Review: VNV Nation live im Musikzentrum (10.01.2014, Hannover)

Foto: Torsten Volkmer

Eine transnationale Offenbarung

Foto: Torsten Volkmer
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Es gibt Konzerte, die sind gut und machen Spaß. Und es gibt Konzerte, die sind eine Offenbarung. Ein Bekenntnis zur Musik in seiner reinsten Form. Die Fans nehmen das voller Respekt zur Kenntnis. Ohne das Feiern dabei zu vergessen. Die Rede ist von VNV Nation, bei ihrem Hannover-Konzert im zweiten Teil ihrer Transnational-Tour am Freitag im Capitol.

Zwar hatten die Herren Ronan Harris und Mark Jackson die Bühne noch gar nicht betreten, da skandierte die Fanschar vor der Bühne schon „VNV! VNV!“-Sprechchöre. Gut, die Herren ließen auch auf sich warten. Und legten eine halbe Stunde später als angekündigt, aber umso fulminanter mit dem Song „Sentinel“ vom Album „Of Faith, Power and Glory“ einen grandiosen Opener vor. Energiereiche Klangteppiche, stampfende Rhythmen. Die Bassboxen scheppern. Die Bühne vibriert. Das Publikum bebt.

Foto: Torsten Volkmer
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Licht? Show? Ach, eigentlich alles egal! Die Aura, die Harris warmherzig auf der Bühne versprüht, genügt, um die Fans zu verzücken und die Tanzbeine während eines eineinhalbstündigen Konzerts nicht mehr still stehen zu lassen. Es scheint, als nimmt er jede Gefühlsregung jedes einzelnen Gastes im Publikum zur Kenntnis. Flirtet. Kommentiert. Augenzwinkernd. Gestenreich. Von der ersten Reihe bis in den oberen Rang. So viel Aufmerksamkeit wird dem geneigten Zuhörer ausgesprochen selten zu teil.

Zwischendurch labt sich Harris immer wieder an seinem Fanchor: „I wanna hear you!“, fordert er seine Jünger auf. „Louder!“ Erst die Jungs, dann die Mädels. Erst die Reihen vor der Bühne, dann der Rang. Hannover hat längst verstanden. Wie selbstverständlich begibt sich Harris mit seinem Repertoire auf eine Zeitreise, die vom Album „Empires“ mit „Standing“, mit dem die Band Ende der 1990er Jahr sich endgültig einen Platz in der Elektro-Szene erarbeitet hatte, bis zum im Oktober erschienen Album „Transnational“ mit „Primary“ reichen. Ein rührendes „Nova“ („ohne Euch klingt der Song nicht“) durfte ebenso wenig fehlen wie ein sphärisches „Tomorrow never comes“.

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Wieder und wieder steht Harris für Augenblicke still am Bühnenrand, schüttelt ergriffen den Kopf über die Anteilnahme im Publikum und ob der ausgelassen, tanzenden Menge, formt mit den Lippen ein unhörbares „Wow!“. Seine Augen glänzen dabei selig wie die eines Kindes unterm Weihnachtsbaum. Und sagt zum Abschied: „Wir machen seit 1996 Konzerte. Aber das hier ist ein Ausdruck von Leidenschaft. Mir fehlen die Worte. Ihr seid spitze!“

Wenn 2014 musikalisch so weitergeht, wie es an diesem 10. Januar begonnen hat, wird es ein gutes Jahr.