Broilers: Santa Claus (2021) Book Cover Broilers: Santa Claus (2021)
Punk
Skull & Palms Recordings/Warner Music
12.11.2021
www.broilers.de

Tracklist:

  1. Carol Of The Bells
  2. Feliz Navidad
  3. Christmas Time (Again)
  4. Grauer Schnee
  5. Driving Home For Christmas
  6. Fairytale Of New York
  7. Santa Claus Is Comin´ To Town
  8. Christmas (Baby Please Come Home)
  9. Christmas Vacation
  10. Merry Christmas (I Don´t Want To Fight Tonight)
  11. Mele Kalikimaka
  12. Oi! To The World
  13. Father Christmas
  14. Vor Mitternacht (Auld Lang Syne)

No, no, no!!! Das kann doch nicht deren Ernst sein? Doch, doch, die meinen das Ernst! Zugegeben, ich persönlich halte absolut nichts davon, wenn Bands aus dem härteren Sektor ein Weihnachtsalbum aufnehmen und veröffentlichen. Vielleicht betrachte ich das immer aus Image-Gründen, denn wenn „kernige“ Bands, die den klischeebehafteten Leitsatz „Sex, Drugs and Rock´n´Roll“ verkörpern, musikalisch eine solch starke Energie freisetzen und textlich (in welcher Form auch immer) anprangern, kritisieren und anecken, kann ich ihnen keine Weihnachtsplatte für voll nehmen. Im Sommer (zu normalen Zeiten) werden Bühnen in Schutt und Asche gelegt, Fernseher aus dem Hotelzimmer geworfen (ok, absolutes Klischee…) und wilde Partys gefeiert und an Weihnachten fröhlich im Kreis singend das Fest der Liebe zelebriert? Ist das nicht suspekt?

Mitnichten! Image ist nicht alles, denn auch die „Harten Leute“ haben eine besinnliche Seite und schätzen selbstverständlich in weihnachtlicher Runde das traute Zusammensein mit ihren Liebsten. Daher machen mit diesem Aspekt solche Alben Sinn, wobei ich gestehen muss, dass ich im ersten Moment fand, das es zu den Broilers nicht passt. Einen einzelnen Weihnachtssong mal zu schreiben und zu veröffentlichen, geht in Ordnung (die beiden Weihnachtslieder „Merry Xmas Everybody" von Slade oder „Merry Christmas (I Don´t Want To Fight Tonight)“ von den Ramones sind gute Beispiele), aber wer will schon die X-te Version der typischen Weihnachtssongs hören? Aber nach dem Blick auf die Tracklist war ich doch ernüchtert. „Feliz Navidad“, „Santa Claus Is Coming To Town“ und „Driving Home For Christmas“ sind die einzigen Songs, die ich jedes Jahr zu Genüge im Radio, Kaufhaus, TV oder eine andere mediale Plattform ertragen muss, die aber im Broilers-Gewand mich nicht nerven. Die Düsseldorfer sind intelligent genug diese Songs mit ihrem eigenen Humor („Feliz Navidad“ klingt allein von Sammys Aussprache her unfreiwillig lustig und das Intro zu „Santa Claus Is Coming To Town, in dem die Band befragt wird, lässt einen Schmunzeln) zu vertonen. Besonders froh bin ich darüber, dass der schlimmste Weihnachtssong ever, „Last Christmas“ von Wham!, nicht auf dem Album gelandet ist, obwohl die Band verschiedene Variationen aufgenommen hatte, aber diese nicht für gut genug befunden hatte, um es mit auf das Album zu packen.

Dafür hat „Santa Claus“ genug andere Weihnachtslieder in petto, die eher in der zweiten Reihe angesiedelt, in Vergessenheit geraten oder für die breite Masse einfach zu unbekannt sind. So erleben Songs wie „Mele Kalikimaka“ (Bing Crosby), das mit Steeldrums versehene „Christmas Vacation“ (Mavies Staples), „Father Christmas“ (The Kinks) oder „Christmas (Baby Please Come Home)“ (Darlene Love) eine gewisse Frische, während „Christmas Time (Again)“ (Bad Manners) und „Oi! To The World“ (The Vandals) die Punk- bzw. Oi!-Szenerie geehrt wird und mit der sehr coolen „Bar-Jazz“-Variation des The Ramones-Klassikers „Merry Christmas (I Don´t Wanne Fight Tonight)“ und der schönen Version des The Pogues-Tracks „Fairytale Of New York“ es herrlich berührend wird.

Aber die Broilers haben ihren eigenen Beitrag dazu geleistet und servieren mit „Grauer Schnee“ und „Vor Mitternacht (Auld Lang Syne)“ zwei Eigenkompositionen. Letztgenannter ist zwar nur zur Hälfte ein eigener Song, da es ein „Mash-Up“ mit dem schottischen Volkslied „Auld Land Syne“ ist, das aber wiederum eine Emotionalität an den Tag legt, wie man es von den Broilers kennt, wenn man den Verlust und die Erinnerung an geliebte Personen thematisiert. Ein passender Abschluss sowohl für den gedanklichen Jahresausklang als auch für das Album.

Anfangs wirkt „Santa Claus“ befremdlich durch das musikalische Leitthema und durch den zumeist englischsprachigen Gesang von Sammy Amara, aber sobald man sich daran gewöhnt hat, eröffnet sich einem eine großartige Weihnachtsplatte, die viel Charme, Humor, Liebe und Sympathie ausstrahlt. Selbst für diejenigen, die dieser Art von Musik normalerweise nicht so viel abgewinnen können, sollten danach zumindest ein „Oi!“ prosten können. Mich hat es zumindest in die Weihnachtsstimmung versetzt und freue mich auf die Festtage. Frohe Weihnachten, frohes neues Jahr und bleibt gesund! Ho, ho ,ho!

P.S.: Da es sich bei „Santa Claus“ um kein Broilers-Album im „klassischen“ Sinne handelt, enthalte ich mich fairerweise einer Benotung.

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Bei Mike handelt es sich im Einzelnen um allerhand mittelfränkische Verhandlungsmasse, ein wahrer Gentleman, ein wahrer Poet Den Löwenanteil seiner irdischen Sternzeit fristet Metalmike, wie wir ihn nennen, auf 49°17`60" N, 10°33`34" O in der Multi Media Abteilung eines Glücksgefühl-Sortimentas. In den 90ern war Gentlemicha der erste, der sich “Musik ist (mein) Leben!” auf die Pommesgabel hat tätowieren lassen, deswegen reichte das Taschengeld auch nicht für ‘ne Baumpatenschaft. Weil Metalmike jeden Tag einen Clown frühstückt, sperren wir ihn in der Regel statt Jack in die Box und füttern ihn für den Rest des Tages hauptsächlich mit Rock- und Metalscheiben, von Weichspülern bis hin zum richtig steilen Zeug à la Mgla, Lifelover und Co.