The Night Flight Orchestra: Aeromantic II (2021) Book Cover The Night Flight Orchestra: Aeromantic II (2021)
AOR/Classic Rock
Nuclear Blast
03.09.2021
www.facebook.com/thenightflightorchestraoffical

Tracklist:

  1. Violent Indigo
  2. Midnight Marvelous
  3. How Long
  4. Burn For Me
  5. Chardonnay Nights
  6. Change
  7. Amber Through A Window
  8. I Will Try
  9. You Belong To The Night
  10. Zodiac
  11. White Jeans
  12. Moonlit Skies
  13. Reach Out (Bonustrack)

 

 

Nach rund eineinhalb Jahren veröffentlichen die Schweden The Night Flight Orchestra ein neues Album. „Aeromantic II“ lautet der Titel und sollte den logischen Nachfolger zu „Aeromantic“ darstellen. Doch so einfach ist es am Ende auch wieder nicht, denn Teil zwei beinhaltet keine Überbleibsel aus der vorherigen Albumsession und baut auch auf keinem Konzept auf, wie es bei Teil eins (minimal – Man hat das Album als kleine „Street Opera“ angesehen) der Fall war. Durch die weltweite Pandemie war man gezwungen die Live-Aktivitäten erst mal soweit einzustellen und Gitarrist David Andersson nutze jede freie Minute neues Material zu schreiben (man möge bedenken, dass er hauptberuflich Arzt in einem Krankenhaus ist und zusammen Sänger Björn Strid noch bei Melodic Death Metal-Königen Soilwork zockt).  Dass in diesem Kollektiv ein hohes kreatives Pensum herrscht, hatte man zwischenzeitlich mit den beiden Non-Album Tracks „Paper Moon“ und vor allem „Impossibile“ unter Beweis gestellt, aber als ein neues Album angekündigt wurde war meine Freude immens. Die vorab vorgestellten Singles (u.a. „White Jeans“, „Burn For Me“ und „Chardonnay Nights“) waren allererster Sahne und hoffte, dass der Rest dieses Niveau auch halten würden.

Ich bin seit dem Debüt schon ein Riesenfan der Jungs und ihr drittes Album „Amber Galactic“ (vor allem mit dem Gänsehaut-Smasher „Something Mysterious“) ist für mich ihr Heiliger Gral. Die nachfolgenden Platten sind auch famos, haben sich teilweise aber nach mehrmaligem Hören erst einem so richtig erschlossen (oder doch ein wenig schön gehört?), aber „Aeromantic II“ hat eine Ausstrahlung, in die man sich sofort verliebt, sofern man den NOCH poppigeren Appeal, plüschigeren Sound und liebevolleren Kitsch mag. Ich habe mein Herz an diese AOR bzw. Classic Rock-Klänge schon lange verloren. Das neue Album ist besser und stärker als sein Vorgänger und hat, das nehme ich gleich vorweg, zu kleinere Mäkel: Der Opener „Violent Indigo“ ist ein wirklich guter Song, aber als Eröffnungstrack wirkt er etwas „zahm“ und zu „standardmäßig“. Und ich hätte mir liebend gerne „Impossibile“ mit auf dem Album gewünscht, denn der Song hat dieselbe göttliche Aura des restlichen Hit-Materials und hätte sich nahtlos miteingefügt. Somit animieren folgende Songs zum Träumen, Tanzen, vor Freude weinen, Sonnenuntergang entgegenfahren und Trösten: „Midnight Marvelous“, „How Long“ (NDW lässt grüßen), „Burn For Me“ (der wirklich Sommerhit 2021 mit coolem Honky-Tonk-Piano und Gute-Laune-Faktor – da kann Ed Sheeran einpacken…), „Chardonnay Nights“ (wäre das der bessere Opener gewesen?), „Change“ (Genesis-Meets-Abba), „Amber Through A Window“, „I Will Try“ (man muss zu Beginn an „The Way You Make Me Feel“ von Michael Jackson denken), „You Belong To The Night“ (geile asiatisch-angehauchte Tanznummer), „Zodiac“ (welch ein Groover der ebenfalls zum Tanzen einlädt), „White Jeans“ (mit fetzigem „Galopp-Riff“) und das gefühlvolle „Moonlit Skies“. Als Bonustrack hat man das Cheap Trick-Cover „Reach Out“ spendiert, dass nicht hätte besser passen können.

Ich weiß nicht, wie oft ich bereits „Aeromantic II“ gehört habe, aber man hat das Gefühl einen 80er Jahre-Sampler vor sich liegen zu haben, der aber keiner ist. Dieses Album sorgt für eine gute Stimmung und lädt erneut zum Tanzen ein (Gott sei Dank hat keiner gesehen, wie ich dabei ständig durch meine Wohnung getanzt bin…). In persönlicher Sache möchte ich noch anmerken, dass seit „Burn For Me“ veröffentlicht wurde, es der einzige Track über viele Wochen hinweg war, der mich durch verdammt dunkle Stunden begleitet und mir wieder immer kurzzeitigen Sonnenschein bereitete. Egal ob es nur ein Lächeln, ein tänzerischer Hüftschwung oder das Gefühl von innerlicher Wärme war. Warum ich das erwähne? Weil ich mich damit bei The Night Flight Orchestra und ihrer Musik bedanken möchte und ich es ihnen so sehr gönnen würde genauso bekannt und erfolgreich zu sein, wie ihre Genre-Kollegen wie Journey, Foreigner und Co. Sie hätten es sowas von verdient, denn dieses Album ist definitiv ein Jahreshighlight. Mindestens!