Review: Any Given Day vs. To the Rats and Wolves (02.12.2017, Dresden)

Oder was passiert wenn an einem bestimmten Tag Ratten und Wölfe gemeinsame Sache machen?

Gemeint sind natürlich nicht die Tiere im eigentlichen Sinne, sondern die beiden Metalcore-Bands Any Given Day bzw. To the Rats and Wolves, welche dieser Tage auf Double-Headliner-Tour unterwegs sind und dies in einer Art Battle. Ein paar Gemeinsamkeiten haben die beiden Kapellen, somit macht das vs.-Konzept durchaus Sinn. AGD und To the R&W kommen beide aus dem Ruhrgebiet, werden beide dem Metalcore zugeordnet und haben sich laut bandeigenen Aussagen auf der jeweiligen Webseite im Jahr 2012 gegründet. Zu dem haben bei Gruppen jeweils drei Veröffentlichungen auf den Markt gebracht. Auf der eine Seite das Demo „Any Given Day“, die beiden Langspielplatten „My Longest Way Home“ bzw. „Everlasting“ und auf der anderen Seite die EP „Young.Used.Wasted“ bzw. die LPs „Neverland“, „Dethroned“.

Any Given Day (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

Let the Battle begin…

Unterschiede gibt es natürlich auch – Any Given Day kommen aus Gelsenkirchen und brauchen mit Dennis Diehl nur einen Sänger. To the Rats and Wolves sind aus Essen und haben mit Dixi Wu bzw. Nico Sallach gleich zwei Herren am Mikro. Während der Six-Pack aus Essen musikalisch betrachtet wesentlich mehr elektronischere Momente in seine Tracks verpackt, kommt die Fünf-Mann-Combo eher mit abgedämpften Akkorden in den Songs einher, welche typisch für das Subgenre Djent sind.

Round One

Breathe Atlantis (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

Auch wenn AGD und To the R&W ihre jeweiligen Tonträger durch unterschiedlichen Plattenfirmen veröffentlichen lassen, haben die beiden Headliner auf ihrer gemeinsamen Tournee gleich zwei Support-Acts mit dabei. Ebenso am dritten Konzerttag in Dresden, genauer gesagt im KONG Klub. Der Saal ist zwar (noch) nicht wirklich voll als mit Breathe Atlantis die erste Gruppe den Abend beginnt. Die fünf Mann kommen wie To the R&W aus Essen, sind aber wiederum bei selben Label wie AGD unter Vertrag. Ohne vorher von der Band etwas gehört zu haben, würde ich ihre Musik als Alternative Rock bis Post-Hardcore beschreiben und sie macht auf jeden Fall das, was eine Vorband tun soll, aufwärmen und ein paar Emotionen aus dem Leuten im Publikum herauskitzeln.

Breathe Atlantis (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

 

For I Am King (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

Nach kurzem Umbau setzten For I Am King aus Amsterdam da an, wo ihre Labelkollegen aufgehört haben. Die Niederländer sind von allen vier Bands die jüngste Kapelle und stellen ihr Debütalbum „DAEMONS“ vor. Die Musik der vier Herren an den Instrumenten und der Dame am Mikrophon geht schon mehr in Richtung Metal. Dabei sticht vor allem Sängerin Alma hervor, die schon sehr gut Höhen und Tiefen mit ihrer Stimme beherrscht, welche für Songs dieses Genres notwendig sind. Mittlerweile ist der Saal im Dresdner Konk Klub schon recht voll und von der Hardcore-Anhängerin bis zum Metal-Head sind jedenfalls alle im Publikum aufgewärmt. Das ist bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in diesem ersten Adventswochenende auch dringend notwendig. Breathe Atlantis vs. For I Am King haben jeweils ihre Jobs als WarmUp durchaus erledigt, was vom Publikum im Saal entsprechend gewürdigt wird, mit leichtem Vorteil für die Holländer.

For I Am King (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

Round Two

To The Rats And Wolves (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

Bevor To the Rats and Wolves auf die Bühne kommen erklingt ein sehr genreuntypischer, aber durchaus bekannter Dance Track aus den 90er Jahren – „I’m Blue“ von Eifel 65. Phuuuh, den hatte ich eigentlich schon aus meinem Langzeitgedächtnis verbannt, ‚dachte ich zumindest bis gerade eben‘, kann mir aber ein Lächeln nicht verkneifen, was vielen Menschen im KONK Klub ähnlich geht. Mit solch einem Aha-Effekt ist die Aufmerksamkeit auf das nun Kommende garantiert.

To The Rats And Wolves (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)
To The Rats And Wolves (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

To the R&W lassen diese auch gar nicht erst absinken und knallen dem Publikum mit „Cheap Love“ gleich einen neuen Smasher vor den Latz. Als nächstes kommt „Young.Used.Wasted“, dessen Motto Mensch hier vor Ort auf sehr vieles beziehen kann. So geht es Schlag auf Schlag weiter. Die beiden Sänger Dixi und Nico sorgen abwechselnd dafür, dass die Leute im Saal kaum verschnaufen können, die Ersten landen per Crowdsurfing auf der Bühne und Stagediven wieder zurück. Mit dem Cover „Home is where your heart is“ von Any Given Day setzten To the Rats and Wolves in der Band-Battle ein dickes Ausrufezeichen. Der erste Track der Zugabe „Kill the DJ“ ist sogleich eine eindeutige Aussage und mit „Anywhere for you“ heizen Danny, Marc, Stanislaw an den (Bass-)Gitarren bzw. Simon am Schlagzeug, zusammen mit ihren beiden Fronter für ihre Kollegen von AGD noch Mal kräftig an.

To The Rats And Wolves (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

Final Round

Any Given Day (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

So, To the R&W haben ziemlich gut vorgelegt, mal sehen ob dies Any Given Day übertreffen können? Nach einer letzten Umbaupause starten die Gelsenkirchener ihr Set mit einem eher genretypischen Intro in Form eines Klasssikers von AC/DC. Nach und nach kommen die Musiker die Treppe herunter, welche vom Backstage im ersten Stock direkt auf die Bühne führt. Zuerst Schlagzeuger Raphael, dann Gitarrenfraktion mit Michael, Dennis bzw. Andy und zum Schluß Sänger Dennis Diehl. Er gibt dann mit der Einladung zum Crowsurfing und Stagediven gleich mal das Motto für die letzten Part dieses Vierer-Konzertes aus – Abriss.

Any Given Day (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)
Any Given Day (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

Der AGD-Standart wird im ersten Teil mit der Wall of Death bei „Endurance“ gesetzt. Eine Besonderheit im Saal des Konk Klub ist, daß Mensch sich auch links bzw. rechts von der Bühne aufhalten und sich somit nicht nur das Spektakel auf der Bühne sehr gut beobachten kann, sondern vor Allem davor. Außerdem nehmen eine einige Fans durch diese spezielle Inneneinrichtung die Gelegenheit war, um zum Beispiel mal kurz mit Gitarrist Dennis auf ein Bierchen während des Konzertes anzustoßen. Den besten Platz haben ohnehin die Musiker der anderen drei Bands, welche sich das Ganze gemütlich von oben anschauen können.

Bonus Level

To The Rats And Wolves (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

Der Frontmann der Gelsenkirchener bedankt sich abermals beim begeisterten Publikum für einen weiteren großartigen Konzertabend auf dieses Tour, mit wiederholt ausverkauften Haus. Die Leute im Saal sollen sich dafür selbst applaudieren. Nachdem Any Given Day im Hauptteil weitere Smasher wie „Levels„, „Arise“ oder auch „Never Say Die“ bzw. „The Beginning of the End“ zum Besten geben haben, enthält der Bonus-Part noch einen ganz speziellen Song bereit. Sie revanchieren sich bei To the Rats and Wolves für deren „Home is where your heart is„-Cover mit einem eben Solchen, packen als letzten Track eine weitere Neuinterpretation auf das Parkett. Dieses Mal aus dem Pop-Genre – „Diamonds“ von Rihanna. Dazu kommen auch Musiker von Breathe Atlantis, For I Am King bzw. To the R&W auf das Podium zurück und feiern den Song zusammen mit AGD oder lassen sich beim großem Finale per Crowdsurfing vom Publikum von der Bühne weg und wieder zurück tragen. Damit wird das Ergebnis der Band-Battle quasi zementiert – Gewinner sind Musiker und Fans gemeinsam, so soll es sein.

Galerien (by Kristin Hofmann bs! 2017):

Any Given Day (Foto: Kristin Hofmann bs! 2017)

Weiterhören:

  • Any Given Day: „Everlasting“ & „My Longest Way Home“
  • To the Rats and Wolves: „Dethroned“ & „Neverland“
  • For I Am King: „DAEMONS“
  • Breathe Atlantis: „Futurestories“ & „Shorelines“

Links:
https://anygivenday.eu/
http://totheratsandwolves.bigcartel.com/
https://foriamking.com/
http://www.breatheatlantis.com/

Veranstalter:
Kingstar
BigFish Entertainment

Tobias Richter
Tobias Richterhttps://www.facebook.com/mischband/
Jeder sollte einen Tobi haben. Keiner von uns hat ihn je gesehen, der Typ ist einfach zu groß und artig, der schmeißt aufgeblasene orange Dinger in Einkaufsnetze und - wie man so hört - muss sich der Ü190 Hüne dafür bücken. Eat Sleep Ball Repeat. Ansonsten ist ein Tobi einer, der Kassetten professionell aufwickeln kann, "der immer Ärger macht, der Streiche spielende Anstifter, der, der süchtig nach Furcht ist, ein Sinnbild für Gefahr." Jeder sollte einen Tobi haben. Und eine B-Seite.

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