Review: Wer bläst hier wem einen? Bela B’s funerale in concert (03.03.2017, Hannover)

Bela B. Sartana (Foto: Isabelle Hannemann bs!)

Ein sehr gemischtes Publikum sammelt sich vor dem Theater am Aegi, um Bela B.s Live- Hörcomic Sartana – noch warm und schon Sand drauf in concert beizuwohnen. Im nicht ganz ausverkauften Haus tritt Bela B dann auch gekonnt cool auf, begrüßt formvollendet mit sonorer Stimme wie erwartet sein Publikum, um nach und nach seine MitspielerInnen vorzustellen. Diese entpuppen sich nach kurzer Zeit auch als eigentliches Highlight der Show, die ihre besten Momente genau dann feiert, wenn jede/r das tut, was er oder sie am besten kann und dabei blendend aussieht.

Bela B. Sartana (Foto: Isabelle Hannemann bs!)

Stefan Kaminski legt sich unendlich ins Zeug. Mit vollem Körpereinsatz und einer unfassbaren stimmlichen Bandbreite haucht, brüllt oder flüstert er jeder Figur Leben ein und bedient beiläufig auch noch die Geräuschkulisse mit einer Präzision, die ihresgleichen sucht. Oliver Rohrbeck lebt seine Figuren mit Elan, liebevoll, auf einem hohen Niveau wie wir es vom Hörspielprofi gewohnt sind.

Wenn Bela B. zum Mikrofon greift, werden alle Erwartungen an cool dahergebrachte Songs zur Story erfüllt.

Bela B. Sartana (Foto: Isabelle Hannemann bs!)

Unterstützt wird er dabei von Peta Devlin, die im Laufe der Story die Rolle der etwas inkonsequenten Feministin verkörpert und dem Script entsprechend auf Belas Hamlet-Parodie

„Wer bläst hier wem einen?
Das ist hier die Frage.“

mit abgelesener Pikiertheit reagiert.

Bela B. Sartana (Foto: Isabelle Hannemann bs!)

Überhaupt trifft der Humor den Zeitgeist der 60er, mit seinen flachen Zoten und schalen Vergleichen, „ohne Ballast am Riemen geht vielleicht der Ballon hoch“, eher als den heutigen, was aber durchaus als Hommage an den Italo-Western zu verstehen sein dürfte, auch auf dieser Ebene trifft also das Zitat

Es gibt nur ein Gewürz-das heißt Dreck.

Bela B. Sartana (Foto: Isabelle Hannemann bs!)

…voll ins Schwarze. Auch wenn die Zwischenspiele etwas mehr Spontanität und Improvisation vertragen könnten, dürften sowohl Fans von Bela B. als auch HörspielanhängerInnen auf ihre Kosten kommen. Dafür sorgen auch die Bastarde von Smokestack Lightnin’, die mit ihrem dezenten Rockabilly-Country-Soul-Folk-Something den Hintergrund knistern lassen, der beste Zwirn, der das Ensemble umschmeichelt, oder auch Robert Schlunzes Illustrationen, die das Bühnengeschehen in den Sand tauchen, der aus den Seiten des Hörspiels rieselt. Der Kadaver ist noch warm. Verscharren wir ihn nicht zu früh.

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Buon funerale amigos….

Text: Frank Braunert-Saak

Bela B. Sartana (Foto: Isabelle Hannemann bs!)

Galerie (by Isabelle Hannemann):

Links:
www.bela-b.de
www.smokestacklightnin.de

Veranstalter:
Hannover Concerts