Warmes Kronleuchterlicht, Parkettfußboden und aus den Lautsprechern tönt flüsterleise New Noise von Refused. In der Halle Münsterland schreit beim Betreten nicht alles Punkrock, doch trotzdem finden sich hier regelmäßig tausende feierwütige Gäste zum Grand Münster Slam ein. Bereits zum achten Mal laden die Donots zum gepflegten Spätpogo – und das an gleich zwei Abenden hintereinander und in diesem Jahr neu: mit Kids Konzert.
Blimey!


Während am Freitag 24/7 Diva Heaven, Team Scheiße und Ignite der Menge einheizten, stehen am Samstag neue Gäste bereit. Den Anfang machen die hervorragenden The Meffs. Das Duo aus Essex versteht es mit reduzierten Mitteln ordentlichen Krach zu machen und gewinnt die Sympathie des Publikums mit nur wenigen Akkorden. Selbst, wenn man bis dato nicht mit dem Werk der Band vertraut war, ist man doch spätestens beim The Prodigy Cover von Breathe gänzlich abgeholt. Erste kleine Circle-Pits werden geöffnet, wenn auch vorsichtig – wird schließlich ein langer Abend. Und ein politischer. Darüber, wie schwierig die Zeiten nicht nur in Deutschland oder England sind, ist man sich an diesem Abend einig. Umso wichtiger ist so ein Abend des Zusammenkommens, an dem man sich umschauen kann und in der Regel nur Menschen sieht, die zeigen, dass doch noch nicht alles am Arsch ist.
Zwei Bandmiglieder? Kein Problem. Zwei Möhren? Das geht nicht.


Die ersten Endorphine sind versprüht, die ersten Schweißperlen geflossen. Zeit für den nächsten Act nach einer zügigen Umbaupause. Heisskalt meldeten sich in diesem Jahr mit dem starken Vom Tun und Lassen aus einer langen Bandpause zurück und haben schon das ein oder andere Mal für die Donots eröffnet. Für die Euphorie im Raum gibt’s einen kleinen Dämpfer. Nicht, weil die Band schlecht spielt, ganz im Gegenteil! Sondern weil die Nummern doch etwas schwerer in der Magengrube liegen. Das Set wird stark mit Bürgerliche Herkunft eröffnet, haut mit Hallo in der Mitte des Sets den größten Hit der Band raus und endet auf Euphoria vom 2016er Album Vom Wissen und Wollen. Dazwischen auch neues Material. Aber die Musik von Heisskalt ist nunmal nicht für die fette Party, sondern ist da, um bewusst gehört zu werden. Dass da zwischenzeitig die Euphorie beim Publikum nicht auf 180 steht, nimmt Sänger Mathias Bloech schulterzuckend hin.
Mit Ketchup?


Quasi für die Party gemacht sind Grossstadtgeflüster. Eingängige Beats treffen Berliner Schnauze – jede Textzeile könnte eine eigene Studi-VZ Gruppe sein. Das ist einfach, das kommt an. Die Menschen kommen in Bewegung und feiern Klassiker wie Fickt-Euch-Allee und Ich muss gar nix genauso, wie das 2024 Jahr viral gegangene Ich kündige. Wirkt nach dem sehr ernsten Set von Heisskalt stellenweise etwas absurd – aber die Donots-Fans haben mit Absurditäten kein Problem, was auch der spätere Verlauf des Abends noch zeigen sollte.
Wieder geht der Umbau sehr schnell von statten. Das Team hatte ja auch schon einen Abend Zeit, die Abläufe zu üben. Hinter einem großen weißen Banner steht die Band bereit, während davor versucht wird, ein eigens gebasteltes Intro zu projizieren. Klappt nur so semi, macht aber nix, die Gäste wollen schließlich keine AI-Clips sehen, sondern die Donots.

Und die ist da und hat auch nach zwei vorangegangenen Shows noch Bock. Bereits zum Opener auf sie mit Gebrüll halten sich die Gebrüder Knollmann an den Songtitel und vermessen die Bühne in alle Richtungen. Das Publikum ist angezündet. Der Bühnengraben wird mit Crowdsurfer*innen geschwemmt, welche die Securities sehr geordnet und gut organisiert in ihre muskulösen Arme schließen – es wirkt nahezu wie ein einstudierter Tango. Die Halle ist bis in die letzten Ecken ausverkauft und mittlerweile gut auf Temperatur bekommen. Auch wenn man sieht, dass viele der Fans mit den Donots mitgewachsen sind und die Knochen an einem Abend mit vier Acts schon etwas zu tun haben, gibt’s zumindest auf den Stehplätzen ein ordentliches Gelenkegulasch.

Das Memo, dass so ein langer Abend ziemlich anstrengend ist, haben die Donots nicht bekommen. Diese knüppeln durch ein Set mit 26 Songs. SECHSUNDZWANZIG.
Klar, die Banddiskografie ist lang, aber dann finden die auch noch Platz für Fredrik Vahle’s Lied vom Wecken – um sich und alle Anwesenden zum Schaf zu machen. Auch für Freund und Kollege Bosse werden noch ein paar Minütchen in der vollen Setlist freigeschaufelt und mal eben Der letzte Tanz auf’s Parkett gelegt. Nach Whatever Happened ToThe 80s ein ganz kurzer Verschnaufer.
Noch eine Umbaupause?

Klar, denn zuletzt waren die Donots mit ihrem Akustikalbum Schwert Aus Holz auf Tour und geben auch in Münster einen kleinen Einblick in ihre Neuentdeckte Liebe für Nylongitarren. Vom wirklich toll neu vertonten Keiner kommt hier lebend raus bis zum reduzierten Augen sehen, welches Guido mit seiner Engelsstimme solo darbietet kommen auch die ruhigen Töne gut an. Neuer Umbau. Letzte Zugabe. Letzte Runde und So Long. Publikumschöre. Und dann war er das, der Grand Münster Slam 2025. Ein bunter Abend ein paar Überraschungen und mittlerweile sehr routinierte Donots.

Und am Ende der Konsens: die Welt draußen ist düster und ernst, die Menschen drinnen wissen das. Ein Raum, in dem Ansagen wie „Münster bleibt stabil“ natürlich auch preaching to the choir ist – Münster ist nunmal eine linksgrünversiffte Studentenstadt – und das im allerbesten Sinne. Tragt die Botschaften des gesunden Miteinanders auch nach außen. Redet miteinander. Nicht nur in der linken Eckkneipe und bei der Punkrock-Show, sondern überall.
Galerien (by Thea Drexhage bs! 2025)
The Meffs (22.11.2025)
Heisskalt (22.11.2025)
Grossstadtgeflüster (22.11.2025)
Donots (22.11.2025)
Setlist Donots:
- Auf sie mit Gebrüll
- Calling
- Saccharine Smile
- Wake the Dogs
- Dead Man Walking
- Apokalypse Stehplatz Innenraum
- Hey Ralph
- Pick Up the Pieces
- Piano Mortale
- Ich mach nicht mehr mit
- Dann ohne mich
- Lied vom Wecken (Fredrik Vahle cover)
- Kaputt
- Solid Gold
- Stop the Clocks (Outro: Ramones – „Pet Sematary“)
- Der letzte Tanz (Bosse Cover mit Bosse)
- Wünsch DIR was (Die Toten Hosen cover)
- Hunde los
- Whatever Happened to the 80s
Accoustic Set - Keiner kommt hier lebend raus („Schwert aus Holz“ Version)
- Allein zu allein („Schwert aus Holz“ Version)
- Problem kein Problem („Schwert aus Holz“ Version)
- Augen sehen
(Guido solo)
Encore: - Eine letzte letzte Runde
- We’re Not Gonna Take It (Twisted Sister cover) (Outro: Anthrax – Caught In A Mosh (snippet))
- So Long


