Review: Doc of Rock – Suzi Quatro live (15.05.2019, Hannover)

Suzi Quatro (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Wie heißt es so schön? Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt oder Apotheker. Doch was ist, wenn Frau Doktor keine Doktorin der Medizin ist, sondern nur in Anführungszeichen die Ehrendoktorwürde der Universität Cambridge im Fach Musik hat. Seit 55 Jahren ist sie im Show-Geschäft und hat dabei 55 Millionen Tonträgern verkauft. Nebenbei erhielt sie diverse Auszeichnungen wie den „Woman of Valour Award‘ sowie den „Distinguished Lifetime Achievement Award“. Sie wurde in die ‚Hall of Fame‘ der ‚Michigan Rock and Roll Legends‘ aufgenommen. Außerdem hat sie einen Gedichtband „Through My Eyes“ veröffentlicht und diverse Weihnachtskarten selbst designt.

Auch als Schauspielerin in Film und Fernsehen („Inspector Barnaby“) sowie am Theater („Annie Get Your Gun“) war sie erfolgreich. Ferner führte sie als Moderatorin auf BBC Radio zwei Jahre lang durch die wöchentliche Sendung „Rockin‘ With Suzi Q“. Wenn einem von einer Person so viel Gutes widerfährt, dann ist das auch mal einen Doktortitel wert. So, Frau Doktor Suzi Quatro: Wie lautet ihre Diagnose?“ „Machen Sie sich mal keine Sorgen,

“It’s Only Rock`n`Roll“

Suzi Quatro (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Zur Sprechstunde bei Frau Doktor Quatro haben sich 800 Fans in der Praxis am Aegi eingefunden. Die Show beginnt ganz klassisch, so wie mensch es von früher kennt. Die Band kommt auf die Bühne. Kurzes Intro und dann eine Stimme aus dem Off: „Ladies and Gentlemen, please welcome the Queen of Rock´n´Roll. Suzi Quatro. Zack und dann ist sie da. In voller Grösse. Laut den Angaben aus dem WWW ist sie 1,58 m groß, manche Quellen geben sogar nur 1,52 m an. Egal, irgendwas unter 1,60 m. Körpergröße ist sowieso egal, denn für die Fans im Theater am Aegi ist sie die Größte, der Star aus ihrer Jugend, ein Vorbild für viele andere Künstler.

Über der Bühne hängt ein Banner mit Suzi Q drauf, als sie noch jung war und ganz am Anfang der Karriere stand. Damals, so Anfang/Mitte der 70er-Jahre in der Hoch-Zeit des Glam-Rock schrieben die australischen Mega-Plattenproduzenten und Songwriter Nicki Chinn und Mike Chapman der Frau aus Detroit einen Hit nach dem anderen auf den Leib. Durch das Banner hat mensch den direkten Vergleich: früher und heute. Und wiederzeigt sich: auch das ist völlig egal. Ihre Fans sind schließlich mitgealtert. So dürfte der Altersdurchschnitt so bei 50+ liegen. Lass rocken Suzi Q.

Suzi Quatro (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Well, your mama don’t know where your sister don’t go
She gone down to the drive, she’s the start of the show
And let her move on up, let her come let her go
She can jive down in Devil Gate Drive

Mit Anlauf und Hechtsprung geht´s rein, ganz tief rein die 70er. „The Wild One“ ist ein guter Opener, gefolgt von “I May Be Too Young” und “Tear Me Apart”. Oh Gott, wann hat mensch das zum letzten Mal gehört? Hat man wirklich auf dieser Art von Mucke gestanden? Hört sich ungewohnt an. Aber Frau Doktor passt die Stücke der heutigen Zeit. Mit einer wirklich exzellenten Band aus ihren sechs Jungs (Schlagzeug, Gitarre, Keyboard und der Bläserfraktion mit Saxophon, Trompete und Posaune) gibt sie den ollen Kamellen mächtig Dampf und Drive. „Stumblin In“ (im Original mit Chris Norman gesungen), nimmt den Schwung etwas raus. Zum Glück kommt danach gleich „48 Crash“. Da gehen alle Lampen an. Es brodelt im Publikum und die ersten Fans tanzen. Suzi hat nicht nur Oldies im Repertoire, sondern auch Songs vom aktuellen und brandneuen Album „No Soul/No Control“, dass sie gemeinsam mit ihrem Sohn Richard Tuckey geschrieben hat.

Suzi Q arbeitet viel mit Mimik und die Frau hat mit ihren 68 Jahren immer noch die Dynamik ihrer Jugend. Und Erfahrung ohne Ende. Zum Neil Young Cover “Rockin‘ in the Free World” braucht man gar nicht viel sagen. Allerfeinster Rock wird hier präsentiert. Die Queen ist Chef auf der Bühne und zum Abschluss des ersten Teils schickt sie ihre Band erst mal von der Bühne. Mit „Can I be your Girl“ allein am Piano gedenkt sie ihrer Eltern. An ihre Mutter, die sie geboren hat und an ihren Vater: „Ihm verdanke ich meine musikalische Karriere“. Riesenapplaus und Pause. Während sie den ersten Teil des Abends im Glitzer-Jeans-Anzug verbracht hat, kommt Suzi Q jetzt in ihrem gewohnten Outfit daher. Ganz in Leder. Jetzt macht sie ernst. Jetzt gibt’s Hard Rock mit „Rock Hard“.

Suzi Quatro (Foto: Michael Lange bs! 2019)

„She’s in Love With You“ ist ein so dermaßen einfaches und mit den treibenden Drums doch so geiles Lied, jetzt steht der Saal. Immer wieder gibt es Soli ihrer Mitstreiter. Das gönnt sie ihren Jungs, aber die Kontrolle will doch sie behalten, wie sie augenzwinkernd gesteht. Danach ist nur noch Party. “Can the Can”, “Devil Gate Drive” und “If You Can’t Give Me Love”. Wie gesagt, der Saal steht. Im Zugabenteil setzt sie mit „Keep a Knockin‘“ und „Sweet Little Rock´n´Roller“ noch einen drauf. Zum Runterkommen noch eine ihrer wunderschönen Balladen und die Sprechstunde ist zu Ende. Danke Frau Doktor Quatro. Das war extra prima gut.

Galerien (by Michael Lange bs! 2019):

Suzi Quatro (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Setlist:

  1. The Wild One
  2. I May Be Too Young
  3. Tear Me Apart
  4. Mama’s Boy
  5. Stumblin‘ In
  6. 48 Crash
  7. No Soul
  8. Heavy Duty
  9. Love Isn’t Fair
  10. Rockin‘ in the Free World (Neil Young cover)
  11. Can I Be Your Girl? (Piano Version)
  12. Macho Man
  13. She’s in Love With You
  14. Bass Solo
  15. Your Mama Won’t Like Me
  16. Rock Hard
  17. Glycerine Queen
  18. Bass Solo & Drum Duet
  19. Can the Can
  20. Devil Gate Drive
  21. If You Can’t Give Me Love Encore
  22. Keep a Knockin`
  23. Sweet Little Rock´n´Roller

Links:
www.suziquatro.com