Review: Madsen im Wasserschloss – Ein Sommerabend voller Herz, Haltung und großer Momente (24.07.2026, Klaffenbach)

Der Burghof des Wasserschlosses Klaffenbach gehört zu den Konzertlocations, an denen Musik eine ganz besondere Atmosphäre entwickelt. Zwischen historischen Mauern, sommerlicher Abendstimmung und einem Publikum, das von der ersten Minute an Lust auf Live-Musik hatte, bewiesen Madsen einmal mehr, warum sie seit Jahren zu den besten Livebands Deutschlands zählen.

Baits (Foto: Lydia Weise bs! 2026)

Den Auftakt des Abends übernahm die österreichische Punkband BAITS. Mit jeder Menge Energie, druckvollen Songs und sichtbarer Spielfreude schaffte es die Band, den Burghof früh in Bewegung zu bringen. Schon während ihres Sets wurde vor der Bühne getanzt, geklatscht und lautstark gefeiert – die perfekte Einstimmung auf einen Abend, der noch viele besondere Momente bereithalten sollte.

„Die besten Konzertabende beginnen lange bevor der Headliner die Bühne betritt.“

Madsen (Foto: Lydia Weise bs! 2026)

Mit „Smile“ eröffneten Madsen schließlich ihre Show und machten sofort klar, dass an diesem Abend keine Zeit zum Aufwärmen bleiben würde. Es folgten „Mit dem Moped nach Madrid“ und „Mein Herz bleibt hier“.Schon nach den ersten Songs war klar, dass Band und Publikum an diesem Abend auf einer Wellenlänge lagen. Der Burghof verwandelte sich innerhalb weniger Minuten in einen einzigen großen Chor.

Was Madsen seit jeher auszeichnet, ist die Nähe zu ihren Fans. Sänger Sebastian Madsen suchte immer wieder den Kontakt zum Publikum, erzählte kleine Geschichten zwischen den Songs und sorgte dafür, dass sich der Abend eher wie ein gemeinsames Treffen mit Freunden als wie ein klassisches Rockkonzert anfühlte.

Nach „Achterbahn“ folgte einer der unterhaltsamsten Momente des Abends. Johannes Madsen hatte offenbar eine Wette verloren und musste deshalb kurzerhand „Angels“ von Robbie Williams anstimmen. Lange blieb er dabei allerdings nicht allein. Schon nach wenigen Zeilen übernahm das Publikum lautstark den Refrain und verwandelte den spontanen Einfall in einen gemeinsamen Mitsingmoment. Nahtlos ging die Band anschließend in „Kein Mann für eine Nacht“ über – ein gelungener Übergang, der für viele Lacher und tosenden Applaus sorgte.

„Nicht jede Erinnerung entsteht durch einen Song – manchmal reicht schon ein kleiner, ungeplanter Moment.“

Madsen (Foto: Lydia Weise bs! 2026)

Mit „Auf deinem Balkon“ zeigte die Band anschließend ihre Punk Anfänge. Johannes griff dabei ebenfalls zum Mikrofon und unterstützte seinen Bruder Sebastian gesanglich. Ein schöner Moment, der einmal mehr zeigte, wie familiär und eingespielt die Band auf der Bühne harmoniert.

Doch Madsen wären nicht Madsen, wenn sie sich ausschließlich auf die Musik beschränken würden. Immer wieder richtete die Band persönliche Worte an das Publikum. Besonders bewegend wurde es, als Johannes Madsen über die Borreliose-Erkrankung seines Bruders Sascha sprach. Man merkte ihm an, wie glücklich die Band darüber war, dass Sascha wieder hinter dem Schlagzeug sitzen und die Tour spielen kann – auch wenn sein Weg der Genesung noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Der lang anhaltende Applaus des Publikums sprach Bände und machte deutlich, wie eng die Verbindung zwischen Band und Fans ist.

Unterstützt wurden die vier Stammmusiker erneut von den langjährigen Live-Musikern Martin „Mücke“ Krüssel an der Gitarre sowie Lisa Who an Keyboard und Gesang. Beide ergänzen den Madsen-Sound perfekt und sorgen live für zusätzliche Klangfülle.

Mit „Du schreibst Geschichte“ verabschiedete sich die Band zunächst von der Bühne, doch die lautstarken Zugaberufe ließen nicht lange auf sich warten.

Den Auftakt der Zugaben machte „Leuchttürme“. Live entwickelt der Song noch einmal eine ganz andere Wucht als auf Platte. Druckvolle Gitarren, treibende Drums und ein Publikum, das jede Zeile mitsang, sorgten für einen der emotionalsten Momente des gesamten Abends.

„Manche Songs hört man.
Andere spürt man bis in die letzte Reihe.“

Madsen (Foto: Lydia Weise bs! 2026)

Für eine weitere Überraschung sorgte anschließend der Rollenwechsel innerhalb der Band. Sänger Sebastian Madsen tauschte das Mikrofon gegen das Schlagzeug, während Sascha Madsen bei „Nachtbaden“ selbst den Gesang übernahm. Solche Momente wirken nie aufgesetzt, sondern zeigen vor allem, wie viel Spaß die Band auch nach über zwanzig Jahren noch gemeinsam auf der Bühne hat.

Mit „Faust hoch“ machten Madsen noch einmal unmissverständlich deutlich, wofür sie seit Jahren stehen. In ihren Ansagen bezogen sie klar Stellung gegen Hass, Ausgrenzung und Rechtsextremismus. Die Botschaft wurde vom Publikum mit lautem Applaus und zahlreichen erhobenen Fäusten beantwortet. Haltung gehört bei Madsen genauso selbstverständlich zur Show wie ihre Musik.

Den perfekten Schlusspunkt setzte schließlich „Lass die Musik an“. Band und Publikum schienen noch einmal sämtliche Reserven zu mobilisieren. Es wurde gesungen, getanzt und gefeiert, als sollte dieser Abend niemals enden. Genau diese Energie machte den Song zum idealen Finale eines Konzerts, bei dem vom ersten bis zum letzten Ton spürbar war, wie sehr sich Band und Fans gegenseitig tragen.

Während „Don’t Look Back in Anger“ von Oasis zum Abschied aus den Lautsprechern erklang, verließen viele Besucher den Burghof mit einem Lächeln im Gesicht.

„Es sind nicht die größten Bühnen, die die schönsten Konzertabende schaffen – sondern Bands, die jede Minute mit Leben füllen.“

Madsen lieferten im Wasserschloss Klaffenbach genau das, was man sich von einem Sommerkonzert wünscht: eine abwechslungsreiche Setlist, ehrliche Emotionen, jede Menge Humor, klare Haltung und eine Band, die jede einzelne Minute sichtbar genoss. Zusammen mit der einzigartigen Atmosphäre des historischen Burghofs entstand ein Konzertabend, der eindrucksvoll bewies, warum Madsen seit Jahren zu den besten Livebands Deutschlands gehören.

Madsen (Foto: Lydia Weise bs! 2026)
Setlist:
  1. Smile
  2. Mit dem Moped nach Madrid
  3. Mein Herz bleibt hier
  4. Sirenen
  5. Macht euch laut
  6. Graue Welt
  7. Wir haben immer noch die Sonne
  8. Achterbahn
  9. Angels (Robbie Williams Cover – kurz angestimmt von Johannes Madsen)
  10. Kein Mann für eine Nacht
  11. Wenn es einfach passiert
  12. Auf deinem Balkon
  13. Faust hoch
  14. Du schreibst Geschichte
    Encore:
  15. Leuchttürme
  16. Nachtbaden
  17. Lass die Musik an

Links:

Baits

Madsen

Veranstalter:

InMove

Lydia Weise
Lydia Weisehttps://frlwunderlich.photography/
Lydia – im Fotograben auch als Frl.w.underlich bekannt (ein Name, der nicht zufällig so klingt, als hätte jemand ihre Eigenarten liebevoll zusammengefasst) – kam durch die berüchtigte Fotokatze Kristin zu be subjective!.Man könnte sagen, sie wurde weniger „rekrutiert“ und eher „stilvoll eingesammelt“, bevor sie überhaupt merkte, was passiert. Seitdem hält Lydia für be subjective! Konzertmomente fest: mit schnellem Blick, ruhiger Hand und einer guten Portion Humor, wenn das Licht mal wieder macht, was es will. Sie liebt die Mischung aus Energie und echter Emotion, die nur Live-Konzerte bieten. Abseits des Konzertwahnsinns arbeitet sie im sozialen Bereich – ein Ort, an dem zwar weniger Gitarren fliegen, aber sich dafür Menschen tummeln die genauso viel Charakter haben.

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