Review: Knorkator – Der Boss kommt persönlich in den Hirsch (29.10.2016, Nürnberg)

Knorkator (Foto: Michael Gerlinger bs!)

Knorkator – Man braucht nur den Namen erwähnen und die Ohren sind gespitzt, denn das Berliner Spaßkommando ist samt neuem Studioalbum „Ich bin der Boss“ auf seiner „Wir Freuen Euch Uns Zu Sehen“-Tour in deutschen Landen unterwegs. Siehe da, wenn der Boss (Bruce Springsteen? Nein, wer soll das sein…?) persönlich in die Stadt kommt, dann wird strammgestanden und geht der Vorladung nach. Kein Wunder, dass ein paar Tage zuvor „ausverkauft“ vermeldet wurde.

Man möchte ja keinen schlechten Stand beim Boss haben…

Knorkator (Foto: Michael Gerlinger bs!)
Knorkator (Foto: Michael Gerlinger bs!)

Kommt mensch auch pünktlich zum Einlass um 19:00 Uhr, darf mensch sich im Hirsch auf einer Landwand, die auf der Bühne aufgebaut ist, ein Video ansehen, das „Boss“ Stumpen beim Autofahren zeigt. Einige ZuschauerInnen haben Fragezeichen im Gesicht, da der Humor dieser Bilder zuerst nicht verstanden wird, doch hinter diesem Video steckt weitaus mehr, als mensch zuerst denken mag. Man sieht zwar wie „Boss“ Stumpen mit über 190 Km/h über die Autobahn brettert, dabei die verschiedensten Lieder mitsingt, Grimassen zieht, telefoniert (nachdem er aufgelegt hat, uns aber deutlich macht, dass man das nicht tun sollte, indem er mit dem gestreckten Zeigefinger warnend gestikuliert), dann nach langer Fahrt das Auto parkt, samt Stock und Beinschiene aussteigt, hinter ein Gebäude läuft und dort auf die anderen „Bosse“ trifft, sie begrüßt, umarmt und man nur noch auch „Boss“ Buzz Dee wartet. Der kommt dann ins Bild, scheint von der überschwänglichen Begrüßung nicht angetan zu sein und verschwindet lieber durch eine Tür, durch die man eine Bühne (von der Seite) sieht.

Das Video endet, die Leinwand wird hochgerollt und „Boss“ Buzz Dee kommt mit seiner Gitarre auf die Bühne. Ein langes Video als Zeitüberbrückung, als Intro und als Gag zu verwenden; das ist klasse und zeigt diese humorvolle Kreativität der Band.

Das ist Knorkator!

Knorkator (Foto: Michael Gerlinger bs!)
Knorkator (Foto: Michael Gerlinger bs!)

Es ist 20:00 Uhr. Die anderen „Bosse“ kommen auch auf die Bühne. „Boss“ Alf Ator in seinem weißen Gewand und „Boss“ Stumpen mit Gehstock und einem Fellanzug, der seinen kompletten Körper bedeckt, erinnert an einen Neandertaler im Winter. Passend dazu legen sie mit dem Hit `Alter Mann´ los. Der Hirsch geht von 0 auf 180 steil und es wird lautstark mitgesungen.

Ein Einstand nach Maß!

Knorkator (Foto: Michael Gerlinger bs!)
Knorkator (Foto: Michael Gerlinger bs!)

Der Boss lässt sich danach auch nicht mehr die Butter vom Brot nehmen: `Ich Lass Mich Klonen` und `Der Ultimative Mann` komplettieren das Einstiegstripel. „Oben Ohne“ steht Stumpen inzwischen dar. So zeigt sich der „ultimative Mann“, holt sich die FotografInnen aus dem Fotograben auf die Bühne und lässt sich ablichten. Man möchte dem Boss seine Show natürlich nicht stehlen, daher wird man, bevor er sein Lied anstimmt (`Ich Bin Der Boss`), noch mit den Worten „Danke, aber jetzt verpisst euch wieder von der Bühne“ vorbildlich verabschiedet. Jeder lacht, denn man mag genau diesen Humor am Boss.

Apropos Amboss..,

Wie aus einem Guss geschmiedet, klingt das Zusammenspiel zwischen „Boss“ Raiko Gohlke an seinem Bass und Drum-„Boss“ Nicolaj Gogow (alias „Nick Aragua“). Präzise, kraftvoll, aber dennoch locker von der Hand gehend, zocken sie als Rhythmusfraktion durch das Set. Nicht nur die beiden bringen „Boss“ Stumpen ins Schwitzen, sondern das angeheizte Publikum und den restlichen Fellfetzen, den er noch an den Beinen trägt. Er legt ihn dann ab und im Schweinwerferlicht sieht man, dass sein Körper regelrecht dampft und der Schweiß (gefühlt) literweise von ihm tropft. Solch ein Engagement für seine MitarbeiterInnen, pardon, `Für Meine Fans` ist äußerst lobenswert und wird mit entsprechendem Applaus gewürdigt.

Knorkator (Foto: Michael Gerlinger bs!)
Knorkator (Foto: Michael Gerlinger bs!)

Der Boss weiß wie man motiviert: Nein, nicht mit einer `Narrenkappe`, sondern man wandelt den AC/DC-Gassenhauer `Highway To Hell` in eine apokalyptische, tiefgehende und mitreißende Version um. Ich hab schon viele verschiedene Version von diesem Song gehört, aber diese stellt alles je zuvor Gehörte in den Schatten. Das ist sehr innovativ! Die Coverversionen von `Geh Zu Ihr´ (Puhdys) und ´Eldorado` (Goombay Dance Band) sind an diesem Abend aber auch nicht zu verachten!

Faszinierend zu sehen: Wenn der Boss bei `Setz Dich Hin` befiehlt, sich auf den Boden hinzusetzen, dass ihm (fast) jeder auch Folge leistet. Oder das der circa zehnjährige Lenard aus dem Publikum auf die Bühne geholt wird, um den Sinn zu verdeutlichen, warum Eltern möchten, dass `Zähneputzen, Pullern Und Ab Ins Bett` stets befolgt werden soll, dies auch brav tut. Singspiele mit den Zuschauern? Klaro, jeder brüllt ´A´ so lange, wie es die Lunge mitmacht.

Wie eine Schachtel Pralinen,..

ist die Setlist bunt gemischt: Coverversionen, eigene Hits, Balladen, Songs mit ernsterem Hintergrund oder Lachsalven; es ist alles in Petto. Aber wie heißt es so schön bei „Forrest Gump“? „Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel, man weiß nie, was man bekommt…“. Übertragen auf ein Knorkator-Konzert kann man auch nie wissen was für eine Show man geboten bekommt. „Boss“ Stumpen setzt sich z.B. kurz mal einen Helm auf, der per Pyrotechnik Funken sprüht. Später zündet er eine Konfettikanone zwischen seinen Beinen ab, die es so aussehen lässt, als sprühe sein „hinteren Ausgang“. Ein elektrischer Rollstuhl kommt gegen Ende zum Einsatz, fährt auf die Bühne (wobei Alf Ators Laptop beinahe heruntergeschmissen wird, da sich das Stromkabel an der Hinterachse verfängt) oder der Herr entledigt sich immer mehr seiner Kleider bis er … (Ob er sogar komplett blank gezogen hat, wird aus Jugendschutz-, Arbeitssicherheits- und aus Gründen der öffentlichen Sicherheit nicht preisgegeben. Der Humor vom Boss färbt auf mich ab…).

Knorkator (Foto: Michael Gerlinger bs!)
Knorkator (Foto: Michael Gerlinger bs!)

21 Songs sind bereits gespielt worden und man geht anschließend mit hohem Haupt von der Bühne. Es ist ganz klar, was der Boss nun hören will: Richtig. Die „Zugabe“-Rufe.

Das schmeichelt seinem Ego.

Der Boss kommt wieder zurück und hat noch fünf Punkte, die auf der Tagesordnung stehen: `Ich Verachte Jugendliche` vermeldet er und bekommt Zuspruch vom Nürnberger Publikum. Das er `Böse´ ist bzw. sein kann, konnten wir mehrfach selbst am heutigen Abend erleben. Aber er ist auch so freundlich und zeigt uns den `Weg Nach Unten` um dort uns sein `Eigentum` zu zeigen (sehr schön anzusehen, wie das Wort „Eigentum“ in hellem Blau mit acht verschiedenen versetzten Scheinwerfern, Buchstabe für Buchstabe angezeigt wird). Als Resümee wird ein `Wir Werden Alle Sterben` festgestellt, ein wahres Wort, das die 120minütige Konferenz beschließt. Beifall ist die Folge und die Meute wird in die Nacht entlassen.

Wir Werden Alle Sterben

Wie im Flug ist der Auftritt vorübergegangen und jeder der Anwesenden verlässt mit einem Lächeln im Gesicht den Hirsch. Knorkator sind, trotz ihres teils infantilen Humors, immer ein Konzertbesuch wert und man bekommt bestmöglichste Unterhaltung geboten. Anzumerken sei nur noch, dass es keine Vorband gab. Aber warum auch. „Ich Bin Der Boss“ reicht als Argument vollkommen aus. Und wer das nicht verstanden hat, der darf jetzt

`Zähneputzen, Pullern Und Ab Ins Bett´! Gute Nacht!

Setlist:

  1. Alter Mann
  2. Ich Lass Mich Klonen
  3. Der Ultimative Mann
  4. Ich Bin Der Boss
  5. Die Geschichte Von Den Schwarzen Buben
  6. Du Nich
  7. Für Meine Fans
  8. Narrenkappe
  9. Highway To Hell
  10. Buchstabe
  11. Konflikt
  12. Geh Zu Ihr
  13. Eldorado
  14. Setz Dich Hin
  15. Du Bist Kein Mensch
  16. Ich Bin Ein Ganz Besondrer Mann
  17. Ich Will Nur Fickn
  18. Du Bist Schuld
  19. Zähneputzen, Pullern Und Ab Ins Bett
  20. Sie Kommen
  21. A

Encore 

  1. Ich Verachte Jugendliche
  2. Böse
  3. Weg Nach Unten
  4. Eigentum
  5. Wir Werden Alle Sterben

Galerien:

Links:
www.knorkator.de

 

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Michael Gerlinger
Bei Mike handelt es sich im Einzelnen um allerhand mittelfränkische Verhandlungsmasse, ein wahrer Gentleman, ein wahrer Poet Den Löwenanteil seiner irdischen Sternzeit fristet Metalmike, wie wir ihn nennen, auf 49°17`60" N, 10°33`34" O in der Multi Media Abteilung eines Glücksgefühl-Sortimentas. In den 90ern war Gentlemicha der erste, der sich “Musik ist (mein) Leben!” auf die Pommesgabel hat tätowieren lassen, deswegen reichte das Taschengeld auch nicht für ‘ne Baumpatenschaft. Weil Metalmike jeden Tag einen Clown frühstückt, sperren wir ihn in der Regel statt Jack in die Box und füttern ihn für den Rest des Tages hauptsächlich mit Rock- und Metalscheiben, von Weichspülern bis hin zum richtig steilen Zeug à la Mgla, Lifelover und Co.