Review: Legenden des Rock mit City, Karat, Maschine und Matthias Reim live (12.01.2018, Hannover)

Wenn man aufgefordert wird, nenn doch mal ein paar Rocklegenden, dann denkt mensch doch mit 1000-prozentiger Sicherheit an Größen wie Elvis, Beatles, Stones, Quo, Purple oder Queen. Von all diesen  Künstlern konnten die Menschen in der DDR nur träumen. Allein die Möglichkeit an Scheiben dieser Künstler zu kommen war praktisch nicht gegeben, von Live-Auftritten ganz zu schweigen. Doch auch die jungen Menschen in der DDR  hatten Sehnsüchte. Selbstredend der Wunsch nach Freiheit, nach Abgrenzung zu den Eltern und der Wunsch nach eigener Musik, eigenen Bands. Und zum Glück gab es die auch. Für die Jugendlichen waren das IHRE Bands. IHRE Rocklegenden. Diese Bands waren (und sind) gut, fanden auch den Weg ins West-Radio. Es war nicht alles schlecht in der DDR. Das alles ist zwischenzeitlich (Rock-)Geschichte, und jeder kann jetzt alles hören und live erleben.

Einmal wissen, dieses bleibt für immer
Ist nicht Rausch, der schon die Nacht verklagt
Ist nicht Farbenschmelz noch Kerzenschimmer
Von dem Grau des Morgens längst verjagt

Zum dritten Mal sind die „Rocklegenden“ auf Tour. Bereits 2014 und 2016 sorgten City, Karat und die Puhdys für ausverkaufte Konzerte. In diesem Jahr haben 2000 Ostalgiker den Weg in die Swiss Life Hall gefunden, um in alten Zeiten zu schwelgen. Historie live.

Rocklegenden (Foto: Torsten Volkmer bs! 2018)
Rocklegenden (Foto: Torsten Volkmer bs! 2018)

Das Projekt „Rock Legenden“ folgt einem festgelegten Ablauf. Vier Rockbands spielen jeder für sich ungefähr 35 Minuten ihre Hits. Nach jeder Band gibt es dann einen Countdown von zwei Minuten für die „Umbaupause“ der vom Publikum die letzten zehn Sekunden runtergezählt wird. Das ist dann wie vier mal Prosit Neujahr. Zack, nächste Band.  Während des Auftritts wird die derzeit spielende Band vom Sänger oder Musiker einer anderen Band unterstützt. Das gibt den Songs noch mal ein ganz anderes Feeling und es ist immer was los auf der Bühne.

Die Rock-Legenden beginnen ihr Konzert zusammen auf der Bühne. Drei Schlagzeuger, vier Sänger und diverse Gitarristen und Keyboarder, das hat schon was. City haben mit „Leuchtspuren“ die Hymne zur Tour geschrieben. Dann der erste Countdown.

Claudius Dreilich @ Rocklegenden (Foto: Torsten Volkmer bs! 2018)

Karat beginnen den Abend. Die Band um Sänger Claudius Dreilich haben ihre Wurzeln eindeutig im Progressive Rock. Markante Synthesizer-Klänge sind Grundlage für den Wiedererkennungswert ihrer Lieder. Diverse Künstler (Peter Maffay, Scooter und auch Helene Fischer) haben Songs von Karat gecovert.

Textlich sind sie oft doppeldeutig, da immer die Gefahr staatlicher Zensur bestand. Letztendlich geht es oft um Sehnsucht nach Weite und Freiheit, wie in „Albatros“. Besonders stolz ist Karat natürlich auf ihren Welthit „Über sieben Brücken“. Dieser Song diente Maffay als Karrieresprung.

Zweiter Act des Abend ist Matthias Reim. Was hat dieser Mann mit den Ostrock-Bands zu tun? Nix. Eigentlich nix. Aber Matse Reim hatte schon beim 40-jährigen Jubiläum von Karat gespielt und deswegen hat der Tour-Veranstalter sich an ihn erinnert und in die Show mit eingebaut. Warum nicht? Matse Reim ist bekennender Ostrock-Fan und kann nicht nur Schlager („Verdammt, ich lieb dich“) sondern auch Rock.

Claudius Dreilich mit Matthias Reim @ Rocklegenden (Foto: Torsten Volkmer bs! 2018)
Dieter „Maschine“ Birr @ Rocklegenden (Foto: Torsten Volkmer bs! 2018)

 

Dann kommt das Urgestein des Ostrock auf die Bühne. Dieter Birr, genannt Maschine, ist Mitbegründer der Puhdys. Bereits seit 1969 ist diese Band aktiv. Nach der Auflösung im Jahr 2016 ist Maschine solo mit Band unterwegs. Neben Songs aus seinen Soloalben präsentiert Birr auch die Klassiker „Geh zu ihr (und lass’ deinen Drachen steigen)“ aus dem Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula“. Drachen? Ja ne is schon klar.

Als Abschluss seines Sets dann solo und (leider nur) akustisch „Alt wie ein Baum“. Möchte das nicht jeder werden? Tosender Applaus und wieder mal der …Countdown.

 

Rocklegenden (Foto: Torsten Volkmer bs! 2018)
Toni Krahl @ Rocklegenden (Foto: Torsten Volkmer bs! 2018)

Toni Krahl von City legt besonderen Wet darauf, dass sie nicht nur die ollen Kamellen spielen, sondern auch Hits des aktuellen Albums „Das Blut so laut“. Doch 2000 Fans warten eigentlich nur auf ein Lied der Kuultband vom Prenzlauer Berg: „Am Fenster“. Das Stück ist in jeder Hinsicht der Höhepunkt, des Abends. Sowohl der Text der Lyrikerin Hildegard Maria Rauchfuß als auch das markante Geigenspiel von Georgi Gogows ist das Eintrittsgeld wert.

Am Ende der fast dreistündigen Show stehen nochmal alle 16 Mann auf der Bühne und rocken Citys „Wir sind wir“.

 

Rocklegenden (Foto: Torsten Volkmer bs! 2018)

 Wir haben was erlebt und meistens dasselbe,
im Feinstaubrevier zwischen Oder und Elbe.
Wir kennen uns aus, denn wir kennen’s von innen.
Seit ’nem halben Jahrhundert – und können ein Lied davon singen.

Ganz zum Schluss kommt dann noch Nena´s „Wunder geschehn“. Ja, vielleicht sind keine Wunder geschehen, aber große geschichliche Dinge. Jedem Deutschen, ob in Ost oder West, ist es jetzt vergönnt seine persönliche Rocklegende hören und sehen zu können. Und das immer und überall. Gut so.

Rocklegenden (Foto: Torsten Volkmer bs! 2018)

Galerien (by Torsten Volkmer bs! 2018):

Rocklegenden (Foto: Torsten Volkmer bs! 2018)

Setlist:

  1. Leuchtspuren (Alle)
  2. Der blaue Planet (Karat)
  3. Ich liebe jede Stunde (Karat)
  4. Albatros (Karat)
  5. Über sieben Brücken (Karat)
  6. Blumen aus Eis (Karat)
  7. An Tagen wie diesen (Tote Hosen Cover) (Karat)
  8. Doch da war mehr (Matthias Reim)
  9. Ich hab mich so auf dich gefreut (Matthias Reim)
  10. Sowieso für dich das Letzte (Matthias Reim)
  11. Ganz egal (Matthias Reim)
  12. Ich hab geträumt von Dir (Matthias Reim)
  13. Verdammt, ich lieb dich (Matthias Reim)
  14. Das Warten ist vorbei (Maschine)
  15. Geh zu ihr (Maschine)
  16. Lebenszeit (Maschine)
  17. Alt wie ein Baum (Maschine)
  18. Hey, wir wollen die Eisbärn sehn (Maschine)
  19. Was bleibt (Maschine)
  20. Auf das Leben (Maschine)
  21. Das Blut so laut (City)
  22. Flieg ich durch die Welt (City)
  23. Kleine Hände (City)
  24. Glastraum (City)
  25. B. Susann (Berlin) (City)
  26. Casablanca (City)
  27. Am Fenster (City)
  28. Wir sind wir (Alle)
  29. Sternenstunden (Alle)
  30. Wunder geschehn (Nena Cover) (Alle)

Links:
rocklegenden.info

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Michael Langehttps://www.be-subjective.de
Michael Lange. MichaL ist der Methusalix in unserem Team. Ein Original, ein Sympath, ein Genießer von A wie Abba bis Z wie Zabba und im realen Leben ein Stepptänzer. »Jawohl, das mit dem KlackerdiKlack.« MichaL hat schon Rock’n’Roll gehört, da waren die Little Boy Blue and the Blue Boys noch grün hinter den Ohren. Man munkelt er konnte schon einparken, da gab es noch nicht mal Rückspiegel, geschweige denn Einparkhilfen. Dennoch ist die MichaL noch lange kein Oldy oder darauf fokussiert. The big L war plötzlich da. Zeitlos. Unerwartet und doch völlig freiwillig tauchte er in unserem Universum auf und bereichert es. KlackerdiKlack.