Preview: Beatsteaks auf Mini-Miniclub-Tour (2017)

Beatsteaks (Foto: Timmy Hargesheimer)

Ja, die Beatsteaks. Bin ja Fan der Truppe seit immer. Für mich die prägende Band der letzten Jahrzehnte – neben REO Speedwagon natürlich. Ein Blick in meinen gut sortierten
Plattenschrank: „Smack Smash“ und „Boombox“ und „Living Targets“, alles dabei. Ach ja,
und der Klassiker: „48/49“, mein gefühltes Alter, auf der Plattenbörse für einen vierstelligen Betrag geschossen. War also Ehrensache, dass sich die Hetzer-Clique gemeinsam in den Boliden warf, als uns die Berliner zum Probehören der neuen Langrille eingeladen hatten.

Waldi hatte sich allerdings erst bereit erklärt, mit zu kommen, als uns das Management
gekühlte Drinks satt zugesichert hatte. „Ihr wisst, ich kann auch ohne Spaß Alkohol haben“
erklärte das Urviech grinsend. Wir hatten volles Verständnis, hatten schließlich gerade erst
vier Wochen Brasilien mit der Nationalelf hinter uns. 30 Tage nur Bitburger Drive und Jever
Fun, das zwang sogar Routiniers in die Knie.

Nun also „Beatsteaks“, neue Scheibe der, klaro, Beatsteaks. Gefiel mir ja schon mal super.
Einfach alles dabei. Rock! Punkrock! Melodien! Und, hehe, Hardcore! Bei letzterem waren
die Jungs aus der Clique ja quasi auch Experten. Zwinker, zwinker! Gab trotzdem Ärger mit
der Clique, als ich die Platte im Auto zu Gehör brachte. „Ausmachen!“ maulte Waldi.
Kulturlose Gesellen! „Soll ich mal schauen, ob ich das Naabtal Duo dabei habe?“ giftete ich in Richtung Waldi. Der grinste nur. Nun denn, ich trat das Gas jedenfalls mächtig Richtung
Süden. Fünf Minuten später hatte uns auch schon die Trachtengruppe rausgewinkt. Meine
großzügige Spende für die Kaffeekasse der Polizeiwache Helmstedt kam dann weniger gut
an. Erst als ich auch noch zwei Beatsteaks-Alben draufgelegt hatte, wurde gute Weiterfahrt
gewünscht. Kloppten sich die Wachtmeister richtig drum. Warum nicht gleich so? Gerd
schob derweil seine Lesebrille zurecht und las die Songtitel laut vor: „A Real Paradise! Up On The Roof! Pass The Message!“ War Waldi natürlich schon wieder enttäuscht. „Das ist ja alles auf englisch!“ Ein Mann von Welt! Horny Mike gefiel die Musik außerordentlich gut.

„Sind das die Stones?“

fragte unser Junior neugierig. Der Mann holte sich seine Platentipps offenbar immer noch von Peter Illmann.

„So ungefähr!“ knurrte ich und schlitterte mit einer lupenreinen Rockford-Wende auf das
Veranstaltungsgelände. Schau an, da war ja auch noch ein freier Parkplatz. Delle riss im
Vorbeifahren lässig ein Hinweisschild ab. „Reserviert für Arnim Teutoburg-Weiß“
buchstabierte er. Wer immer das auch sein sollte, der kam sicher nicht mehr. Wir parkten
unfallfrei ein und schlugen uns in Richtung Theke durch. Natürlich gleich mal das anwesende Stöckelwild katalogisiert. Puh, da standen die meisten ja schon länger in der Kühlung. Aber auf alten Schiffen lernt man segeln, Freunde! Während sich die Kollegen eine Batterie Schlüpferstürmer einwarfen, wartete ich auf meinen Einsatz. Aus den Boxen dröhnte bereitsdie erste Auskopplung. „Gentlemen of the year!“ Endlich mal ein Lied über mich.

Beatsteaks (Foto: Typx Tatse)

Dazu hatten die Jungs ja einen lässigen Tanz drauf. Aber ganz großes Aber, das konnte Onkel Günter natürlich viel besser. Jetzt würde der Routinier den Burschen mal zeigen, wo der Ziegenbock den Honig holt. Schnell den Konfettianzug aus dem Kofferraum geholt, auf der Doppelnull frisch durchgewischt und ab auf die Tanzfläche. Hatte schließlich 1981 an der Volkshochschule mein Breakdance-Diplom mit Auszeichnung absolviert. Hätte mich
allerdings doch aufwärmen sollen, bei den Ausfallschritten zwickte es doch mächtig im
Lendenbereich.

Eine Stunde später konnte ich meine Beine wieder bewegen. Ein Blick aufs Zeiteisen. Ging
die Präsentation nun mal langsam los? Eine Assistentin mit Klemmbrett erklärte
augenrollend, dass der Sänger Arnim sich wohl verspäte. Irgend so ein Depp habe seinen
Parkplatz belegt. Wir schauten empört. War das denn zu glauben, wer machte denn bitte
sowas?

(Günter Hetzer // 11 Freunde)

Die Dates:

  • 20.08.2017 Kiel, Die Pumpe
  • 22.08.2017 Bremen, Tower
  • 24.08.2017 Düsseldorf, Zakk
  • 28.08.2017 Augsburg, Kantine
  • 29.08.2017 Heidelberg, Halle02
  • 09.09.2017 Berlin, Lollapalooza

Links:
www.beatsteaks.com

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Thea Drexhage
Thea Drexhage hat Salma Hayek einiges voraus! 10 mm. Wie die meisten Frauen der Redaktion, Duffy, Beth Ditto, Joan Rivers oder Angus Young kann sie die MusikerInnen aus dem Bühnengraben also völlig problemlos sehen, wenn jemand ihren Hocker trägt, wird aber - das hat sie mit Salma dann doch wieder gemein - dennoch viel zu oft auf Ihre Körpergröße, ihre Mähne und ihre leicht misanthropischen Anflüge reduziert. Damit sie also nicht im nächstbesten Titty Twister von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang Menschenmengen und Bläser mätzelt, halten wir “Aggro-Thea”, die zuvor ganze Landstriche in Mecklenburg Vorpommern ausgerottet hat, halbtags im spießbürgerlichen Oldenburger Exil an der langen Leine. Seither legt sich die scheißpünktliche existentialistische Besserwisserin analog mit Sartre, Camus & Kodak an und ja, auch wir müssen neidlos zugestehen, dass der Instagram-Account ihrer beiden Katzen “Salma” und “Hayek” mehr Follower pro Tag hat, als unser webzine im ganzen Jahr.