UNS: Alles was wir machen ist Kunst (2018) Book Cover UNS: Alles was wir machen ist Kunst (2018)
Synthpunk, Indie Rock
Sinnbus/Rough Trade
01.06.2018
www.uns.fm

Tracklist:

  1. Internetgold
  2. Körper
  3. Essen um zu vernichten
  4. Alles was ich mache ist Kunst
  5. Von A nach A
  6. Das Haus
  7. Die allerschnellsten Autos der Welt
  8. Nackt sehen
  9. Der Riss
  10. München

UNS nennt sich die Berliner Band von Sebastian Cleemann, Jens Gathemann und Sepp Ingermann. Die drei hauen gewaltig auf den Putz mit ihrem zweiten Album „Alles Was Wir Machen Ist Kunst“. Mit gewichtigen Themen, verpackt in verkopfte Texte und gepaart mit Synthi-Pop-Geschwurbel und krachlauten Drumpattern ziehen sie uns aus der Komfortzone, bewegen zum Nachdenken und zum Tanzen.

Ein Sequencer pluckert vor sich hin. Gitarrenakkorde werden gestreichelt. Ein Schlagzeug wälzt sich in den Track. Surreale Textzeilen schreien UNS entgegen: „Alle paar Minuten werd ich neugeboren und geh in irgendeinem Sumpf verloren.“ Klingt wirre gut! Wir sind mitten in der ersten Nummer – „Internetgold“.

Weiter geht’s mit „Körper“. Die Stimme des Sängers klettert in bedenkliche Höhen. Man befürchtet jeden Augenblick den Absturz. Glücklicherweise macht sie das nicht, sondern geht vielmehr in ein hysterisches Kreischen über. Begleitet wird das von einer sägenden E-Gitarre, stampfenden Percussions und synthetischen Dance-Pop Klängen. Zum Ende des Stückes hin, steigert sich das so furios und wird dermaßen nervig, dass ich mich echt beherrschen muss, nicht augenblicklich die Stop-Taste zu drücken. Um Konsumkritik geht es im Text von „Essen um zu vernichten“. Der einschmeichelnde Gesang passt als Gegenpol ausgezeichnet zu den ätzenden Zeilen:

Wir haben nie Hunger, wir essen um zu vernichten
Wir sind es nie leid, zerstören, zählen, berichten
Wir kennen keinen Kummer, wir weinen um zu ertränken
Wir sind der Wolf!

Das geht rein wie Wackerstein. Die nächste Nummer ist der durchgedrehte Knaller „Alles was ich mache ist Kunst.“ Der feine zynische Humor erinnert an die Avantgarde-Pop-Band „Foyer des Arts“. Im Video dazu, stapft Sebastian Cleemann im Neonanzug auf eine Wiese und hört sich auf einem bereitstehenden Plattenspieler den Song an. Auf „Von A nach A“ wird einem der Punk-Pop direkt ins Gehirn gehämmert. Der Track klingt wie eine Reminiszenz an „Fehlfarben“ und an den ganzen Weltschmerz und die Wut der 80er Jahre. Ist das die Brandneue Deutsche Welle? Der beste Song des Albums ist für mich „Nackt sehen“. Der Text erzählt von der Sehnsucht, den ganzen Wahnsinn doch irgendwie ändern zu können ohne dabei überheblich zu wirken:

Wie sie immer wissen was zu tun ist
und nie wissen was sie wollen
war es gut so alt zu werden
hätten wir nicht aufgeben sollen?

Die Ballade wird mit Erzählstimme vorgetragen und ganz sparsam mit einer zarten Pianomelodie begleitet. Erst in der Mitte des Songs setzen die Drums und der Bass ein. Großartig! Mit „München“ klingt die kurzweilige Kunstscheibe des Trios aus Berlin aus. Keine Ahnung warum das Lied so heißt und worum es geht. Aber man muss bei UNS auch nicht alles verstehen. Bei manchen Stücken hätte ich den Gesang gerne etwas lauter im Mix gehabt. So muss man halt im Booklet die Texte mitlesen. Schadet aber auch nix, denn gelesen muten die Zeilen stellenweise wie Gedichte an.

Achtung! Dieses Album verlangt dem Hörer die volle Aufmerksamkeit ab. Nebenher hören is nich. Zuhören lohnt sich. Politik, Pop, Wirtschaftswachstum, Punk – alles kommt zur Gärung in den Kessel und lässt dieses Wahnsinnsgebräu entstehen, zu dem man auch noch tanzen kann. Tanz die Ausbeutung. Tanz die Klassengesellschaft. Tanz die Kunst, Baby!