
https://www.kingstar-music.com