Review: In Extremo, Korpiklaani (27.12.2008, Hannover)

Foto: Ronald Becher
Foto: Ronald Becher

Foto: Ronald Becher

Weihnachten, das ist für manche eine Zeit zum Ausspannen, zum Zuhause-feiern und auch im Kreise der Familie bleiben. Andere touren auch zwischen den Jahren durch Deutschland und locken Konzertgänger hinter dem Weihnachtsbaum hervor.

Dazu gehörten am 27.12.2008 in Hannover auch die Mittelalter-Rocker von In Extremo. Eine der größten Veranstaltungen der -latent- alternativen Szene 2008 war das, denn nicht wenige der begeisterten Fans hatten auch ihre Familie mitgenommen in die AWD Hall. Sage und schreibe 3.500 Besucher sind es geworden und die Luft wurde angemessen knapp. Als Gast-Band hatten In Extremo die Finnen von Korpiklaani wieder eingeladen, mit denen sie schon auf der "Ius Primae Noctis"-Tour geglänzt hatten. Die Stageheads waren so schnell beim Werk, dass das Konzert tatsächlich 20 Minuten früher als geplant anfangen konnte.

Foto: Norbert Pfeifer

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"Korpiklaani" bedeutet angeblich "Klan des Waldes", aber ich vertrete die These, dass es eigentlich ein finnisches Sammelwort für Bier, Frauen und die Jagd nach Selbigen ist. Zumindest ließen sie daran wenig zweifeln. Größere Bühnen sind die Skandinavier ja schon gewohnt, und auch in der AWD Hall wurden sie kein Stück nervös, sondern lieferten ihre Show mit Bravour ab.

In ihrer Heimat sind sie eher als Volksmusikanten verschrien, in Mitteleuropa dagegen symbolisieren sie einen fröhlichen Mix aus nordischen Mythen mit Folk-Metall-Einschlag. Als Beispiele aus dem finnischen Potpourri seien die Songs "Korven Kuningas", "Happy little Boozer" und "Cottages und Saunas" genannt. Erwartungsgemäß konnte Korpiklaani nur einen überschaubaren Teil der Zuschauer mobilisieren, denn anders als ein halbes Jahr vorher war hier ein gänzlich anderes Zielpublikum anwesend. Nach einer knappen Stunde war die Show dann auch vorbei und der Umbau für die Band des Abends konnte vonstatten gehen.     

2008 konnte man getrost als ein besonders erfolgreiches Jahr für die nationale Mittelalter-Szene verbuchen. Anfang des Jahres konnten "Subway to Sally" als Sieger beim Bundesvision Song Contest ebenfalls in Hannover einen grandiosen Erfolg verbuchen und ihre Kollegen von In Extremo waren auch nicht untätig. Alleine die Besucherzahlen mögen dies schon verdeutlichen: Es waren mehr als doppelt so viele Zuschauer da, als in die sonst für solche Konzerte üblichen Clubs in Hannover passen. Und auch die Statistiken sprachen 2008 eine deutliche Sprache, im Mai konnte das aktuelle Album "Saengerkrieg" Madonna von Platz 1 der deutschen Album-Charts verdrängen. Großartige Vorraussetzungen also und so konnte man sich schon im Voraus auf das Konzert freuen.               

Foto: Ronald Becher

Foto: Ronald Becher

Ganz im Zeichen des "Saengerkrieg" stand die Show: Mit "Sieben Köche" läutete die Band die kommenden zwei Stunden ein und hielten dieses auch durch. Sänger Michael Rhein, auch bekannt als "Das letzte Einhorn", begrüßt zum zweiten Song die versammelte Menge, gibt sich erstaunt und gerührt und fordert prompt die leicht ergraute Tribüne weiter hinten im Saal zum Aufstehen auf. Die folgten ebenso prompt und klatschten und sangen mit bei einem der eingängigsten Stücke des Albums, "Frei zu sein".

Im Anschluss folgte das unter Fans sehr beliebte "Liam", das seit 2005 auf keinem Konzert fehlen darf. Mit "Hiemali Tempore" gaben In Extremo eins der frühen Lieder zum besten, und auch im Folgenden gab es einen interessanten Mix aus alten und aktuellen Songs. Auch rein vom musikalischen her machte diese Setlist (siehe unten) deutlich, dass die Mittelalter-Rocker sich entwickelt und weiter-entwickelt haben seit ihrer Gründung wie wenig andere Bands, ihren Wurzeln dabei aber immer noch treu sind. Die mehr schrägen als klassischem Mittelalter-Stücke, aber auch rcockigere Parts und (soft)-metallische Anleihen fanden sich im Repertoire. Und die Fans dankten es ihnen. Und In Extremo dankte es den Fans mit (damals) Hits wie dem "Spielmannsfluch", "Vollmond", "Küss mich" (lief 2003 sogar regelmäßig im Radio) in der Zugabe und -ganz zum Schluss- dem Klassiker "Villeman ogn Magnhild". Während der Zugabe stand dann auch die Tribüne wieder und klatschte und sang mit.

In Extremo verstehen es wie nur wenige andere Bands aus der alternativen Szene, ein unheimlich breites und auch buntes Publikum anzulocken und zufrieden zu stellen. Vom Gothic-Girly mit dem ersten eigenen Nietengürtel über die gestandenen Rocker im eher mittleren Alter bis zum Seniorenpaar war fast jede denkbare Musik liebende Schicht vertreten. Für einen einfach schönen Abend.

Foto: Ronald Becher

Foto: Ronald Becher

Setlist In Extremo:

  1. Sieben Köche
  2. Frei zu sein
  3. Liam
  4. Hiamali Tempore
  5. Sängerkrieg
  6. Nymphenzeit
  7. Ave Maria
  8. Spielmannsfluch
  9. Poc Vecem
  10. Vollmond
  11. En Esta Noche
  12. Ai Vis Lo Lop
  13. Zauberspruch
  14. In diesem Licht
  15. Flaschenpost
  16. Rasend Herz
  17. Mein Sehnen
  18. Omnia Sol Temperat
  19. Auf's Leben
    —————
  20. Küss mich
  21. Krummavisur
  22. Wind
  23. Villeman

Konzertfotos:

Links:
www.inextremo.de
www.korpiklaani.com