Eigentlich würde dieser Song sehr gut zu dieser Veranstaltung passen. „If The Kids Are United“ von Sham 69 aus dem Jahr 1978. Ein Punkrock-Klassiker, der die „klaren, ideologischen und politischen“ Auffassungen der Band widerspiegelt und das alles in einer „Stimme des Volkes“ wiedergibt. Der Song wird an diesem Wochenende nicht gespielt, weil die auftretenden Bands genug eigenes Songmaterial haben. Wäre aber eine coole Aktion gewesen. Aber die Aktion, die an diesem Wochenende hier auf der Fährmannsinsel abgeht, ist eigentlich noch abgefahrener. Vor dem Einlass haben sich Schlangen gebildet, sagen wir mal von Linden bis Lappland. Aber warum? Sind die Punkurgesteine Hosen oder Ärzte vor Ort. Nö, aber besser. Die Band „Team Scheisse“ hat tatsächlich einen Tag vor Programmvorstellung eine Kurznachricht an den Veranstalter geschickt mit der Anfrage: „Können wir noch mitmachen?“ Die Antwort war so schnell, so eindeutig, so klar: „Türlich seid Ihr dabei“. Aber warum wollt ihr das ? „Weil wir uns mit euren Werten identifizieren“, war die Antwort der Band. Das sagt alles.
Das Fährmannsfest in Hannover ist halt eine Kult-Veranstaltung. Aber aus Kostengründen, muss dieses Jahr gespart werden und die Musikbühne wird am Sonntag nicht bespielt. Schade, schade. Aber am Freitag und Samstag geht’s dafür in die Vollen. Und voll ist es schon am frühen Freitag Nachmittag. 4000 Menschen sind da und an beiden Tagen insgesamt ungefähr 10.000 nach Schätzung von Programmmacher Dirk Sadlon. Die angesagte Band aus Bremen zieht und liefert schnelle 2-Minuten-Nummern. Allerbeste Stimmung auf dem Holy Ground der Fährmannswiese. Das zieht sich so durch den gesamten Tag bis zum Headliner H-Blockx. Frontmann Henning Weiland ist begeistert: „Wir brauchen diese Art von Veranstaltungen“, sagt er. „Das ist, wo Kultur ist.“ Ganz genau. Und am Samstag geht das genauso weiter.
Kettenfett (Mörtel an den Drums und Mausi an Gitarre und Vocals) feuern aus allen Rohren. Das gleiche Konzept haben The Meffs (Lily Hopkins (Gesang, Gitarre) und Lewis Copsey an den Drums) aus Colchester/Essex in UK.

Das Geläuf an diesem Tag, sprich Tanzfläche, ist ausnahmsweise mal nicht matschig, sondern knochentrocken. Beste Voraussetzungen für einen pogolastigen Spaßtag. „Alarmsignal“ wissen was in Deutschland abgeht. „Nazis nehmen uns die Arbeitsplätze weg“ so einer ihrer Songs. Bei diesem Festival gibt es einen gemeinsamen Feind, die Bedrohung von Rechts. Für den Song „Kompass & Chauffeur“ holen sie Lara vom Merch-Stand weg, damit diese mal etwas Frauenquote auf die Bühne bringt und singt.

„Butterwegge“ sind paritätisch besetzt und erfüllen die Frauenquote. Dazu deutschsprachige Texte, mal politisch intelligent, mal trivial süffisant laut eigener Umschreibung. Oder anders gesagt: drei Männer, drei Frauen, Skapunk mit Aussage. Es kann so einfach sein. „Bier und Pommes“ ist Fun, „Scheiße bleibt Scheiße“ eine Feststellung, „Der Osten bleibt stabil“ ist Hoffnung und „Tanzende Punks“ wieder Fun. Der Ruhrpott zeigt klare Kante.

Das tun auch Rantanplan aus Hamburg, Bereits 1995 gegründet sind die Skapunker eine gestandene Band, auch mit Frauenquote. Neben eigenen Songs wie „Wir sind nicht die Onkelz“ oder „Schattenmensch“ haben sie auch Cover im Programm. „St.Pauli“ von Jan Delay, aber auch „Kids“ von MGMT. Apropos Kids. Jetzt kommt so was wie der Moment des Abends. Sänger Torben Meissner sieht ganz vorne an der Bühne junge Kids stehen und fürsorglich wie er nun mal ist, bietet er Ihnen an, über die Absperrung zu kommen, um sich dahinter hinzusetzen. Sehr cool.
The Kids Are United

Was soll jetzt noch kommen? Na, der Tod besser gesagt die Band „Betontod“. Und die haucht dem Publikum nochmal so richtig Leben ein. Sie sind Experten für eingängigen Deutschpunk mit viel „Oh-ho-ho“-Chorälen. Sie spielen „Keine Popsongs“ , aber „Tanz im Algorithmus“. Sie machen Spaß mit „Hömmasammawommanomma“ und in St.Pauli waren sie auch schon („Nie mehr St. Pauli ohne dich“). Das Ganze wird zelebriert mit Fahnenschwenkern und (kontrollierter) Pyro. Geiler Abend. „Glück Auf!“ „Viva Punk!“
Galerien (by Michael Lange bs! 2026):
Links:
www.themeffs.com
www.alarmsignal-punkrock.de
www.der-butterwegge.de
www.rantanplan-sucks.de
www.betontod.de


