Lacuna Coil: Delirium (2016) Book Cover Lacuna Coil: Delirium (2016)
Gothic/Modern Metal
Century Media
27.05.2016
www.lacunacoil.it

Tracklist:

  1. The House Of Shame
  2. Broken Things
  3. Delirium
  4. Blood, Tears, Dust
  5. Downfall
  6. Take Me Home
  7. You Love Me ´Cause I Hate You
  8. Ghost In The Mist
  9. My Demons
  10. Claustrophobia
  11. Ultima Ratio

Faszinierend was uns die Italiener von Lacuna Coil präsentieren! Wer sie als modern klingende, gen amerikanischen Mainstream blickende (in Form der letzten drei Alben) Band kennen gelernt hat, wird nun sehr überrascht sein. Genau so, wie Chef Torsten und ich es waren, als wir die erste Single ´The House Of Shame` hörten. Die sind richtig hart geworden! Und das nicht nur bei einem Song, sondern das ganze Album über! Bei `The House Of Shame` musste ich zeitweise an die „Obsolete“-Phase von Fear Factory denken.

Fassen wir erstmal die Fakten zusammen: „Delirium“ ist das härteste Werk der Gruppe geworden. Sänger Andrea Ferro hat auch wieder deutlich mehr Gesangsanteil, der bei „Broken Crown Halo“ im Vergleich geringer war. Und wenn schon Andrea mehr Einzug erhält, darf er gleich ordentlich growlen und shouten. Aber selbst Klargesang hat er nach wie vor in Petto. Was noch auffällt ist, dass die Band allesamt Korn-Fans sind, denn der instrumentale Sound lehnt sich sehr stark an deren besten Album „Take A Look In The Mirror“ an. Man muss sich vielleicht erst an diesen neueren Gesamtsound gewöhnen, hat man das dann, erkennt man klar die typische Lacuna Coil-Songhandschrift. Das heißt auch, es springen auch einige Ohrwürmer heraus. Oberhit ist für mich der Titeltrack, der sich mit einer orientalisch angehauchten Hintergrundgesangsmelodie auf Dauer festsetzt. (Okay, bei Torsten ging nach ein paar Sekunden der Finger auf den „Stop“ bzw. „Next“-Knopf, aber darüber reden wir noch mal… Augenzwinker.) `Blood, Tears, Dust` ist der nächste Ohrwurm und auch `Take Me Home`, `You Love Me ´Cause I Hate You`, `My Demons` und `Claustrophobia´ schließen sich dem Kollektiv mit an.

Die restlichen Songs setzen mehr auf Groove und Härte, die aber dennoch ihren Reiz haben und sich zwischen den Ohrwürmern flüssig einfügen. Nicht zu vergessen `Downfall` der reißende Gefühlsströme losbricht, wie einst `End Of Time` oder `My Spirit`.

Viel angestaute Wut wurde hier entladen. Doch wo kam die nur her? Nun, man musste nicht nur den Bandausstieg von Drummer Cristiano Mozzati, den beiden Gitarristen Cristiano Migliore und Marco „Maus“ Biazzi verkraften, sondern auch eine Zeit voller Aggressionen, Frustrationen und Verzweiflungen die sich u. a. auf familiärer und gesundheitlicher (!) Ebene abspielte. Das ist einiges, das sich in den letzten beiden Jahren bei den Mailändern anstaute, aber in meinen Augen haben sie es mit „Delirium“ richtig gut kanalisiert. Mit diesem Album schlagen Lacuna Coil ein neues Kapitel auf ihrer Bandhistorie auf und beschreiten nun einen neuen Weg. Ob und in wie weit er von Erfolg gekrönt sein wird, das wird uns die Zeit verraten...