Review: Dark Storm Festival – Patchouli zu Weihnachten (25.12.2025, Chemnitz)

Während andernorts am ersten Weihnachtsfeiertag noch der Duft von Gänsebraten in der Luft liegt, verwandelt sich die Stadthalle Chemnitz traditionell in einen Ort dunkler Klänge, schwarzer Kleidung und familiärer Wiedersehensfreude. Auch 2025 bewies das Dark Storm Festival, warum es seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Szene ist – und warum diese Veranstaltung jedes Jahr mehr ist als „nur“ ein Festival.

Zwei Säle, ein Gefühl

Das Dark Storm Festival 2025 nutzte erneut zwei Säle der Stadthalle, was dem Abend eine besondere Dynamik verlieh. Während im großen Saal die etablierten Acts und Headliner die Bühne dominierten, bot der zweite Saal Raum für Entdeckungen, intensivere Club-Atmosphäre und unmittelbaren Kontakt zwischen Bands und Publikum. Dieses Wechselspiel sorgte für Abwechslung, kurze Wege und ein angenehm fließendes Festivalerlebnis – ohne hektische Massenbewegungen oder lange Umbaupausen.

Gerade diese räumliche Aufteilung trug dazu bei, dass sich die Stadthalle einmal mehr in einen Ort verwandelte, der sich nur an diesem Abend im Jahr so anfühlt. Weihnachten und Dark Storm gehören in Chemnitz untrennbar zusammen – ein Gefühl, das man nicht erklären muss, sondern erlebt.

Kurzfristige Herausforderung
stark gelöst

Combichrist (Foto: Lydia Weise bs! 2025)

Eine besondere Herausforderung stellte die kurzfristige Absage von VNV Nation dar. Der Ausfall eines derart prägenden Acts hätte das Gleichgewicht des Abends empfindlich stören können. Umso bemerkenswerter war die Reaktion der Veranstalter: Mit Combichrist wurde innerhalb kürzester Zeit ein Ersatz gefunden, der nicht nur funktionierte, sondern dem Festival eine zusätzliche, rohe Energie verlieh.

Das Old-School-Set von Combichrist brachte eine kompromisslose Härte auf die Bühne, die perfekt in den dunklen Kontext des Abends passte und viele Zweifel schnell verstummen ließ. Eine mutige, aber absolut richtige Entscheidung.

Sound – nicht perfekt, aber meist wirkungsvoll

Auch klanglich präsentierte sich das Festival überwiegend solide. Der Sound war bei vielen Bands druckvoll, klar und dem jeweiligen Stil angemessen. Gerade elektronische Acts profitierten von der guten Raumakustik der Stadthalle. Allerdings zeigte sich im Laufe des Abends, dass nicht jede Band akustisch identisch optimal zur Geltung kam.

Vereinzelt wirkten Vocals etwas zurückhaltend oder Details gingen im Gesamtbild unter – Punkte, die vor allem bei komplexeren Arrangements auffielen. Dennoch blieb der Gesamteindruck positiv: Die technische Umsetzung unterstützte die Performances meist wirkungsvoll und tat der Stimmung keinen Abbruch. Kleine Unschärfen, die bei einem Festival dieser Größenordnung verzeihlich sind.

Cnvx (Foto: Lydia Weise bs! 2025)

Persönliche Highlights:
CNVX & Rosegarden Funeral Party

Besonders eindrucksvoll waren für mich zwei Acts, die unterschiedlicher kaum hätten sein können:

CNVX, als Newcomer im Line-Up, zeigten eindrucksvoll, warum es wichtig ist, jungen Projekten Raum zu geben. Die Chemnitzer überzeugten mit einem frischen, eigenständigen Sound zwischen elektronischem Rock und Metal-Elementen. Ihre Performance war nicht nur technisch stark, sondern zeigte auch ein bemerkenswertes Gespür für dynamische Bühnenpräsenz.

Rosegarden Funeral Party (Foto: Lydia Weise bs! 2025)

Rosegarden Funeral Party lieferten dagegen einen der emotionalsten Momente des Abends. Ihr Post-Punk-/Goth-Wave-Sound traf den Nerv der Szene und sorgte für dichte Stimmung, tanzende Schatten und diese besondere Melancholie, die ein Festival unvergesslich macht. Ein Auftritt, der lange nachhallte.

Szenegrößen und Entdeckungen

Welle:Erdball (Foto: Lydia Weise bs! 2025)

Auch die weiteren Bands des Abends trugen zu einem runden Gesamtbild bei. Unzucht, Umbra et Imago, Welle:Erdball, Funker Vogt, Orange Sector, Extize, Rue Oberkampf und Zweite Jugend deckten ein breites Spektrum der dunklen Musiklandschaft ab – von klassischem EBM über Industrial bis hin zu elektronischem Wave.

Die Mischung aus bekannten Namen und frischen Impulsen sorgte dafür, dass das Festival nie statisch wirkte, sondern sich stetig weiterentwickelte, ohne seine Wurzeln zu verlieren.

Ein würdiger Abschluss

Project Pitchfork (Foto: Lydia Weise bs! 2025)

Mit Project Pitchfork fand der Abend schließlich seinen würdigen Abschluss. Atmosphärisch dicht, musikalisch souverän und emotional genau richtig gesetzt, gelang es Projekt Pitchfork, das Publikum nach Stunden intensiver Eindrücke gesammelt in die Nacht zu entlassen – ein Abschluss, wie er passender kaum hätte sein können.

Fazit:
Das Dark Storm Festival 2025 zeigte eindrucksvoll, warum es weit mehr ist als ein jährliches Szene-Treffen. Trotz kurzfristiger Änderungen, kleiner technischer Schwächen und der Herausforderung eines umfangreichen Line-Ups blieb das Festival seiner Linie treu: familiär, konsequent, atmosphärisch.

Die Stadthalle Chemnitz wurde auch dieses Weihnachten wieder zu einem Ort, an dem Dunkelheit verbindet – und genau deshalb bleibt das Dark Storm Festival ein unverzichtbarer Fixpunkt im Kalender der schwarzen Szene.

Galerien (by Lydia Weise bs! 2025):

Line Up :

• CNVX
• Combichrist (Ersatz für VNV Nation)
• Extize
• Funker Vogt
• Orange Sector
• Project Pitchfork
• Rosegarden Funeral Party
• Rue Oberkampf
• Umbra et Imago
• Unzucht
• Welle:Erdball
• Zweite Jugend

Links:
www.darkstorm-festival.de

Veranstalter:
www.inmove.de

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