Nestor: Kids In A Ghost Town (2021) Book Cover Nestor: Kids In A Ghost Town (2021)
AOR/Melodic Hard Rock
Eigenvertrieb
22.10.2021
www.nestortheband.com

Tracklist:

  1. A Fanfare For The Reliable Rebel (Intro)
  2. On The Run
  3. Kids In A Ghost Town
  4. Stone Cold Eyes
  5. Perfect 10 (Eyes Like Demi Moore)
  6. These Days
  7. Tomorrow
  8. We Are Not OK
  9. Firesign
  10. 1989
  11. It Ain´t Me

 

Liebe LeserInnen und Leser, macht euch bitte bereit für DEN Newcomer des Jahres 2021: Nestor! Dieses Jahr hat mit großartigen neuen Bands nicht gegeizt (es seien nur mal u.a. Yoth Iria, The Night Eternal, Tentation oder Sijjin erwähnt), aber der ganz große Wurf ist dabei den Jungs von Nestor gelungen, die aus dem Stand einen Earcandy gezaubert haben, der, wenn man sich darauf einlässt, einen nicht mehr loslässt. Wunderschöner 80er Jahre-AOR bzw. Melodic Hard Rock, der sich mit unaufdringlichen, aber zauberhaften Melodien, ins Herz spielt.

Ich mache einen Exkurs in meine Entdeckungsphase der Band und welch eine Begeisterung sie nicht nur bei ausgelöst haben: Mitte November diesen Jahres war geplant das Keep It True Rising!-Festival in der Würzburger Posthalle zu besuchen (was glücklicherweise stattfinden konnte!). Ein bis zwei Tage vor Festivalbeginn, wollte ich ein paar Bands des Line-Ups anchecken, um mich ein wenig damit vertraut zu machen, was mich alles erwarten würde, was mir bis dato noch nicht vertraut war. „Aha, Nestor… Der Name klingt etwas komisch (stammt aus der griechischen Mythologie, denn Nestor war der Sohn des Neuleus, König von Pylos, der im trojanischen Krieg der älteste und weiseste Mann gewesen sein soll), aber das Logo sieht cool aus! Könnte eine Epic Metal-Band sein“, dachte ich mir. Ich lag aber sowas von daneben, als ich auf YouTube den Song „On The Run“ fand. 80er Jahre AOR mit einem interessanten, irgendwie witzigen, aber dennoch hübschen Video. Ich habe nur ein einziges Mal dieses Lied gehört und „geblendet“ vom Video resümierte ich es als einen guten Song, der mich aber nicht „angesprungen“ hat. Dennoch blieb der Beginn des Refrain hängen: „Call The Police….“

Ich hatte die Band ein wenig als „Fun-Act“ im Sinn und als sie ihren Festivalauftritt hatten, sah ich mich immer mehr bestätigt: Die fünf Herrschaften trugen alle eine „Uniform“ (ich musste an New Yorker-Müllmänner denken – Sorry, Jungs!), auf deren Rücken das Bandlogo zierte, Keyboarder Martin Frejinger beeindruckte mit selbstbewusster Frisur (im Netz könnt ihr fündig werden…) und als Sänger Tobias Gustavsson die Bühne, wie im Video zu „On The Run“, mit einer „Schlitz-Party-Brille“ (haben die Teile einen Fachbegriff?) betrat, war das „Klischee“ perfekt. „Ich glaube, das kann nun lustig werden…“, sprach ich meinen Begleitern gegenüber noch aus, denn in einem „truen“ Metalheads-Umfeld, ist diese Art von Musik zu „poppig“ und somit verpönt. Es war während des Gigs nicht das letzte Mal, dass ich mich täuschen sollte…

Der Live-Opener „On The Run“ war mir wieder sofort präsent und um mich herum wurde es immer voller. Als der dritte Song des Sets „Stone Cold Eyes“ gespielt wurde, war es vor der Bühne mehr als voll und wir waren uns nach den ersten Takten des Songs einig: Bon Jovi lässt grüßen! Das nächste Highlight folgte bei „Tomorrow“, als Crystal Viper-Frontdame Marta Gabriel als Gastsängerin agierte (welch eine Stimme und welch eine Präsenz!), dessen Part auf dem Album übrigens Samantha Fox (!) ausübt. Brennende Feuerzeuge und Handylichter in der Höhe fluteten die Halle und nach „1989“ und „Firesign“ stand fest, dass die Schweden auf ganzer Linie überzeugt und die Leute im Sturm erobert hatten. Die Band hatte ihre erste Show außerhalb ihrer schwedischen Heimat, wohlgemerkt! „Sie waren nicht schlecht, aber die Songs müssten noch zwingender werden…“, meinte ich noch zu einem Bekannten, nachdem der letzte Song verklungen war. Als diese Worte über meine Lippen kamen, wusste ich noch nicht, wie bescheuert diese Aussage war. Nachdem der anhaltende Beifall, samt „Zugabe-Rufen“, vorbei war, sahen wir uns an und ich brachte den Gedanken zum Ausdruck, den wir in diesem Moment alle dachten: „Was ist hier gerade passiert?“ Etwas großartiges war geschehen!

Ich bekam das Dargebotene nicht mehr aus dem Kopf und MUSSTE diese Songs nochmal hören! Dies tat ich. Immer und immer wieder. Via YouTube. AAARRRGGGHHHHH!!!! ICH BRAUCHE DIESES ALBUM!!!! Aber das war nicht ganz einfach, denn es wird in Eigenregie hergestellt und vertrieben. Über Umwege fand dieses Goldstück dennoch den Weg zu mir. Und nun wird es romantisch: Die Band ist nicht einmal so „Neu“. Die fünf Jungs aus dem kleinen Städtchen Falköpings, haben sich in ihren Teenager-Zeiten Ende der 80er gegründet, aber da sie noch nicht die spielerische Klasse hatten, lagen sie die Band auf Eis. Im Laufe der Jahre sammelten sie Erfahrungen in anderen Bands (u.a. Tobias Gustavsson und Gitarrist Jonny Wemmenstett machten sich mit der Formation Straight Frank bereits einen Namen) reformierten sich in den letzten Jahren, arbeiteten die Songs weiter aus und nahmen sie auf. Da keine Plattenfirma bisher das bieten konnte, was sie mit ihrem Konzept und ihren Visionen ihrer Musik vorhaben, erscheint es als Eigenvertrieb.

Ich weiß nicht, wie oft ich „Kids In A Ghost Town“, seitdem es in meinem Besitz ist, gehört habe, aber zusammen mit der genialen „Aeromantic II“ von The Night Flight Orchestra, sind es nicht nur DIE Highlights des AOR-Sektors in diesem Jahr, sondern auch persönlich die meistgehörten Alben 2021. Vor allem weil Nestor mit „We Are Not Ok“ noch einen zum Heulen schönen Schmachtfetzen im Köcher haben, der nicht nur viel mehr Gefühl und Tiefe besitzt als die „Mainstream-Songs“ in der heutigen Zeit, sondern es wäre auch in den 80ern ein absoluter Hit geworden. Garantiert! Und hätten wir jetzt nicht diese kalte Jahreszeit, sondern herrlichen Sommer, ich würde mich ins Auto setzen, mit heruntergelassenen Fenstern auf voller Lautstärke der Sonne entgegen brettern zu einem schönen Fleckchen Wiese oder einem Badeufer begeben und dort, mit einem kühlen Getränk in der einen und einer Perle in der anderen Hand, ausgelassen die sonnigen Abendstunden des Sommers zelebrieren. So dass es beim Tanzen immer und immer wieder heißt: „Call The Police…!“

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Bei Mike handelt es sich im Einzelnen um allerhand mittelfränkische Verhandlungsmasse, ein wahrer Gentleman, ein wahrer Poet Den Löwenanteil seiner irdischen Sternzeit fristet Metalmike, wie wir ihn nennen, auf 49°17`60" N, 10°33`34" O in der Multi Media Abteilung eines Glücksgefühl-Sortimentas. In den 90ern war Gentlemicha der erste, der sich “Musik ist (mein) Leben!” auf die Pommesgabel hat tätowieren lassen, deswegen reichte das Taschengeld auch nicht für ‘ne Baumpatenschaft. Weil Metalmike jeden Tag einen Clown frühstückt, sperren wir ihn in der Regel statt Jack in die Box und füttern ihn für den Rest des Tages hauptsächlich mit Rock- und Metalscheiben, von Weichspülern bis hin zum richtig steilen Zeug à la Mgla, Lifelover und Co.