Combichrist: One Fire (2019) Book Cover Combichrist: One Fire (2019)
Industrial-Metal
Out Of Line Music
07.06.2019
www.facebook.com/combichrist/

Tracklist:

  1. Intro
  2. Hate Like Me
  3. Broken United
  4. Guns At Last Dawn
  5. Lobotomy
  6. One Fire
  7. Bottle Of Pain
  8. 2045
  9. Interlude
  10. Understand
  11. California Uber Alles
  12. Last Days Under The Sun
  13. The Other

Seit über 15 Jahren heizen Combichrist mit ihrem EBM- / Industrial-Metal die Tanzflächen der düsteren Discos sowie die Festivalflächen ein. Im Laufe der Zeit wuchs die Fanbase zu Recht immer weiter an. Auch wenn das letzte Album im Jahr 2016 nicht wirklich überzeugte, so durfte man doch auf das neue Werk gespannt sein. Und siehe da: Combichrist besinnen sich zurück, gehen auf „One Fire“ ein wenig back to the roots, ohne jedoch ihre Experimentierfreude zu verlieren.

Das bedrohliche und chaotische Intro, bei dem man eine Invasion der Außerirdischen erwaret, geht nahtlos in „Hate Like Me“ über. Andy LePlegua nimmt kein Blatt vor den Mund und schreit dem Hörer sofort aus voller Inbrust mit seiner Reibeisenstimme entgegen. Industrial Metal auf hohem Combichrist Niveau macht diesen Song aus. Die präzisen Drums und Beats machen Lust sofort auf eines der stets energiegeladenen Liveshows zu gehen. „Broken United“ steht dem explosiven Einstiegssong (Intro abgesehen) in nichts nach. Die Jungs wollen wirklich etwas los werden! Im letzten Viertel hält die Band die Spannung durch einen ruhigen Zwischenpart aufrecht. Andy LePlegua mit ruhigem, langsamen und cleanem Gesang. Bei diesem Song ist es ihm gelungen und natürlich geht es nach wenigen Sekunden wieder über in die brachiale Gesamtstimmung des Songs und endet mit einem Knall.
Wer bei zu Beginn von „Guns At Last Dawn“ denkt er hätte mal Zeit etwas durch zu atmen, wird eines besseren belehrt. Nach knapp einer halben Minute wird auf Lichtgeschwindigkeit angezogen und man fühlt sich als hätte man soeben 1 Liter Red Bull intravenös erhalten. Der Song erinnert an schnelle Ministry Songs, bis das Tempo abrupt auf Schrittgeschwindigkeit wechselt, nur um nach kurzem cleanem, fast schon balladeskem Gesang wieder auf Turbo zu schalten. Ein wunderbar hektisches Durcheinander, bei dem man den Moshpit förmlich spüren kann.
Doch auch EBM-Fans kommen auf ihre Kosten. „Lobotomy“ stampft mit gewaltigen Elektrobeats an. Die Lyrics sind allerdings äußerst einfach gehalten, was den Stil, den man für Combichrist fast schon Minimalismus nennen könnte, gut unterstützt. Nett anzuhören, aber auch recht unspektakulär.
Mit „One Fire“ ändert sich das jedoch wieder. Vielversprechend aggressiv startet die Band rein, doch leider ebbt die beginnende Euphorie nach einer knappen halben Minute schnell wieder. Recht belanglos, um nicht zu sagen langweilig plätschert der Song daher. Ein Highlight stellt der Refrain dar, der aber auch recht eintönig gehalten ist. Einen kurzen Aufhorcher gibt es noch einmal im Zwischenpart, in dem Andy ein wenig growlt und mit den technischen Soundeffekte experimentiert wird.... von diesem kurzen spannenden Part hätte der Song etwas mehr benötigt, um mit einem „gut“ befunden zu werden.

Danach geht es steil bergab. Ein eierndes pirateskes Sauflied mit einem unverzerrten Gesang, bei dem sich die Haare aufstellen – und das nicht vor Wonne, sondern vor Grauen! Hier ist man versucht in Schunkeln zu verfallen. Allein dass das Wort „Schunkeln“ mit Combichrist in Verbindung gebracht werden kann, sagt alles über „Bottle Of Pain“ aus. Der Name des Tracks ist hier Programm bzw. sollte in „Ears Of Pain“ umbenannt werden.
Dann doch lieber mit „2045“ weitermachen. Der Nachrichtensprecher, der 90% der Vocals ausmacht, erinnert an alte Combichrist Songs als auch erneut, Ministry. Doch auch Andy LePlagues verzerrte Vocals dürfen nicht fehlen. Eine düstere Zukunftsvision entspringt diesem Song - vielleicht ist es auch die Zukunftsvision des Albums, denn „Interlude“ stellt eine Ballade dar, die man besser nicht erwähnen sollte, da es sonst hässlich würde. Zum Glück ist dies nur ein sehr kurzes Intermezzo und „Understand“ treibt den Hörer wieder auf die Tanzfläche.
„California Uber Alles“ überrascht mit Joy Division ähnlichen Gitarrenriffs, doch leider ändert sich dies bald und die gesanglichen Experimente sind ganz und gar nicht überzeugend. „Last Days Under The Sun“ reißt es jedoch wieder raus. Ein solider Combichrist Song mit synthetischen Beats und harten Tönen.
„The Other“ bleibt über seine knapp 6 Minuten ruhig und bedrohlich. Ein gelungenes Outro, wäre da nicht wieder der nicht besonders gelungene cleane Gesang. Davon bin ich definitiv kein Fan.

„One Fire“ ist ein wirklich abwechslungsreiches und experimentierfreudiges Album, ohne den langjährigen Combichrist Fan zusehr zu vernachlässigen oder vor den Kopf zu stoßen. Von allem ist eine Prise dabei, doch zu viele Gewürze können auch ein Gericht vermiesen. Das ist hier zwar nicht der Fall, aber einzelne Stücke sind doch etwas grenzwertig. Das konnten Combichrist schon mal besser, aber schlecht kann man das Werk auf keinen Fall nennen. Sie haben einen guten Mittelweg geschaffen und die Vorfreude auf die Show im Sommer bleibt ungebremst.