Solstice: White Horse Hill (2018)

Solstice: White Horse Hill (2018)
Solstice: White Horse Hill (2018) Book Cover Solstice: White Horse Hill (2018)
Epic Doom Metal
Invictus
06.04.2018
www.solstice-englander.bandcamp.com

Tracklist:

  1. III
  2. To Sol A Thane
  3. Beheld A Man Of Straw
  4. White Horse Hill
  5. For All Days & For None
  6. Under Waves Lie Our Dead
  7. Gallow Fen
  8. Death´s Crown Is Victory (CD Bonustrack)

Ihr kennt das bestimmt auch: Ihr hört von Band X die ein neues Album veröffentlicht, viele Szeneanhänger können es kaum abwarten bis sie erscheint (da es sich um eine Kult-Band handelt), in den ersten Reviews wird sie teilweise bis zum Klassikerstatus hochgejubelt, du liest die Band- und Albenvergleiche mit denen sie auf einer Wellenlänge liegen und dann bist du so geil auf diese Scheibe, denn es spricht alles dafür das dir dieses Album auch gefallen wird? Genau so ging es mir auch mit  „White Horse Hill“ von Solstice. Ich konnte den Moment kaum abwarten bis ich sie endlich in meinen Händen hielt, die Plastikfolie entfernte, die CD aus der Hülle nahm und mit leicht zittrigen Fingern in den Player schob. Rund 48 Minuten später, nach dem ersten kompletten Durchlauf, war ich: enttäuscht.

Aber nur anfangs, denn ich hatte meinen Fehler ziemlich schnell erkannt: Die enorme Erwartungshaltung die ich ihr selbst aufgelegt hatte. Ich wollte, dass dieses Album gleich vom ersten Moment an zündet, aber das war nicht der Fall. „Schuld“ daran ist der Gesangsstil von Sänger Paul Kearns, der Bariton singt und daran musste ich mich erstmal gewöhnen. Der Gesangstil passt hervorragend zu dem Epic Doom Metal der Briten, aber für mich ungewohnt.

Bei jedem weiteren Durchlauf packte mich das Material aber dann mehr und mehr und ich wurde süchtig. „White Horse Hill“ ist ein von vorne bis hinten schlüssiges Gesamtwerk, das keinerlei Füllmaterial besitzt oder richtige Schwächen offenbart. Trauer trifft auf  Erhabenheit, Schmerz trifft auf Freude, Melancholie trifft auf Sympathie; alles bildet eine Symbiose.

Aber nun treten wir mal auf die (Euphorie-)Bremse und möchte auch gleich eine Sache klarstellen: Viele sehen „White Horse Hill“ auf einer Stufe mit „The Crowning Of The Fire King“ von Sorcerer und dem Atlantean Kodex Geniestreich „The White Goddess“. Ich kann dies durchaus verstehen und würde dem zustimmen, aber deutlich dahinter mit einem gewissen Abstand. Was „White Horse Hill“ im Gegensatz zu den beiden genannten Alben aber fehlt (die beide für mich jeweils das Album des Jahres des jeweiligen Jahrgangs waren und immer noch sind), sind die essentiellen Melodien, die einem Gänsehaut bereiten, die das Herz berühren und dich vor Freude weinen lassen. Alles andere ist aber in brillanter Form vorhanden!

In eigener Sache möchte ich mich bei euch entschuldigen werte Leserinnen, das es mit diesem Review so lange nach der Veröffentlichung gedauert hat, bis hier erscheint. Aber der Ruf der Platte eilte voraus: Da „White Horse Hill“ bei keinem großen Label erscheint, sondern es nur von Invictus Productions aus England zu beziehen gibt (www.invictusproductions.net), dauerte es rund drei (!) Wochen, aufgrund sehr hoher Nachfrage und kaum hinterher kommen mit der Auslieferung, bis ich sie in meinem Postkasten vorfand. Natürlich muss dieses Album auch erst auf Dauerrotation gesetzt werden, bevor man eine objektive Kritik abgibt, aber ich lüge nicht, wenn ich euch sage, dass sich das Warten auf „White Horse Hill“ sich gelohnt hat.

Und heißt es nicht immer, lieber spät als nie? Man könnte meinen, dass sich Solstice das auch dachten, denn aus Gründen wie einem zwischenzeitlichen Bandsplit, dauerte es 20 (!!!) Jahre nach dem letzten Longplayer „The New Dark Age“ bis man nun mit diesem bärenstarken Liederreigen auf der Matte steht. Welcome back!