Review: Mächtig gigantisch – Mighty Oaks und Giant Rooks live (13.11.2017, Hannover)

Mighty Oaks (Foto: Michael Lange bs! 2017)

Mächtig gewaltig würden die Typen von der Olsenbande das nennen was sich an diesem Montagabend im Capitol abspielt. Passender wäre allerdings Mächtig gigantisch. Und wieso eigentlich Montagabend? Das ist doch der Tag, an dem mensch sich noch vom Wochenende erholen muss. Der Tag, wo die Life-Work-Balance sich noch im Life-Modus befindet und Work noch eher Würg ist. Geht da schon Live-Mucke, Konzert-Atmosphäre, Tralala? Definitiv ja. An diesem Abend sind Pop und Folk angesagt. Nicht das Schlechteste um in der Woche anzukommen.

Wenn Menschen aus Hamm kommen, sind das dann Hammer? Mal kurz überlegen: Ähh, eher nicht aber diese Band ist es. Der Hammer. Und das ist erst der Support.

Die Giant Rooks sind keine „riesigen Türme“, wie der Name vielleicht vermuten lässt, sondern fünf schmalere Jungs aus Hamm, die 2014 eine Band gründen. Als die Truppe auf die Bühne kommt, denkt man unwillkürlich: „Ist das hier Jugend forscht? Kriegt hier eine Schülerband die Chance ihres Lebens vor 900 Fans im Capitol?

Instrumente einstöpseln, Mikrocheck.
wuuuusch

Frederik Rabe (Gesang, Gitarre, Percussions, Synthesizer), Finn Schwieters (Gitarre), Luca Göttner (Bass), Finn Thomas (Schlagzeug) und Jonathan Wischniowski (Piano, Synthesizer) machen nach eigenen Aussagen Art-Pop: Experimentelle Sounds treffen auf poppige  Elemente. Eingängig, kompakt, tanzbar. Einfach geil.

Giant Rooks (Foto: Michael Lange bs! 2017)

Die Musik klingt viel erwachsener, als die Band eigentlich ist. Unbeschriebene Blätter sind die Türme nicht mehr. Sie waren schon Vorband bei Kraftklub und Von Wegen Lisbeth. Auch mit ihrer zweiten EP „New Estate“ sind sie auf dem richtigen Weg. Weiter so. Aber seid nicht so brav. Oder hat Muddi gesagt: „zieht euch was Ordentliches an, im Capitol sind nette Mädels“? Das ist Rock´n´Roll! Lasst es krachen. Im Januar 2018 gehen die Rooks auf eigene Tour. Das wird Giant. Definitiv.

Haupt-Act an diesem Abend sind die Folk-Rocker Mighty Oaks. Auch ihre Geschichte ist ungewöhnlich. Da tun sich ein US-Amerikaner (Ian Hooper), ein Engländer (Craig Saunders) und ein Italiener (Claudio Donzelli) zusammen um in Berlin eine Band zu gründen. Verstärkt werden sie auf der „Higher Place“-Tour von Drummer Joachim Förster und dem Mann an Geige, E-Bratsche, Synthies und Keyboards, Sebastian Schlecht. Beide kommen aus Bayern. Internationaler geht’s nicht.

Mighty Oaks (Foto: Michael Lange bs! 2017)

Frontmann der Eichen ist der Sohn von Rea Garvey. Also fast. Sänger und Songschreiber Ian Hooper sieht dem Iren sehr ähnlich. Vollbart, lange Matte, sehr sympathisch. Nicht nur Gerüchten zufolge dürfte der Großteil der überwiegend weiblichen Fans wegen ihm gekommen sein. Und sehr gut Deutsch spricht der Mann auch. Was will Frau mehr? Musik natürlich. Die Songs sind durch dreistimmigen Satzgesang und akustische Gitarren geprägt. Hier und da wird mal eine Mandoline eingestreut oder fiedelt eine Geige. Folk für´s Volk.

I’d follow you
To the end of the world if only you would ask me to
On and on we go, my brother
I’ve got you
Nothing to stop us now
Because we found in life what’s true
Oh my brother I’d follow you

2010 veröffentlichte die Band ihre erste EP „Driftwood Seat“, die noch in Donzellis aufgenommen wurde. Mit ihrem Top-10 Album Howl feierte die Band Ihren Durchbruch. Die Single „Brother“ lief in den Radios rauf und runter und ist an diesem Abend der Bremsenlöser. Es wird getanzt. Textlich drehen sich die Songs um Freiheit, Abenteuer und natürlich die Liebe. Hooper erzählt von seinem an Demenz erkrankten Großvater. Für seine Großmutter hat er hierzu ein Lied geschrieben. Ein Liebeslied. Grandios.

Mighty Oaks (Foto: Michael Lange bs! 2017)

Nach dem ersten Set gibt’s tosenden Applaus, Sprechchöre, das volle Programm. Die Jungs auf der Bühne sind ergriffen, sprachlos. Einfach nur baff. Das haben sie an einem Montag nicht erwartet – Sänger Hooper hat gleich erkannt: die Stimmung ist eines Freitags würdig. Nach 2 Zugabenblöcken geht’s raus in die Nacht. Was für ein triumphaler Tourauftakt in Deutschland. Mächtig. Gigantisch.

Setlist Giant Rooks (Reihenfolge unter Vorbehalt):

  1. Slow
  2. Chapels
  3. New Estate
  4. Bright Lies
  5. Mia & Keira (Days to Come)
Mighty Oaks (Foto: Michael Lange bs! 2017)

Setlist Mighty Oaks:

  1. Storm
  2. Raise Your Glass
  3. Seven Days
  4. Just One Day
  5. Burn
  6. Brother
  7. You Saved My Soul
  8. The Great Unknown
  9. The Dark
  10. Be With You Always
  11. Never Look Back
  12. Horse
  13. When I Dream, I See
    Encore
  14. One Shot
  15. The Great Northwest
  16. Driftwood Seat
    Encore
  17. Horsehead Bay

Links:
www.giant-rooks.com
www.mightyoaksmusic.com