Review: Live is Life – Fortuna Ehrenfeld im Pavillon (09.03.2026, Hannover)

Geil, Fortuna Ehrenfeld haben eine neue Scheibe veröffentlicht. Wie heißt die? „Live At The Hollywood Bowl“. Waren Fortuna Ehrenfeld tatsächlich in Los Angeles, um da ein Konzert zu spielen und dieses mitzuschneiden. Auf einer der ehrwürdigsten Open-Air-Bühnen des Universums? Das Hollywood Bowl ist so was wie die Waldbühne in Berlin, nur ohne Wald. Hier haben schon die Größten der Größten gespielt. Legenden wie The Beach Boys, Frank Sinatra, The Beatles , Bob Dylan, Pink Floyd, The Doors, Depeche Mode und auch Billie Eilish und viel andere sind hier aufgetreten. Und jetzt Fortuna Ehrenfeld!? Fährt Martin Bechler mit seiner Truppe in Trumps Ami-Land, um dort zu spielen Never ever. Aber warum dann dieser Titel? Weil FE Spaßvögel sind, weil sie es können und weil so ein Titel natürlich aufhorchen lässt. Ein geschickter Schachzug. Live ist hier nicht live, sondern…

Live is Life

Komparse (Foto: Michael Lange bs! 2026)

Es geht also um das Leben. Im Allgemeinen, im Besonderen, mit allen Facetten und überhaupt und sowieso. Halt typisch FE. Und nur deswegen sind die Fans hier im Pavillon Hannover. Bei Fortuna Ehrenfeld gibt es keine Vorgruppe oder Supports, sondern nur Ehrengäste. Die kündigt Martin Bechler persönlich an: Taddaa, da ist er: Bodo von Zitzewitz, als der Komparse. Der Name ist Programm. Komparse kommt aus Köln und ist allein auf der Bühne. Ein lustiger Vogel. Ich „Ich toaste meine Gedanken“ heißt das Album von ihm und darin lässt er nach eigener Aussage alles was er an Wut so in sich trägt, freien Lauf. Komparse ist ein Solo-Projekt. Indie-Geballer mit Melancholie. Mit Politikern hat er es: Er singt von Helmut Schmidt und von Ines Strack-Zimmermann, vom Beamten, der sich beamte und von „Dackel und Wale“. Immer wieder fragt er beim Publikum nach, ob es denn Fragen gäbe. Sehr gut, ist ja auch wichtig, dass man verstanden wird. Sehr witzig, der Herr von Zitzewitz.

Sag, zu wem willste beten?
Zu wem willste geh’n?
Wenn die ganzen Geföhnten
zu weit rechts von hier steh’n
Und zu wem willste aufschauen,
wenn da oben nix is′?
Absolutely nothing unimpresses
me like this

Fortuna Ehrenfeld (Foto: Michael Lange bs! 2026)

Und so geht es weiter. Lustig, ernst, melancholisch, mal wütend, mal laut, mal leiser, aber immer Fortuna Ehrenfeld. Martin Bechler (an Gitarre und Gesang) hat mit Jenny Thiele (Keys und Gesang) und Jannis Bentler (Schlagzeug und Backing Vocals) kongeniale Partner um sich geschart. Als Intro kommt die „Promenade I“ aus Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“. Das hat Stil. Die Band trägt wie immer blau-weiß karierte Pyjamas (hat auch Stil) und es fängt erst mal etwas ruhiger an mit „Ein analoges Mädchen“ und „Helm ab zum Gebet“. Bechler ist sehr glücklich über die neue Scheibe, die auch von Fachblättern allseits gelobt wird. „Live At The Hollywood Bowl“ ist eine kolossale Selbstanzeige und schallende Ohrfeige für die KI im Schnullerstadium“ sagte Bechler im Vorfeld.

Fortuna Ehrenfeld (Foto: Michael Lange bs! 2026)

„Mit Abstand das Beste was wir jemals gemacht haben. Happiest man alive.“ Track 3 ist dann schon „Life at the Hollywood Bowl“. Sehr schön tanzbar, elektronisch mit Drum-Computer und dem markanten Refrain „Ich hab’ die ganze Welt in Schönheit sterben seh’n.“ So gehts weiter. „Ciao Kakao“ ist bayrisch-ballermannmäßig. Eine Tanz-Abgehnummer mit crazy Text. Genauso ist „Internet zerficken“. Wenig Text, viel Refrain, viel Power vor allen Dingen von Drummer Jannis Bentler. Geht ins Ohr und bleibt da. Besonders stark Ist FE, wenn es ruhiger wird. Klavier und nur die raue Stimme von Bechler wie bei „Bosch Blau“ oder bei „Ich trag so viele Bilder“ wo beide singen. Boaah, das geht richtig tief rein, Melancholie pur, Tränen finden ihren Lauf. Spaß machen das einfach strukturierte, rockige „I want to misbehave“ und „Unfug the world“. Hier hört man vor allen Dingen hin, weil Unfug wie Unfuck gesungen wird , so hat man gleich, sehr geschickt eingefädelt, einen Aufmacher und grölt mit. Letztendlich ist der Text doch er Unfug. Sehr lustig, hat Zitzewitz-Niveau. Die 350 Fans an diesem Montag-Abend wollen mehr und kriegen das volle Ehrenfeld-Universum. Auf der Zielgraden kommt das „Glitzerschwein“ und dann „Kleines Herz“, das sehr ruhig tragend beginnt und dann pulsierend entschwebt. Das Raumschiff Fortuna Ehrenfeld wird irgendwann wieder landen in Hannover und Komparse heißt dann bestimmt Statist. Das war jetzt der letzte Gag, fast ein Zitze-Witz. Hat Spaß gemacht.

Galerien (by Michael Lange bs! 2026):

Setlist Komparse:

  1. Der Beamte der sich beamte
  2. Markus Lans
  3. Ich wach halt auf am Morgen
  4. Helmut Schmidt
  5. Dackel und Wale
  6. Kommissar Leichtfuss
  7. Ewig weiter Ausblick

Setlist Fortuna Ehrenfeld:

Fortuna Ehrenfeld (Foto: Michael Lange bs! 2026)
  1. Ein analoges Mädchen
  2. Helm ab zum Gebet
  3. Life at the Hollywood Bowl
  4. Leck mich am Arsch, amore mio!
  5. Internet zerficken
  6. Ciao Kakao
  7. San Francisco Candy Boy
  8. Das letzte Kommando
  9. Hundeherz
  10. Gegen die Vernunft
  11. Ray of Fukin Sunshine
  12. Bad Hair Day
  13. I Want to Misbehave
  14. Die Panamoralische Liebe
  15. Hör endlich auf zu jammern
  16. Märklin
  17. Ich trag so viele Bilder
  18. Nach Diktat verreist
  19. Zwei Himmel
  20. Bosch blau (Martin solo)
  21. Bella Ciao (Martin solo)
  22. Heiliges Fernweh
  23. Wir sitzen hier und schlabbern Aperol
  24. Unfug the World
  25. Glitzerschwein
  26. Kleines Herz

Links:
www.komparse-musik.de
www.fortuna-ehrenfeld.de

Michael Lange
Michael Langehttps://www.be-subjective.de
Michael Lange. MichaL ist der Methusalix in unserem Team. Ein Original, ein Sympath, ein Genießer von A wie Abba bis Z wie Zabba und im realen Leben ein Stepptänzer. »Jawohl, das mit dem KlackerdiKlack.« MichaL hat schon Rock’n’Roll gehört, da waren die Little Boy Blue and the Blue Boys noch grün hinter den Ohren. Man munkelt er konnte schon einparken, da gab es noch nicht mal Rückspiegel, geschweige denn Einparkhilfen. Dennoch ist die MichaL noch lange kein Oldy oder darauf fokussiert. The big L war plötzlich da. Zeitlos. Unerwartet und doch völlig freiwillig tauchte er in unserem Universum auf und bereichert es. KlackerdiKlack.

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