Tocotronic: Die Unendlichkeit (2018) Book Cover Tocotronic: Die Unendlichkeit (2018)
Hamburger Schule/ Pop/ Indie
Vertigo
26.01.2018
www.tocotronic.de

Tracklist:

  1. Die Unendlichkeit
  2. Tapfer und grausam
  3. Electric Guitar
  4. Hey du
  5. Ich lebe in einem wilden Wirbel
  6. 1993
  7. Unwiederbringlich
  8. Bis das Licht uns vertreibt
  9. Ausgerechnet du hast mich gerettet
  10. Ich würd's die sagen
  11. Mein Morgen
  12. Alles was ich immer wollte war Alles

25 Jahre Tocotronic – da kann man schon mal sentimental werden. Anlass genug, um auf „Die Unendlichkeit“ etwas persönlicher zu werden. Vertont bekommt die Hörerschaft das Leben und Leiden des Dirk von Lowtzow.

In schlichtem schwarzen Design kommt die Platte daher und so verhält es sich auch textlich. Weniger kryptisch, dafür persönlicher singt sich von Lowtzow durch Kindheit, Kleinstadtrebellion, der Ankunft in der Hamburger Schule, Verlust, Liebe und was auch immer einen Menschen noch so bewegt. Auch musikalisch spielen sich Tocotronic quer durch ihre Diskographie, so bekamen die Fans mit „Hey Du“ und „1993“ bereits einen ersten Vorgeschmack, welcher den Anschein erweckte, dass die Band sich von den blankpolierten Songs der letzten Jahre trennt und wieder etwas rotziger daherkommt. Blankpoliert finden wir auf „Die Unendlichkeit“ jedoch auch zu genüge. So zum Beispiel beim poppigen „Ich lebe in einem wilden Wirbel“ oder „Bis uns das Licht vertreibt“.

Erstaunlicherweise entpuppen sich diese beiden Stücke zusammen mit „Electric Guitar“ als stärkste Songs der Platte. Ohrwürmer garantiert. Generell sind die Stücke abwechslungsreich- sowohl stimmlich als auch Instrumental werden viele Facetten gezeigt, die die HörerInnen bei Laune halten. Lediglich die Streicher bei „Ausgerechnet du hast mich gerettet“ sind vielleicht etwas zu dick aufgetragen, so dass der Kitsch schon fast unerträglich wird. Genau ab diesem Stück beginnt „Die Unendlichkeit“ sich auch tatsächlich in die Unendlichkeit zu ziehen. Die Schnelllebigkeit der vorherigen Songs ist vorbei und es wird etwas zäher, leider.

Nichts desto trotz hat sich das Warten gelohnt, denn die ersten 2/3 des Albums machen Spaß, verschaffen Ohrwürmer und zeigen, dass die Truppe ihre Instrumente mittlerweile ganz gut beherrscht und wer weiß, vielleicht kann das letzte Drittel ja auf der kommenden Tour überzeugen, denn erst live lernt mensch Tocotronic so richtig zu schätzen.

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Thea Drexhage hat Salma Hayek einiges voraus! 10 mm. Wie die meisten Frauen der Redaktion, Duffy, Beth Ditto, Joan Rivers oder Angus Young kann sie die MusikerInnen aus dem Bühnengraben also völlig problemlos sehen, wenn jemand ihren Hocker trägt, wird aber - das hat sie mit Salma dann doch wieder gemein - dennoch viel zu oft auf Ihre Körpergröße, ihre Mähne und ihre leicht misanthropischen Anflüge reduziert. Damit sie also nicht im nächstbesten Titty Twister von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang Menschenmengen und Bläser mätzelt, halten wir “Aggro-Thea”, die zuvor ganze Landstriche in Mecklenburg Vorpommern ausgerottet hat, halbtags im spießbürgerlichen Oldenburger Exil an der langen Leine. Seither legt sich die scheißpünktliche existentialistische Besserwisserin analog mit Sartre, Camus & Kodak an und ja, auch wir müssen neidlos zugestehen, dass der Instagram-Account ihrer beiden Katzen “Salma” und “Hayek” mehr Follower pro Tag hat, als unser webzine im ganzen Jahr.