Haken: Vector (2018) Book Cover Haken: Vector (2018)
Progressive Metal
InsideOut Music
26.10.2018
www.hakenmusic.com

Tracklist:

  1. Clear
  2. The Good Doctor
  3. Puzzle Box
  4. Veil
  5. Nil By Mouth
  6. Host
  7. A Cell Divides

Wer bei den Namen Haken Fragezeichen im Gesicht hat und sich dabei an die Stirn kratzt, der ist scheinbar nicht auf dem Laufenden was das Thema britischer Progressive Metal angeht (oder kommt mit diesem Genre generell nicht klar…). Das sollte sich schleunigst ändern, denn mit „Vector“ ist bereits das fünfte Studioalbum der Herren in den Startlöchern und erneut ein Highlight auf der Speisekarte für Feinschmecker und Gourmetfreunde.

Während die Helden Dream Theater momentan in einer kreativen Tiefphase schwelgen, ist Haken eine wunderbare Ersatzdroge, die mit ihrem Vorgänger „Affinity“ zwar ein für die Band eher untypisches, aber verdammt eingängiges, starkes und süchtig machendes Werk veröffentlicht hatten. „Vector“ zieht den Härtegrad zwar wieder deutlich an, aber für die vielen Elemente die verwendet wurden, bleibt genügend Raum zur Entfaltung. Eben dieses Talent, ist das Besondere an ihnen. Komplexe Arrangements? Na aber sicher! Hier und da 80er Jahre Keyboard- und Drumsounds? Die dürfen nicht fehlen! Eine Prise Djent? Das macht es Geschmacksintensiver! Melodienbögen, Harmonien und Wiedererkennungswert? Das sind Grundzutaten! Chorusale Eingängigkeit? Oh ja!

Jedes Mal bin ich davon beeindruckt, wie Haken es schaffen trotz dieser Fülle an Sounds NIE überladen oder zu verkopft zu klingen. Stattdessen falle ich auf die Knie für Ohrenschmeichler, die harte Breaks beinhalten und dann mit einer Hook um die Ecke kommen, die deine Seele in ihre Bestandteile auflösen lässt und in entfernte Galaxien entführt, die man nur sonst in seinen innigsten Träumen erreicht. Aber genug Poesie und lieber die Realität: Das Intro „Clear“ zieht dich von Anfang an mit seinem düsteren und kalten Cypersound sofort in den Bann. „The Good Doctor“, „Puzzle Box“ (kann man sogar wörtlich nehmen den Titel), „A Cell Divides“ und „Veil“ sind geniale Zungenschnalzer und mit „Nil By Mouth“ hat man meiner Meinung nach neben „Miasma“ von Ghost, eines der geilsten Instrumentals (von einer nicht reinen Instrumentalband wohlgemerkt!) diesen Jahres eingetütet. Einzig „Host“ schmeckt mir ein wenig zu fade wie eine, ähm, Hostie. Kann man schon essen und man bekommt sie auch ohne Rotwein herunter.

Von den Wortspielen zurück zu den Metaphern: Haken haben erneut die besten Zutaten genommen, alles in einen Topf hinein geworfen, gut herumgerührt und ein deliziöses Gericht gezaubert. Es schmeckt so gut, dass ich davon nicht genug haben und immer wieder einen Nachschlag haben will. Und ich habe auch schon wieder Hunger. Dann bestelle ich mir die Nr. 1 auf der Speisekarte: „Liebevoller Kopffick.“

P.S.: Bei „Vector“ handelt es sich um ein Konzeptalbum, dessen Story ich hier nicht weiter vertiefen möchte, denn alles zu spoilern, nimmt sonst gänzlich die Spannung darauf.