Haggard: Awaking The Centuries (2000) Book Cover Haggard: Awaking The Centuries (2000)
Paul-Eduard Rück
Drakkar
07.02.2000

Tracklist:

  1. Rachmaninov: Choir
  2. Pestilencia (Intro)
  3. Chapter I: Heavently Damnation
  4. Chapter II: The Final Victory
  5. Saltorella (La Manuelina)
  6. Chapter III: Awaking The Centuries
  7. Statement zur Lage der Musica
  8. Chapter IV: In A Fullmoon Procession
  9. Menuett
  10. Chapter V: Part I: Prophecy Fullfilled Part II: And The Dark Night Entered
  11. Courante
  12. Rachmaninov: Choir

Bei diesem Album haben sich Haggard an das Leben von Michelle de Notredame, besser bekannt als Nostradamus, gehalten. Man erzählt hier in 12 Liedern Teile seines Lebens und Leidens, die er durch seine Prophezeiungen erdulden musste...

Soviel zur Thematik. Kommen wir nun zur Stilrichtung. Die Band, die inzwischen schon 16 feste Mitglieder hat, spielt hier eine Mischung aus orchestralischen Sonetten und Heavy Metal, wobei jedoch (und das ist selten) das Orchester die Oberhand gewinnt. Metal-lastige Riffs sind eigentlich nur unterstützende Begleiter am Rande. Das ist sehr wunderschön anzuhören - man hat manchmal das Gefühl als säße man in einem großen Ballsaal des 18. Jahrhunderts. Streicher und Bläser bilden die Mehrzahl der Instrumente, besonders schön erkennbar sind die vielen Celli, Violinen und Geigen, aber auch ein oft auftretendes Klavier, welches meistens solo die Melodie und den Rhythmus angibt, nur um dann inmitten eines Liedes an der richtigen Stelle traumhaft wieder einzusetzen. Hin und wieder ein paar Akustik-Gitarren und krachende Schlagzeuge runden das Ganze ab. Zu diesem orchestralischen Feuerwerk kommt zu guter Letzt noch der Gesang, den abwechselnd eine tiefe, rauhe Männerstimme, eine klare Männerstimme, und eine helle, ruhige Frauenstimme bilden. Als Begleitung gibt es dann noch bei den meisten Songs einen wunderbaren Chor, der einem durch seinen düster-heroischen Ausdruck jedesmal Gänsehaut beschert. Zum Gesang wäre noch zu sagen, dass hier abwechselnd in verschiedenen Sprachen gesungen wird. So gibt es Passagen auf englisch, russisch, deutsch, französisch und sogar latein.

Jetzt noch etwas zum Aufbau: Nach einem 40-sekündigen Intro (wunderschöner, ruhig-melodischer Chorgesang) geht mit pestilencia die Geschichte des Nostradamus erst richtig los. Bei diesem Lied, welches mit erzählenden und Hörspiel-mäßig gespielten Texten und Gesprächen gespickt ist, erfährt man wie die Pest nach Frankreich kam und wie der junge Arzt Michelle de Notredame sich für die Kranken mit damals für die Kirche ketzerischen Methoden einsetzte. Und so wird die Geschichte dann in den folgenden Liedern fortgeführt...

Als besondere Leckerbissen auf dieser CD gelten für mich der Titelsong awaking the centuries (übrigens über 9 ½ Minuten lang), in a fullmoon procession und das zweigeteilte prophecy fulfilled... ...and the dark night entered. Den Abschluss der CD bildet wiederum ein Chor, der genau so anfängt und klingt wie der Intro-Chor, der aber fast zwei Minuten länger ist... 🙂

FAZIT:
Haggard - dieser Name steht für ein modernes Orchester mit ruhigen Melodien und Gänsehaut-Passagen. Wer sich mal von Streicher, Holz- und Blechbläser verzaubern lassen möchte ohne dafür Omas Klassik-CDs anhören zu müssen, der wird hier ausgezeichnet bedient. Auch wer es etwas härter mag und auf Sachen steht, wird sich in Haggard verlieben.

Dieses Album ist einfach Genuss pur - für jeden empfehlenswert, der Musik mag...