Deaf Havana: All These Countless Nights (2017) Book Cover Deaf Havana: All These Countless Nights (2017)
Alternative Rock
So Recordings
27.01.2017
deafhavanaofficial.com

Tracklist:
1. Ashes, Ashes
2. Trigger
3. L.O.V.E.
4. Happiness
5. Fever
6. Like A Ghost
7. Pretty Low
8. England
9. Seattle
10. St. Paul's
11. Sing
12. Pensacola, 2013
Nach vier Jahren, einem finanziellen Desaster und dem bedrohliche Ausmaße angenommenen Drogenkonsum des Sängers James Veck-Gilodi, rappelten sich Deaf Havana wieder auf – wie Phönix aus der Asche und liefern mit „All These Countless Nights“ das wohl ehrlichste und emotionalste Album ihrer 11-jährigen Karrierre ab.
Alle zwölf Songs wurden in den legendären Air Studios in London und dem The Vale Studio von Adam Noble (U2, Red Hot Chili Peppers, Muse, Placebo, etc.) aufgenommen und gemixt.
Der Album Opener „Ashes, Ashes“ zielt schon unmissverständlich in Richtung Stadion. Die Gitarren drängen nach vorne. Ein Stück mit ruhigen und lauten Stellen, geschickt im Wechsel arrangiert. Das kommt Live sicher noch druckvoller.
Bei der Radio-Rocknummer „Trigger“ geht es textlich um das Thema Ehrlichkeit. Die Percussions gallopieren. Die kraftvolle Stimme von Frontmann Veck-Gilodo baut mit den Gitarrenakkorden eine dicke Wand auf. Geiler Refrain – Großartiger Song!
„Ich war kurz davor alles hinzuschmeißen,
ich wollte einfach nicht mehr in der Band sein.“
Doch bei den Aufnahmen zu „All These Countless Nights“ kam alles ganz anders. Das beschreibt Veck Gilodi als „die klarste, positivste Erfahrung, die wir als Band je hatten“.
Weiter geht es mit dem elektronisch angehauchten L.O.V.E. Hier wurde Rhythmus- und Sologitarre perfekt aufeinander abgestimmt. Dann ein grandioser Instrumentalteil am Ende des Songs mit reichlich Delay verziert. Rock vom Feinsten. Bei „Happiness” kann dann mal durchgeatmet werden. Die Akustik-Ballade zeigt die gefühlvolle Ader von Deaf Havana. Es geht um Ängste und wie sich diese auf Beziehungen auswirken. Gänsehaut macht sich breit. Laut Veck-Gelodi der traurigste und ehrlichste Song der Band.
„Fever“ gerät etwas zu brachial und bleibt mit dem allzu eingängigen Refrain leider etwas hinter den anderen Tracks zurück. Das Gitarrensolo auf „Like A Ghost“ erobert sich dann wieder die Rockmusik zurück und „Pretty Low“ bietet ebenfalls großen Soundzauber, der den Puls der Fans wohl höher schlagen lässt.
Ein raffiniertes Bassriff leitet „England“ ein. Das druckvolle Schlagzeugspiel steht spannend im Kontrast mit dem gefühlvollen Gesangspart. Das melodische und etwas ruhigere „Seattle“ ist als Liebeserklärung an die britische Heimat zu verstehen. Irgendwie ist es kaum zu glauben, dass die Band aus England stammt, da sich die gesamte Produktion doch sehr amerikanisch anfühlt. „St. Paul’s“ – eine wunderschöne Popnummer – brilliert mit tiefgehendem Harmoniegesang: „Now the Bell of St. Paul’s ring out in my head – like the last few words she said.“
„Ich hab diesen Song geschrieben.
Wenn ihr Bock habt was damit zu machen,
dann bin ich dabei!“
Die Jungs gingen durch Höhen und Tiefen, standen kurz vor der Auflösung und rauften sich schließlich doch wieder zusammen. Die erste Single „Sing“ setzt auf Deaf Havana’s typische Qualitäten – tolle Melodien und ein Monster von Riff. Die Rock-Hymne schlechthin. Mit der getragenen Ballade „Pensacola 2013“, einem der stärksten Stücke, bei dem noch einmal alle Rockregister gezogen werden, klingt das 46 Minuten dauernde Werk aus.
„All These Countless Nights“ ist ein Album, das emotional wie melodisch alles gibt und dessen Kraft aus der Depression heraus entstand. Alle Nummern sind absolut eingängig und mit viel klangtechnischem Feingefühl eingespielt. Angesichts der großen musikalischen Qualitäten und der souveränen Produktion von Adam Noble bleibt zu wünschen, dass Deaf Havana wieder endgültig in die Spur kommen, weiterhin so gutes Material abliefern und dafür auch den verdienten Respekt bekommen.