Review: Vizediktator bringen Kreuzberg ins K3 (10.02.2017, Villingen Schwenningen)

An einem kalten Abend in der baden-württembergischen Stadt Villingen Schwenningen. Ziel ist das Jugendzentrum K3, in dem sich so nach und nach ein bunt-punkig-fröhlich-junges Publikum versammelt. Die Laune ist gut, die Stimmung entspannt, die Bier- und Sektvorräte werden fröhlich dezimiert. Und mit traditioneller punkiger Verspätung geht es irgendwann später dann auch los mit Vizediktator.

Vizediktator (Foto: Judith Sander bs!)

Vizediktator, das sind drei tätowierte junge Berliner, aufgewachsen in Kreuzberg, im Gepäck den Geist der Zeit und die Bereitschaft, sich darüber Gedanken zu machen und diese Gedanken zu vermusikalisieren. Es geht Vizediktator um eine Message, es geht darum, mit offenen Augen zu schauen, was derzeit in der Welt los ist, Erfahrungen und Beobachtungen zu verarbeiten. Aber auch ganz klar Position Anti-Rechts zu beziehen. Und dazu darf in guter alter Punk Manier ordentlich gefeiert und getrunken werden.

Sie selbst beschreiben ihre Musik als Straßen-Pop. Eine bedingt passende Beschreibung, denn ihrer Musik fehlt das Leichte, Unbestimmte und Nichtssagende.

mehr als Pop und Anti-Haltung

Vizediktator haben eher ihre eigene musikalische Mischung aus Post-Punk, Indie, ein wenig Rock, powervollen Pop und noch eine Prise New Wave zusammengebraut. Dazu eine kratzige Stimme, die von einer mal mehr melodiösen mal mehr aggressiven Gitarre, eingängigen Bassläufen und einem sanften Schlagzeug umgarnt wird. Die Texte haben eine kritische sozio-politische Aussage, prangern an, klagen an und reißen nieder nur um dann im Refrain wieder Hoffnung zu versprühen.

Vizediktator (Foto: Judith Sander bs!)

Die Band gibt beim Konzert alles, wechselt zwischen eingängigen Songs von ihrer aktuellen CD „Rausch“ zu älteren Stücken hin und her. Das alles sauber vorgetragen, nur gelegentlich mischen sich punkig-dreckige Anleihen mit hinein. Das Publikum ist anfangs verhalten, hält trotz der kleinen Bühne Abstand zur Band, taut aber im Laufe des Konzerts zunehmend auf. Es wird mitgewippt, getrunken, gefeiert.

Vizediktator – hier wächst eine neue Generation heran,

… die sich aus den guten alten Zeiten das Beste herauspickt und es zu etwas Neuem zusammenbraut und ihren ganz eigenen Weg geht. Und sie haben es ja schon mal auf die Stellvertreter Position geschafft. Eine Position, in der es möglich ist, im Schatten der Erfahrenren zu üben, zu machen, umzusetzen, zu lernen, aber eben auch neuen Wind reinzubringen. Und genau das tun Vizediktator. Den Sommer über möchte das Trio an der zweiten CD arbeiten, um dann im Herbst wieder die Clubs unsicher zu machen.

Wir freuen uns schon darauf!

Setlist:

  1. Staub und Drogen
  2. Bülowstraße
  3. Myanmar
  4. 2 Finger auf den Sieg
  5. Donner
  6. Quallenfischen
  7. Fenster zum Hof
  8. Marie
  9. Einzelkampf
  10. Adam und Eva
  11. Stadt aus Gold
  12. Tränen im Gesicht
  13. Dessau
    Encore
  14. Oh Ideale

Links:
www.vizediktator.de
www.facebook.com/vizediktatorpunk

Judith Sander
Judith Sanderhttps://www.be-subjective.de
Es gibt Sucht-Charaktere, die entsagen und es gibt andere, die setzen sich ins Epizentrum ihres Verlangens. Nein, Judith ist keine Schweizer Taschenmesserwerferin, sie ist bekennend schokoladensüchtig und metzelt ohne zu zucken für ‘ne Toblerone oder Eiscreme oder Tobleroneeiscreme oder.. na jedenfalls: Die Frau ist echt Zucker, echt hart drauf, hat ein feines Näschen, legt sich für die richtigen Dinge ins Zeug, in die Kurve und nascht am allerliebsten an kleinen, unbekannten Bands in ruhiger Atmosphäre. Wer die olle Genießerin dennoch ans Messer liefern will, sperrt sie – in einen rosa Rüschen-Alptraum gehüllt – mit stinkenden Dränglern ins Musikantenstadl und nimmt ihr das letzte Milkyway weg.

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