Editors: Violence (2018) Book Cover Editors: Violence (2018)
Indie/New-Wave
Play It Again Sam
09.03.2018
www.editorsofficial.com

Tracklist:

  1. Cold
  2. Hallelujah (So Low)
  3. Violence
  4. Darkness At The Door
  5. Nothingness
  6. Magazine
  7. No Sound But The Wind
  8. Counting Spooks
  9. Belong

Die Editors haben es schon wieder getan und alle Erwartungen der kritischen Musikhörerschaft über den Haufen geworfen! „Violence“, so der Name des fünften Langspielers, kommt mit neun frischen Songs daher, die zeigen, wie wandelbar die fünf Musiker aus Großbritannien sind. Bereits der Vorgänger „In Dream“ überraschte durch die ausgeprägte Experimentierfreudigkeit mit Synthies und Co und entpuppte sich als Hommage an die Großen der 80er Jahre.

Auf „Violence!“ hingegen wird es noch elektronischer. Lässt der harmlose Opener „Cold“ noch einen nahtlosen Anschluss an „In Dream“ vermuten, so belehrt das vorab als Single erschienene „Hallelujah (So Low)“ eines Besseren. Nach einem cleanen Einstieg mit Smiths unverkennbaren Gesang wechselt die Stimmung, ein verheißungsvolles „Haaaaaaleeeeluuuujaaaaaah“ gipfelt in wilden Elektrobeats und Gitarrengeschrammel und lässt die HörerInnen ohne tatsächlichen Refrain zurück. Das ist neu und keineswegs schlecht. „Violence“ beginnt etwas freundlicher, aber windet sich nach und nach in die typische Düsternis, die die Editors seit ihrer Anfangszeit begleitet. Auf die klassischen Gitarren wird an dieser Stelle jedoch verzichtet. Der Song kommt komplett elektronisch daher und gipfelt in einem ausgiebigen, fast schon tranceartigem Outro, nicht zuletzt Dank der Mithilfe des Fuck Buttons und Blanck Mass Members Benjamin John Power, welcher seine Handschrift auf dem gesamten Album hinterlassen hat.

Zum Durchatmen lädt das darauffolgende „Darkness at the Door“ ein. Entgegen der Erwartungen beim Lesen des Titels, bekommt die Hörerschaft an dieser Stelle eine freundlich poppige Tanznummer, die sich direkt als hartnäckiger Ohrwurm einnistet. „Nothingness“ tritt wieder etwas auf die Bremse, wird melancholischer und erinnert mit dem Gitarrensolo am Ende das erste Mal richtig daran, dass hinter all den elektronischen Klängen ja auch noch eine Truppe aus fünf wahnsinnig begabten Instrumentalisten steckt. Es folgt die erste Singleauskopplung „Magazine“, ein starker, tanzbarer Song, der die großen Firmenbosse und Machtinhaber unserer Zeit aufs Korn nimmt. Visuell unterstützt durch ein Musikvideo des niederländisch-iranischen Künstlers Rahi Rezvani, welcher ebenfalls für das restliche Artwork des Albums verantwortlich ist.

Mit „No Sound but the Wind“ bekommen die HörerInnen endlich, worauf sie seit etwa zehn Jahren gewartet haben – eine Albumversion, die dieser Song, welcher vor allem in Belgien durch den Liveauftritt beim Werchter Festival große Erfolge verbuchen konnte, verdient. Nur ein Piano und zarte Geigen unterstreichen Tom Smiths tiefen, eindringlichen Gesang, über die emotionale, durch den Roman „The Road“ inspirierte Geschichte, von Vater und Sohn. Es folgt mit „Counting Spooks“ ein Gruß an die 80er, welcher sich auch bestens auf „In This Light and on This Evening“ eingefügt hätte. Beendet wird „Violence“ mit dem gruselig-düster anmutenden „Belong“. Eine Uhr tickt, Smiths Gesang wird unterstrichen von zarten Streichern, bevor der Titel sich ein seinen pathetischen Refrain steigert.

Und nach neun Titeln ist dann Schluss, etwas wenig, möchte man meinen, jedoch unterscheiden sich die einzelnen Songs so sehr voneinander, dass das Album von Anfang bis Ende spannend bleibt, ohne große Schwächen aufzuweisen. Den Editors ist mit „Violence“ ein Album gelungen, welches erneut komplett andere Wege einschlägt als die Vorgänger, ohne, dass die Band sich selbst verrät oder zwanghaft versucht zu gefallen. Was will mensch mehr?­­