Review: Letzte Instanz, Van Canto (09.04.2009, Hannover)

Foto: Torsten Volkmer

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Nach den eher genre-untypischen Alben des letzten Jahres kam mit "Schuldig" Ende Februar wieder ein "normales" Instanz-Album heraus. Zu einem neuen Album gehört selbstredend auch eine zünftige Tour und so zogen die Jungs wieder durch die Lande. Als Support nahmen sie sich einen der heißesten Tipps derzeit mit: Die A-Capella-Metaller von "Van Canto".

Eine explosive Mischung schon in sich, und in Hannover gab das Duo sein Tour-Abschieds-Konzert. Das Konzert war zudem das Einzige auf der Tour, das auch komplett ausverkauft war, das Musikzentrum war also wortwörtlich brechend voll. Wir waren für euch da und wollen euch mit den Details nicht im Dunkeln lassen.

Auf ihren Durchbruch warten die Jungs und Mädels von "Van Canto" vielleicht noch, Lorbeeren haben sie aber schon fleißig gesammelt: Letztes Jahr beim Wacken Open Air haben sie trotz kleiner Rolle mächtig Lärm gemacht und das wird einem in Valhalla gutgeschrieben, bestimmt. Van Canto machen A-Capella-Musik, was an sich vielleicht nicht das Neueste ist. Neu hingegen, bzw. verdammt gut umgesetzt ist jedoch die Auswahl der Lieder und die schiere Kraft, die das Publikum vor der Bühne mitreißt, ob es nun will oder nicht. Als einziges echtes Instrument steht ein Schlagzeug auf der Bühne, alles andere wird gesungen. Ja, auch die E-Gitarren!

Foto: Ronald Becher

Foto: Ronald Becher

Viel Platz zum Aufbauen brauchten Van Canto also nicht und so ging es auch pünktlich um 20 Uhr los, und zwar mit … Ronja Räubertochter. Das Stück von Stora Rövardansen ist auch auf dem Debütalbum der Opener und leitet perfekt zu "XXX" ein. Schon vor dem Konzert hatte ich mich auf die Vorband gefreut, nach den ersten beiden Stücken wusste ich, dass sich die Vorfreude gelohnt hatte. Dementsprechend begeistert fiel dann auch der Jubel aus dem Publikum aus. Nach einer kurzen Vorstellung ging es direkt mit "Pathfinder" und "The Mission" weiter. Alles Stücke, die auch von einem der Bandmitglieder geschrieben und gesetzt wurden.

Daran schlossen sich mit "Wishmaster" und "The Bard's Song" zwei Cover an. Zwei Songs, die übrigens schon auf CD überzeugen. "Quest for Roar" war wieder ein Lied aus eigener Kreation und das darauf folgende "Fear of the Dark" ein Klassiker von Iron Maiden. "Battery" und als Zugabe "Rain" beendeten das Vorkonzert und garantierten, dass schon vor dem hauptgig ein Gutteil der Besucher heiser waren. Definitiv ein Erlebnis.

Gar nicht lange dauerte es, bis dann auch der Hauptgig des Abends auf der Bühne erschien. Zehn Lieder vom aktuellen Album hatte die Instanz im Gepäck dabei, und mit den ersten Beiden ging es gleich los: Mea Culpa & Schuldig. Schuldig bekannten sich die Dresdner daraufhin noch einmal ohne Instrumente und riefen prompt zur "Flucht ins Glück" auf, ebenfalls einer der Neuen.

Foto: Torsten Volkmer

Foto: Torsten Volkmer

Das Publikum schien gut drauf zu sein, und ließ sich direkt zum Tanz und zu "Maskenball" verführen. Holly zeigte sich sichtlich erfreut, dass das Konzert ausverkauft sei, was aber bei genauerer Betrachtung auch daran liegen konnte, dass die Location einfach zu klein war. Das letzte Mal hatte die Instanz im wesentlich größeren "Capitol" gespielt und leer war es damals auch nicht gerade gewesen. Aber sei's drum, mit "Ohne Dich" stimmte die Band einen ihrer Klassiker an und ließ ihm "Eisherz" und "Dein Licht" folgen, auch zwei der neuen Lieder. Hierbei hat sich "Dein Licht" deutlich bühnenfähiger präsentiert.

Nach "Vollmond" gab es mit "Kopfkino", "Unerreicht" und "Sonne" wieder zwei Klassiker, Augen zu und genießen hieß die Devise. Kopfkino war ja noch aus der Pre-Holly-Periode; auch, wenn die Tour zum Album "Kalter Glanz" seine Erste war, ist die Stimme auf dem Album noch die des alten Sängers. Die beiden anderen Songs waren vom 2006-er Album "Ins Licht" und es wurde deutlich, dass dem Publikum die alten Songs besser gefielen als die Neuen, es war wieder Dynamik vor der Bühne zu spüren. "Traumlos" hat mir von den neuen Liedern, auch live, noch am besten gefallen. Das Stück hat auch sehr gut zu den darauf folgenden Songs "Monument der Stille" und "Jeden Morgen" gepasst.

Foto: Torsten Volkmer

Foto: Torsten Volkmer

In einer kurzen Spiel-Pause präsentierte Holly ein Paket, das offensichtlich anlässlich der Tour an die Band geschickt wurde. Darinnen waren Teddys, süße Teddys, und jeder war einem der Musiker nachempfunden. Das Publikum durfte raten, welches Bärchen zu welchem Letzte Instanzler gehörte. Und passend zu den "besten Fans der Welt" der "schönsten Band der Welt" spielte die, wer hätte es gedacht, "Das schönste Lied der Welt". Mit "Finsternis", "Komm" und "Die Eine" gab es direkt im Anschluss wieder drei neue Songs. Bei "Finsternis" ließ Holly das Publikum eine Melodie ansummen und beim Song immer wieder anstimmen. An sich ja völlig legitim; ziemlich daneben fand ich allerdings, dass diese Melodie eins zu eins vom "Spielmannsschwur" der Mittelalter-Rocker "Saltatio Mortis" geklaut war.

Zum traditionellen "Stimmlein" kam dann auch Van Canto wieder auf die Bühne und sang kräftig mit. Als vorerst letztes Lied angekündigt, spielten die Instanzler im Anschluss "Feuer", was dummerweise nicht so richtig zu einer Zugabe inspirierte. Mit Sicherheit wäre das Stimmlein die bessere Wahl gewesen. Zugabe gab es natürlich aber trotzdem, und ab hier auch nur noch "alte Lieder". Mit "Ganz oder Gar nicht", "Kalter Glanz" und "Mein Todestag" auch gleich drei davon vom dritten Studioalbum. Und endlich auch, kurz vor der zweiten Zugabe,  "Rapunzel". Zu der stellte Holly Mann für Mann auch (fast) die komplette Tour-Crew vor und verteilte an diese Geschenke. Dann stimmte die "ganze Band" noch "Wir sind allein" an und Holly verabschiedete die Crew wieder zum letzten Song:

Kurz vor Mitternacht ging mit dem "Sandmann" das Licht auch aus, bzw. wieder an und man konnte sich noch nett mit den Leuten von Van Canto und später auch der Instanz bei einem Bierchen unterhalten. Später sollte es für die noch weitergehen mit der Partie im örtlichen "Dark Star". Das Tournee-Ende muss auch gefeiert werden …

Für meinen Geschmack war das Konzert durchaus nicht schlecht, aber mit insgesamt 27 Liedern nicht nur lang, sondern deutlich zu lang und auch zu langsam. So richtig allein kann ich mit dieser Meinung auch nicht gewesen sein, denn schon lange vor Ende der drei Stunden Spielzeit war das Publikum sichtlich ruhiger geworden und ließ sich nur noch von Songs wie "Rapunzel" noch einmal vom metaphorischen Stuhl holen. Zumal noch ein zwar kurzer, jedoch sehr kraftvoller Auftritt von Van Canto noch in den Knochen saß. Vielleicht wirkte neben energiegeladenen Metall-Baladen auch nur die Musik selbst zu weich; mag auch sein, dass schlicht die anstrengende Tour an der Band genagt hat, jedenfalls war das eines der schwächeren Konzerte der Letzten Instanz überhaupt. Schade eigentlich.

Auf CD klingt das Album übrigens beileibe nicht so lasch, sondern frischer und frecher und kommt der Instanz, wie man sie kennt und liebt, auch näher.

Konzertfotos: