Jesus On Extasy: Beloved Enemy (2008) Book Cover Jesus On Extasy: Beloved Enemy (2008)
André Tuchtenhagen
Drakkar Entertainment
02.05.2008

Tracklist:

  1. Beloved Enemy
  2. Change The World
  3. Direct Injection
  4. Stay With Me
  5. Stuck
  6. Break You Apart
  7. Lies
  8. The Last Day Of My Life
  9. You Don't Know Anything
  10. Dead Presidents
  11. Falling
  12. Church Of Extasy
  13. Sometimes

Nur ein Jahr nach der Veröffentlichung ihres Debut-Albums werfen die fünf Industrialrocker aus dem Raum Essen ein neues Werk auf den Markt. “Beloved Enemy” heißt es und soll die 2007 begonnene Revolutionierung des Industrialgenres fortsetzen.

Wer die Biographie der Band ein wenig verfolgt hat, wird eventuell die Ironie erkennen: “Beloved Enemy” ist auch der Name der Band, zu der Bandmitglied Chai Deveraux kürzlich gestoßen ist und in der er nun als Live-Gitarrist fungiert. Darüber, ob der Albumname deswegen so gewählt wurde kann man nur spekulieren. Der Inhalt des Albums hat zumindest mit diesem Thema nichts zu tun.

Die Grundaussage auf “Beloved Enemy” ist in vielen Songs ähnlich: es wird ein post-orientierter Pessimismus vertreten, mit dem Jesus On Extasy die Gesellschaft in ein kritisches Licht stellt und deutlich Seitenhiebe austeilt um auf Missstände aufmerksam zu machen. Vertont wird diese Endzeitstimmung mit einer Mischung aus Industrial und Alternative Rock mit einer Extraportion Glamour.

Sofort nach dem Einlegen der CD wird der Hörer mit brechenden Gitarrenklängen und eingängigen Synthesizermelodien empfangen. Der nach dem Album betitelte Opener “Enemy Beloved” beweist mit seiner Schnelligkeit und Rhythmik, dass der musikalische Mix von Jesus On Extasy durchaus tanzbar ist. In den folgenden Songs wird dieses Prinzip auch beibehalten. Der Song “Direct Injection” wurde gleichermaßen Synthesizer- und Gitarrenbetont gestaltet, während die erste Singleauskopplung “Stay With Me” schon nahezu als reiner Rocksong durchgehen würde. Im Verlauf des Albums verändert sich die musikalische Gestaltung aber. Die Songs werden zunehmend düsterer, Gitarrenklänge werden in Kontrast mit melancholischen Keyboardmelodien und elektronischen Synthesizertönen gestellt. Außerdem sind auffällige Tempowechsel innerhalb der Lieder zu vernehmen. In “Lies” und “You Don’t Know Anything” nähert sich der Gesang der Deveraux-Cousins schon nahezu Schreigesang an, der den Songs eine dramatische Note verleiht. Mit dem vorletzten Titel “Church Of Extasy” hat sich die Band wohl eine eigene Hymne geschrieben, die ganz ohne die übliche post-orientierte Note auskommt, die aber noch mal kurz vor Schluss die Schwarten krachen lässt. “J, Give me a J, Give me an O,Give me an E, This is Jesus on Extasy!“ heißt es in dem eingängigen Refrain, der zum Mitsingen einlädt. Den Ausklang bildet der wohl melancholischste Song auf dem Album: In „Sometimes“ wird gedehntes, tiefes Gitarrenspiel mit Klavierbegleitung in einer hohen Tonart unterlegt, dessen Zusammenspiel sich erneut in einem dramatischen Höhepunkt findet und anschließend „Beloved Enemy“ ruhig ausklingen lässt.

Inhaltlich gesehen ist das neue Jesus On Extasy Album mit seiner post-orientierten Grundstimmung und kritischen Seitenhieben schon ein schwerer Brocken. Allerdings wurden die Songs abwechslungsreich gestaltet und überzeugen mit Kreativität, Dynamik, eingängigen Melodien und Rhythmen und wissen in dieser Weise auch zu fesseln.