Freitag, der 13. – und Leipzig bekommt 90 Minuten Glück.
Schon vor Konzertbeginn zeigt sich, was Amy Macdonald seit fast zwei Jahrzehnten ausmacht: Sie verbindet Generationen. Im Haus Auensee stehen Kinder mit ihren Eltern, Jugendliche mit leuchtenden Augen, Studierende, Dreißig- und Vierzigjährige – und auch Menschen, die locker im Ruhestand sein könnten. Kurz gesagt: Alle lieben Amy Macdonald.
Die Ränge sind geöffnet, was für viele die bessere Wahl ist. Wer unten im Saal unter 1,80 Meter misst und spät kommt, sieht vor allem Rücken. Aber hören kann man sie überall. Und das ist bei dieser Stimme das Wichtigste.
Am Merchandise-Stand stapeln sich Vinyl, Shirts, Hoodies und Badges. Dazu diese inzwischen legendären Amy-Trinkbecher, die sich wunderbar in jedes Konzertbecher-Sammelregal einfügen. Wenn das Shirt farblich zum Becher passt, ist der Abend modisch ohnehin gewonnen.
Better Joy – ein Support, der hängen bleibt

Pünktlich um 20 Uhr eröffnet Bria Kelly aus Manchester mit ihrem Projekt Better Joy den Abend. Von Trendsettern als vielversprechender Newcomer gehandelt, bringt sie genau diese Mischung aus Charisma und Unbeschwertheit mit, die sofort zündet. Ihre Stimme erinnert in ihrer Präsenz an Debbie Harry, während sie mit federnder Leichtigkeit über die Bühne tanzt.
Textlich ernst, mit Haltung und gelegentlichem Mittelfinger, dabei gleichzeitig zart und kraftvoll. Leipzig wippt, klatscht und lässt sich mitziehen. Nach 30 Minuten verabschiedet sich die Band nicht einfach – sie bleibt für Autogramme. Und nimmt vermutlich eine ganze Reihe neuer Fans mit.
Amy hätte sich keinen besseren Support aussuchen können.

21 Uhr. Kein Drama. Nur Musik.

Ohne großes Intro, ohne überinszeniertes Lichtspektakel stehen Amy Macdonald und ihre Band plötzlich einfach da. Die ersten Takte von „Is This What You’ve Been Waiting For?“ erklingen – und das reicht.
Im Hintergrund hängen Lichter, Lampen und ein schimmernder Lametta-Vorhang. Keine riesige LED-Wand, keine Effektschlacht. Vielleicht braucht man das auch nicht. Vielleicht ist genau diese Schlichtheit das Geheimnis ihres Erfolgs.
Die aktuelle Tour ist seit Monaten ausverkauft. Auch die Open-Air-Termine, unter anderem in der Jungen Garde im Sommer, sind fast komplett vergriffen. Und man merkt: Das Haus Auensee könnte bald zu klein werden.
Amy überzeugt nicht mit Showtricks. Sie überzeugt mit Stimme. Mit Songs. Mit Präsenz. Mit diesem warmen, schottischen Charme, der selbst am Freitag, den 13., jeden Zweifel vertreibt.
Publikum: Eins mit Sternchen

Von der ersten bis zur letzten Reihe wird lautstark mitgesungen. Textsicher. Begeistert. Friedlich. Das Leipziger Publikum ist aufmerksam und hingebungsvoll. Während Amy in den Songs konzentriert und ernst wirkt, blitzt zwischen den Liedern ihr Humor auf.
Sie spricht über den neuen Backstagebereich im Haus Auensee, über schottischen Fußball und dessen Niederlagen, über deutsches Bier und einen Karaoke-Abend in Leipzig vor fast 20 Jahren, als sie noch niemand erkannte. Und dann fällt der Satz des Abends:
„No Scotland, no party!“

Die Anekdote, dass ihr Drummer während der Vorband von einem Fan angemeckert wurde, weil er im Weg stand, sorgt für herzhaftes Gelächter. Zum Glück nimmt es niemand übel.

Die 90 Minuten vergehen angenehm. Nicht gehetzt, nicht träge. Die Setlist ist klug gebaut, die Dynamik stimmt. Klassiker wie „Don’t Tell Me That It’s Over“ oder „Run“ sind neu arrangiert und live deutlich kraftvoller als auf Platte.
Überhaupt haben viele Songs spürbar mehr Druck, mehr Instrumentalfläche, mehr Energie. Das neue Material fügt sich nahtlos ein. Vor allem „Can You Hear Me?“ entwickelt echtes Live-Potenzial. „We Survive“ überzeugt mit starken Zeilen und klarer Haltung.
Mit „Let’s Start A Band“ wird es noch einmal gemeinschaftlich. Und genau da liegt der Kern dieses Abends: Amy Macdonald und ihr Publikum sind nicht nur Fans und Künstlerin. Sie sind eine große Band auf Zeit. Verbunden durch Songs, Erinnerungen und diesen schottischen Funken.

Am Ende bleibt die Gewissheit:
Man wartet nicht vergeblich auf Amy Macdonald.
Und ohne Schottland geht an diesem Abend tatsächlich keine Party.
Galerien (by Kristin Hofmann bs! 2026):
Setlist:

- Is This What You’ve been Waiting for?
- Dream On
- The Hudson
- Spark
- Mr. Rock & Roll
- Fire
- Pride
- Don’t Tell Me That It’s Over
- Run
- I’m Done (Games That You Play)
- Slow It Down
- Poison Prince
- Can You Hear Me?
- Statues
- Barrowland Ballroom
- This Is The Life
- We Survive
- Let’s Start A Band
Und nicht vergessen: Amy MacDonald geht im Sommer auf große Open Air Tour und kommt am 21.08.2026 in die Junge Garde Dresden.
Links:
Amy Macdonald
Haus Auensee
Freilichtbühne Junge Garde
Veranstalter:
Aust Konzerte (Lokal)


