Long Distance Calling: How Do We Want To Live? (2020) Book Cover Long Distance Calling: How Do We Want To Live? (2020)
Postrock
InsideOut/Sony Music
26.06.2020
www.longdistancecalling.de

Tracklist:

  1. Curiosity (Part 1)
  2. Curiosity (Part 2)
  3. Hazard
  4. Voices
  5. Fail/Opportunity
  6. Immunity
  7. Sharing Thoughts
  8. Beyond Your Limits
  9. True/Negative
  10. Ashes

Das Jahr 2020 – Die Welt hat sich im Laufe der letzten rund 100 Jahre schnell gedreht und enorm weiterentwickelt. Nicht nur das der Mensch sich zu einem räuberischen Egoisten und rücksichtslosen Eigennutzer dahinvegetiert, sondern auch der technische Fortschritt fördert diesen katastrophalen Bewusstseinswandel. Die Entwicklung von künstlicher Intelligenz ist kein Fremdwort mehr und vielleicht wird dies eines Tages die Ablösung des Menschen sein.

Klingt wie der Handlungstext eines apokalyptischen Buches, eines Kinoblockbusters oder vielleicht auch das Leitthema des neuen Long Distance Calling Albums „How Do We Want To Live?“. Nun, zumindest kann man das so interpretieren, denn die Münsteraner Instrumental-Postrocker veröffentlichen ein Konzeptalbum über das Zusammenleben zwischen Menschen und Maschinen, sowie Künstlicher Intelligenz. Dies ist nicht unbedingt ein leichtes Thema und weckt zugleich auch hohe Erwartungen. Denkt man an (teils) artverwandte Filme wie „Mad Max“, „Equilibrium“, „Matrix“, „Tron“, „A.I.“, „Blade Runner“, „Terminator“, „I, Robot“, „Ex Machina“, „Alita – Battle Angel“ oder „1984“ hat man bestimmte Bilder und Vorstellungen im Kopf. Auch ich hatte nach dem Vorgänger „Boundless“ (der die Geschichte eines Bergsteigers erzählt) ein wenig Bedenken, denn obwohl es ein richtig gutes Album war, hatte es hier und da seine kleinen Schönheitsfehler. Dazu kommt, dass dies auch nicht unbedingt ein favorisiertes Themengebiet von mir ist und somit die musikalische Umsetzung einer Enttäuschung gleichkommen würde, da man sich mit zu vielen elektronischen Experimenten zu weit aus dem Fenster lehnen könnte. Aber zugleich war ich wirklich gespannt und neugierig, welche Welt Long Distance Calling, vor allem in diesen aktuellen Zeiten, klanglich erschaffen würden. Passenderweise heißt es zu Beginn des Albums von einer Erzählerstimme auch „Curiosity is a real bastard“. Was danach folgt ist der Soundtrack für die nächsten Kopfkino-Vorstellungen.

„How Do We Want To Live?“ ist ein vertonter Film, dessen Handlung man sich hervorragend vor dem geistigen Auge vorstellen kann. Ich bin mir sicher, dass jeder beim Hören sich einen anderen Handlungsstrang ausdenkt, aber die Hauptkunst besteht darin, mit der komponierten Musik solche Bilder überhaupt entstehen zu lassen. Und dies wurde mit Bravour geschafft. Dabei trifft es auch den Nagel auf den Kopf, dass man Cover als altes Filmplakat zu gestalten und eine ausgeglichene Mischung zwischen Postrock, Progressive Rock/Metal, elektronischen Spielereien, Trip Hop und auch Klassik-Elementen (!) zu erschaffen. „How Do We Want To Live?“ klingt rund, stimmig, die musikalischen Elemente haben genügend Raum bekommen, sodass sie sich in ihrer vollen Stärke entfalten können. Trotz gewisser Härten und teils dystopischer Melodien ist es kein düsteres und apokalyptisches Werk geworden. Im Gegenteil: das man bei „Beyond The Limits“ auf die Dienste von Eric A. Pulverich (von Kyles Tolone) zugreifen konnte, birgt dieser feine Ohrwurm die menschliche Hoffnung mit sich, die es in einer unterkühlten und künstlichen (Zukunfts-)Welt benötigt. Neben dem Einstieg „Curiosity (Part 1 + 2)“ sind „Hazard“, „Voices“ (checkt mal das dazugehörige Video aus!), „Immunity“, „Sharing Thougts“ und das bereits genannte „Beyond The Limits“ die Perlen dieser Platte, ehe es mit „Ashes“ den „Abspann“ mit resümierender Note gibt.

Nach mehr als 20 Durchläufen bin ich immer wieder fasziniert davon, wie packend und zu keiner Zeit langweilig dieses Kunstwerk geworden ist. Das muss man erstmal schaffen und dazu noch größtenteils als Instrumentalband. Sollte ich noch erwähnen das ich noch nie der große Freund von Instrumentalbands war? Aber Long Distance Calling ist die ganz große Ausnahme, denn sie schaffen es einen gefangen zu nehmen mit ihrer Musik, Emotionen zu erzeugen und auch einen damaligen „Nicht-Freund-von-Instrumentalbands“ in einen gestandenen Fan zu verwandeln. Daher gibt es auf die Frage „How Do We Want To Live?“ nur eine Antwort: Nicht ohne Long Distance Calling!

Vorheriger ArtikelSorcerer: Lamenting Of The Innocent (2020)
Nächster ArtikelLamb Of God: Lamb Of God (2020)
Bei Mike handelt es sich im Einzelnen um allerhand mittelfränkische Verhandlungsmasse, ein wahrer Gentleman, ein wahrer Poet Den Löwenanteil seiner irdischen Sternzeit fristet Metalmike, wie wir ihn nennen, auf 49°17`60" N, 10°33`34" O in der Multi Media Abteilung eines Glücksgefühl-Sortimentas. In den 90ern war Gentlemicha der erste, der sich “Musik ist (mein) Leben!” auf die Pommesgabel hat tätowieren lassen, deswegen reichte das Taschengeld auch nicht für ‘ne Baumpatenschaft. Weil Metalmike jeden Tag einen Clown frühstückt, sperren wir ihn in der Regel statt Jack in die Box und füttern ihn für den Rest des Tages hauptsächlich mit Rock- und Metalscheiben, von Weichspülern bis hin zum richtig steilen Zeug à la Mgla, Lifelover und Co.