Preview: Auf ein Neues – Kummer live (2021)

Eigentlich sollte die „KIOX“-Tour ja im März 2020 starten. Dann wurde sie verschoben auf September 2020. Hat auch nicht geholfen. Schade und viel Kummer für die Fans. Aber jetzt ist es endlich und hoffentlich so weit. Der Kummer kommt, und das ist durchaus positiv zu sehen.

Auf ein Neues

KUMMER heißt das Soloprojekt von Felix Brummer, dem Sänger der Band Kraftklub. Dass der 30-jährige sein Debütalbum „KIOX“ unter Klarnamen veröffentlicht, ist nur konsequent: Kenner der Musik von Kraftklub wissen, dass ihr Frontmann immer schon etwas zu sagen hatte – aber die Texte waren stets mehr Rollenprosa als biografische Reflexion eines einzelnen. Wer „KIOX“ hört, merkt gleich, dass das auf diesem Album anders ist.

Da ist zum Beispiel die erste Single „9010“, benannt nach der alten Postleitzahl von Karl-Marx-Stadt: Der Song erzählt von all den Erfahrungen mit Extremismus und Gewalt in der Jugend, von den alternden Neonazis aus dem Damals im Jetzt, an denen die Zeit nicht spurlos vorüber gegangen ist. Ein wütender und bewegender Song, der nach seiner Veröffentlichung vollkommen zurecht für ein allumfassendes Echo in den Medien sorgte.

Wir liefen über die Straßen
Getragen von Adrenalin
Wir sind schnell wie die Hasen
Doch schneller als Autos waren wir nie

„Schiff“ erzählt, nicht weniger eindringlich, von einem Dampfer weißt draußen im Meer. Von rauer See und schweren Wolken, vom Geruch nach Pisse und Tod, von rostbraunen Flecken unter Deck, die irgendwann einfach nicht mehr weggehen wollen – und davon, dass man irgendwie festsitzt und irgendwie auch bleiben will. Mit dem Boot ist, natürlich, Chemnitz gemeint.

KUMMER ist etwas an seiner Heimatstadt gelegen. Genau deshalb öffnen am 11. Oktober dort auch die Pforten von „KIOX Tonträger, dem namensgebende Plattenladen für das Album. Damit erfüllt KUMMER sich einen Jugendtraum. Denn „KIOX“ war schon einmal der Name eines Plattenladens in Chemnitz. Vor X Jahren, betrieben von einem gewissen Jan Kummer. Hier hat Felix zwischen Plattenkisten große Teile seiner Kindheit verbracht und ist zum ersten Mal bewusst mit Musik in Berührung gekommen.

Pünktlich zum Release von „KIOX“ haben Felix und sein Team die Räumlichkeiten der alten Glocke am Chemnitzer Schillerplatz angemietet, innerhalb von zwei Wochen kernsaniert, umgebaut und anschließend mit Regalen bestückt, in denen einzig und allein eine Veröffentlichung stehen wird: „KIOX“. „Ich habe drei Jahre an diesem Album geschrieben. Irgendwie wollte ich bis zum Ende dabeibleiben und den Vertrieb nicht einfach abgeben“, sagt KUMMER.

Aber KUMMER widmet sich auf „KIOX“ längst nicht nur seiner Heimatstadt, sondern auch der HipHop-Szene. „Nicht die Musik“ parodiert zu zitternden Synthies pointiert die fragwürdige Entwicklung des deutschen Rap zwischen Maskulinismus, Muskelwahn und neoliberalem Mindset. Mit „Wie viel ist dein Outfit wert?“ wird im Anschluss gleich noch der hochpreisige Markenfetisch der Generation YouTube auf links gedreht. KUMMER hat keine Zeit für so einen Quatsch und liefert mit „Aber nein“ inklusive Features von zwei der wichtigsten Deutschrap-Künstler unserer Zeit – KeKe und LGoony – lieber einen trackgewordenen Gegenentwurf.

Als Executive Producer von „KIOX“ fungierte der Produzent BLVTH (Casper, Ahzumjot). Gemeinsam haben die beiden in Zusammenarbeit mit den Drunken Masters, Zorro und Kraftklub-Bandkollege Steffen Israel ein ganz eigenes Soundbild für „KIOX“ geschaffen. Düster und melancholisch, aber an den richtigen Stellen auch voller Hoffnung und Zuversicht.

Wie zum Beispiel das dröhnende Arrangement von „Der Rest meines Lebens“ aufbricht und die Bühne für Max Raabe, diesen Grand Homme der deutschen Musiklandschaft, freigibt, ist ähnlich beeindruckend wie „Bei Dir“, diese drei Minuten und dreiundvierzig Sekunden lange Selbstreflexion und songgewordene Entschuldigung, die vom kompliziert sein, kollidieren und defekt sein erzählt – aber auch davon, wie es ist, wenn da irgendwann jemand ist, der einen repariert.

Die 12 Songs sind inhaltsstark und haben Charakter. „KIOX“ ist eine vielschichtige Aufarbeitung der eigenen Geschichte und damit einhergehend auch eine Auseinandersetzung mit Chemnitz, mit dem Auf- und Heranwachsen in dieser Stadt, dem Leben und Erleben der politischen und persönlichen Problematiken – all das macht „KIOX“ zu diesem wichtigen Album.

So weit, so gut und noch besser. Das Album ging auf Nummer 1 der Albumcharts. .Und jetzt live auf die Bühnen der Republik.

Die Dates:

Kummer (Foto: Hotel Rocco, Pressefreigabe)
  • 17.11.21 Bremen, Pier 2
  • 18.11.21 Würzburg, Posthalle
  • 21.11.21 Wien Gasometer
  • 22.11.21 Dresden, Alter Schlachthof
  • 23.11.21 Dresden, Alter Schlachthof
  • 26.11.21 Hannover, Swiss Life Hall
  • 27.11.21 Wiesbaden , Schlachthof
  • 28.11.21 Oberhausen, Turbinenhalle 1
  • 30.11.21 Stuttgart, Liederhalle (Beethoven Saal)
  • 01.12.21 Köln, Palladium
  • 03.12.21 Berlin, Tempodrom
  • 05.12.21 Münster, Skaters Palace
  • 07.12.21 München, Tonhalle

Links:
www.kiox-tontraeger.de

Veranstalter:
Hannover Concerts

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Michael Langehttps://www.be-subjective.de
Michael Lange. MichaL ist der Methusalix in unserem Team. Ein Original, ein Sympath, ein Genießer von A wie Abba bis Z wie Zabba und im realen Leben ein Stepptänzer. »Jawohl, das mit dem KlackerdiKlack.« MichaL hat schon Rock’n’Roll gehört, da waren die Little Boy Blue and the Blue Boys noch grün hinter den Ohren. Man munkelt er konnte schon einparken, da gab es noch nicht mal Rückspiegel, geschweige denn Einparkhilfen. Dennoch ist die MichaL noch lange kein Oldy oder darauf fokussiert. The big L war plötzlich da. Zeitlos. Unerwartet und doch völlig freiwillig tauchte er in unserem Universum auf und bereichert es. KlackerdiKlack.