Machine Head: Catharsis (2018) Book Cover Machine Head: Catharsis (2018)
Modern Thrash Metal
Nuclear Blast
26.01.2018
www.machinehead1.com

Tracklist:

  1. Volatile
  2. Catharsis
  3. Beyond The Pale
  4. California Bleeding
  5. Triple Beam
  6. Kaleidoscope
  7. Bastards
  8. Hope Begets Hope
  9. Screaming At The Sun
  10. Behind A Mask
  11. Heavy Lies The Crown
  12. Psychotic
  13. Grind You Down
  14. Razorblade Smile
  15. Eulogy

Wenn Ihr diese Zeilen hier lest, werte LeserInnen und Leser, ist “Catharsis”, das neunte Studioalbum von Machine Head, schon ein wenig auf dem Markt und wird (weiterhin) heftigst diskutiert. Schon vor Veröffentlichung dieses Werkes, polarisierte es, als Mastermind Robb Flynn ankündigte, dass es das Album mit dem geringsten Thrash Metal-Anteil sei. Schluck. Hieße das, Machine Head goes Pop-Mainstream? Nein, Gott sei dank nicht, denn die vorab ins Netz gestellten Tracks „Beyond The Pale“ und „Catharsis“ zeigten, dass man mit dem zugänglichen Pop-Bubblegum-Albtraum nichts zu tun hat. Es fällt auf, dass man auf kompaktere und groovige Bauweise setzt. Soweit spricht da nichts dagegen, doch bei dem nächsten vorgestellten Song „Bastards“ musste man wieder schlucken: Eine Pop-Punk-Folk-Nummer die nicht wirklich jedem Hörer schmeckte. Vielen schwante Übles und Vorurteile wurden gegenüber „Catharsis“ gehegt.

Ja, ich gebe es zu: Auch der Verfasser dieser Zeilen hatte ein wenig Bammel davor, sich dieses Album anzuhören. Als jahrelanger Fan, der „Burn My Eyes“ (1994), „Through The Ashes Of Empires” (2003) und “The Blackening” (2007) liebt, der “Unto The Locust” (2004) auch vieles abgewinnen kann, aber „Bloodstones & Diamonds“ (2014) als ersten kleinen Wackler, mit nicht mehr ganz so zwingenden Songs sah, stellte gedanklich „Catharsis“, nur allein durch die Vorab-Tracks, schon als einen Tiefpunkt dar. Nach nun mehr als zehn Durchläufen, muss ich (Gott sei Dank!) resümieren, dass dies NICHT der Fall ist.

Der Schlüssel des „Gefallens“ an dieser Liedersammlung, liegt vor allem daran, dass man die Phase zwischen „Through The Ashes Of Empires“ und „Bloostone & Diamonds“ gedanklich (größtenteils) ausklammert und es als Anschluss an die „Nu Metal“-Phase von „Supercharger“ betrachtet. Groove, Groove und nochmal Groove dominiert hier das Geschehen und keine Highspeed-Vollgas-Nummern, mit Gitarrenduellen en masse. Davon muss man ein Freund sein, sonst wird man niemals grün damit. Hat man das erstmal verinnerlicht und hat man sich die Zeit genommen, sich mit diesen mehr als 70 Minuten Spieldauer zu befassen, muss man attestieren: „Catharsis“ ist das abwechslungsreichste Album der Bandhistorie. Ohne großes Intro, knallt uns Mr. Flynn ein „Fuck The World“ im wütenden Opener „Volatile“ vor den Latz, bis mit dem Titeltrack, dem giftigen „Grind You Down“, „Razorblade Smile“, „California Bleeding“ oder dem entfernt an „The Blood, The Sweat, The Tears“ erinnernden Track „Kaleidoscope“ starker Modern Thrash Metal aufgeboten wird.

„Hope Begets Hope“ und das ruhige „Behind A Mask“ überraschen mit dezenten aber wohltuenden Melodien. Gewöhnungsbedürftiger sind dagegen u.a das old-schoolige und mit einem Rap-Gesang (!) versehene „Triple Beam“, der Epos „Heavy Lies The Crown“, „Screaming At The Sun“ und das kranke „Psychotic“. Der einzige Track, der einfach nicht so richtig passen will (höchstens je nach Laune) ist die bereits genannte Folk-Pop-Punk-Nummer „Bastards“ die wie ein Fremdkörper wirkt. Nicht falsch verstehen, der Song ist eigentlich gut, wäre er nur nicht von Machine Head. Da ist es (zumindest für mich) nicht hilfreich, den Refrain von „Bastards“ im Closer „Eulogy“ erneut aufzugreifen. Da wäre mir der Mega-Hook von „Beyond The Pale“ (Highlight der Scheibe!) deutlich lieber gewesen…

Fazit:
Ja, ich war hin- und hergerissen von „Catharsis“ und wusste lange nicht, was ich von diesem Werk halten sollte. Es ist kein Rohrkrepierer, aber auch kein Meilenstein. Es ist nicht alles Gold was glänzt, doch für den Mut, den Machine Head haben, ein solch polarisierendes Werk zu veröffentlichen, vor allem nachdem es stetig nach oben ging seit der Veröffentlichung von „Through The Ashes Of Empires“ (2003 wohlgemerkt!) und man sich einen ehrenwerten Status erarbeitete, verdient dieser Schritt wirklich enormen Respekt. Gratwanderung größtenteils gemeistert; als Belohnung gibt es von mir 4 Sterne.