Review: Mera Luna Festival 2005

Am 13. August 2005 war es wieder soweit: Die Tore für das bereits 6. jährlich stattfindende 2-tägige Spektakel wurden geöffnet und mehr als 21.000 schwarze Anhänger strömten erneut auf das 45 Hektar große Gelände zum Drispenstedter Flugplatz bei Hildesheim, um die einmalige Kombination aus Musik, Festivalatmosphäre und Treffcharakter zu genießen. Besucher aus aller Welt ermöglichten es das M`Era Luna zu einem Internationalen Treffen zu verwandeln, dessen gewaltige Dimensionen dadurch erst so richtig zur Geltung kamen. So gut das Wetter am Samstag war, einen umso größeren Strich durch Rechnung bescherte es dem Sonntag, als es fast es den gesamten Tag ohne Unterbrechung regnete und die Wiesen die Ehre hatten, sich im Matsch zu baden.

Auch in diesem Jahr wurde eine umfangreiche Einkaufszeile mit Szenebekannten Läden, wie u.a. X-tra-X, Teufelsküche und Gothic-Obsession erbaut durch die sich die Menschenmassen förmlich drängten und den Händlern große Umsätze einbrachten. Ebenso ließen sich viele Besucher nicht zwei mal bitten, um den Sonic Seducer Stand aufzusuchen, an dem zahlreiche Formationen die Autogrammwünsche ihrer Fans erfüllten. 40 Bands bildeten das Line-up, unter denen die ein oder andere für eine Überraschung sorgte.

Samstag, 13.08.2005  
Klimt 1918:
Als 1. Band des Tages gegen 11.20 Uhr den Reigen im Hangar zu eröffnen ist sicherlich eine schwere und undankbare Aufgabe für eine Band, die quasi gezwungenermaßen einen exklusiven Weckdienst für die Besucher bietet, der auch dieses Mal wenig in Anspruch genommen wurde. Die Italiener Klimt 1918 präsentierten ihr eigenes, faszinierendes Klangemälde aus Schmerz, beunruhigender Stille und Melancholie vor einem mehr als überschaubaren Publikum, bei dem sie sich mit dem abmischen ihres Sounds äußerst schwer taten, so dass einige Zuschauer sofort wieder den Rückzug antraten. Durch die viel zu laut eingestellte Musik, bekam man viel zu wenig von Marco Soellners Gesang mit, der bedauerlicherweise keine Chance erhielt gegen das überragende Musikbrett anzukommen. Ein durchaus mittelmäßiger Auftritt, der trotzdem das hohe Potential der Band, zumindest ansatzweise vermerken ließ.
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Osiris Taurus:
Nach ungefähr 20 Minuten Umbaupause und dem Auftritt von "In Mitra Medusa Inri" erfolgte direkt danach der Auftritt der Braunschweiger Formation Osiris Taurus, die mit einem äußerst abwechslungsreichen Programm und einer unglaublichen Bühnen Show die Blicke auf sich ziehen konnten, wodurch die Main Stage für diese Uhrzeit erstaunlich gut besucht war. Schamanenrock vom feinsten und eine Band, die sicherlich in Zukunft noch einiges von sich hören lassen wird!
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Qntal:
Wesentlich anders sah dies bereits schon bei der Mittelalter-Elektronik Crossover Formation Qntal aus, die die Halle bis auf den letzten Platz füllte und viele Anhänger sogar vor der Halle verharrten, um sich diesen Auftritt nicht entgehen zu lassen. Wen die Stücke bereits auf den Platten zu begeistern wussten, hat Qntal live durch ihren Energiegeladenen und druckvollen elektronischen Beat, bei denen Sigrids Stimme über alles thronte, vollkommen verzaubert.
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Limbogott:
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Negative:
Gegen 14Uhr betraten die finnischen Newcomer Negative die Bühne und wurden sofort ordentlich gefeiert und mit einem ordentlichen Applaus empfangen. Erstaunlicherweise wurden viele männliche Wesen gesichtet und zu aller Verwunderung hatte manch einer von ihnen sogar Spaß bei diesem Auftritt. Hits wie "In the moment of our love" kamen beim schwarzen Publikum gut an und Jonne Aarons gewaltige Stimme, die ihm viele wahrscheinlich eher nicht zugetraut haben, nahm gewaltige Ausmaße an. Trotz der wohl für die meisten eher ungewohnten Bühnen-Outfits war es eine starke Bühnenpräsenz. Auch wenn Musik immer Auge des Betrachters bzw. vielmehr am Ohr des Hörers liegen mag, technisch gesehen konnte man dieser Band nichts vorwerfen.
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Leaves` Eyes:
Mit einer gut 40minütigen Show wussten Leaves Eyes, bestehend aus Liv Kristine und den Atrocity Mitgliedern das Publikum zu begeistern, die jedoch genauso mit einigen Soundproblemen zu kämpfen hatten, wie ihre Vorgänger, es aber weitesgehendst in den Griff bekamen, so dass einem bombastischen und metallischen Live-Auftritt nichts mehr im Wege stand. Liv Kristine erzählte mit ihrem feenhaften Gesang, von der Legende, der irrtümlich in Amerika geendeten Schifffahrt von Leif Eriksson mit dem sie nicht nur die Männer reihenweise zu begeistern wusste. Eine einzigartige Erzählstunde!
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Atrocity:
Der Stressfaktor der Atrocity Mitglieder war an diesem Tag sicherlich enorm hoch, nachdem sie bereits mit Leaves Eyes auf der Bühne standen, mussten sie nun noch mal ran ans Werk um den Hangar mit ihrer kraftvollen Show zum kochen zu bringen. Die Halle füllte sich auch wieder etwas mehr und Hits wie "Enigma", "Cold Black Days" und die Coverversion des Tears for Fears Klassikers "Shout", den sie bereits 2001 am selben Platz vorführten, ließen einem keine andere Wahl als bei diesem Konzert gehörig mitzurocken und begeisterte Mienen als Endresultat zu hinterlassen.
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NFD:
Mit großer Spannung wurde dem Auftritt der Londoner Band NFD (Noise for Destruction) entgegen gefiebert, die durch Vergleiche mit Fields of the Nephilim im Vorfeld viel versprechen ließen. Und wahrlich, die Zuschauer sollten nicht enttäuscht werden. NFD rockten die Masse gehörig ab und wurden ihrem Vergleich gerecht. Seitens des Publikums gab es größtenteils nur begeisterte und erfreute Gesichter und vollere Hallen bei ihrer Nächsten Tour sind bestimmt garantiert.
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The Crüxshadows:
Eine der wohl umstrittensten Bands des gesamten Festivals, die für Ende diesen Jahres ein neues Album plant sollte für eine Energiegeladene und spielfreudige Show sorgen, bei der Frontmann Rogue wieder seine Kletterakrobatik zum Besten gab. Ein kurzer Blick von der Bühne ins Publikum reichte schon aus um das Vergnügen zu haben, den Crüxshadows Frontmann anschließend zu suchen und oftmals fand man ihn in einer enormen Höhe wieder. Langeweile kam beim zusehen dieses Auftritts ganz bestimmt nicht auf, trotzdem zählte er nicht zu den Besten, die die Band bisher geboten hat.
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The 69 Eyes:
Um 18.05Uhr sollten die Helsinki Vampires die Main Stage des M'era Lunas beehren, doch die 25minütige Umbaupause war nicht ausreichend, so dass 15 Minuten später von den Herren aus dem Land der Tausend Seen noch immer nichts zu sehen war. Kurze Zeit danach kam jedoch die Ansage, dass sie Probleme mit der Anreise hatten und einem Auftritt nun nichts mehr im Wege steht. Wie gewohnt präsentierten sie sich von einer guten Seite, an der es gesanglich als auch musikalisch nichts zum aussetzen gab. Dennoch wurde recht schnell deutlich, dass die 69 Eyes, ganz gleich, wie viel Energie und Bemühungen sie auch in einen Auftritt stecken, vom Publikum, das größtenteils sofort zu Beginn auf ihrer Seite war, gefeiert werden.
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Combichrist:
Das Multitalent Andy LaPlegua, der neben Combichrist auch Mastermind bei Icon of Coil und Panzer AG ist, verstand es die Halle zum tanzen zu bringen und wurde mit seiner Techno Body Music, die aus powergeladenen Elektrosounds besteht gebührend gefeiert, obwohl man rundum auch zahlreiche enttäuschte und gelangweilte Gesichter nicht übersehen konnte, die die Halle nach kurzer Zeit wieder verließen, da bei ihnen der entsprechende Funke dieses Live-Infernos nicht so richtig überspringen wollte. Fazit: Sicherlich noch ausbaufähig, dennoch erträglich und anhörbar.
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Schandmaul:
Von vielen Mittelalter Fans, wurde der Auftritt der 6 Schandmäuler sehnlichst erwartet, nicht zuletzt weil sie sich neben Faun und Subway to Sally eine der größten Anhängerschaften ihrer Musikart in den letzten Jahren erspielten und das nicht zu unrecht. Diese musizierenden Narren verstehen ihr Handwerk bestens und boten dem Publikum eine mitreißende Show, bei der kein Fuß mehr still gehalten werden konnte. Schandmaul trieben ihr Unwesen mit Bravur und heizten die Zuschauermenge mächtig ein. Zahlreiche Menschen bewunderten anschließend die enorme Ausdauer der Bandmitglieder und verließen das Gelände mit einem unbeschreiblichen Leuchten in den Augen. Für manch einen sicherlich ein, wenn nicht gar das unvergesslichste Ereignis!
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VNV Nation:
Was gibt es zu diesem Auftritt zu sagen? Außer lobende Worte wohl nicht viel. Gegen 21Uhr war es endlich so weit. Die sympathischen Mitglieder Monan Hackson und Rark Jarris betraten unter tobendem Beifall die Bühne. Ihre bodenständige und absolut nicht aufgesetzte Art, sowie ihre Songs, deren Inhalte und die Performance stellen ein einzigartiges Spektakel dar, von dem sich an diesem Tag manche Band eine Scheibe hätte abschneiden sollen. Vom ersten Takt an feierte das Publikum und tanzte unbeschwert zu den Klängen von VNV Nation, die Sehnsucht und Verlangen zugleich in ihren Songs transportieren. Mehr als 1 Stunde lang schien jede noch so getrübte Seele von Heiterkeit und Freude eingefangen worden zu sein, die sich im Scheinwerferlicht begeistert und unbefangen fallen ließ. Der Überschwängliche Beifall seitens des Publikums berührte die Mitglieder der Formation äußerst deutlich, die es sich nicht nehmen ließen 2 Zugaben zu spielen und sich mit vielen warmen und lobenden Worten von ihren Anhängern verabschiedeten. Für mich, das beste und beeindruckendste Konzert des gesamten Tages. Keine Band verstand es besser das Publikum auf seine Seite zu ziehen und mit von der Partie zu bringen als VNV Nation.
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Skinny Puppy:
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Sonntag, 14.08.2005  
Scream Silence:
Ein grau bewölkter Himmel und Dauerregen vermiesten die Stimmung am Sonntag erheblich, dennoch ließen es sich zahlreiche Anhänger nicht nehmen, die Berliner unter Regenschirmen erfreut Mitahnzusehen. Einige Minuten früher als geplant setzten Scream Silence gleich zu Beginn klare Linien und ließen sich ihre gute Laune vom Wetter nicht nehmen, womit sie die zuschauende Menschenmasse mitrissen und dem ein oder anderen doch noch ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Aufgrund der knappen Zeiteinteilung und mal gerade einer Setlist von nur 6 Songs sparte sich Hardy Fieting großartige Vorankündigungen und konzentrierte sich lieber auf den wesentlichen Teil: die Musik. Ein wunderschöner Auftritt, der ihnen einige neue Fans bescheren dürfte, aber leider viel zu kurz war.
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Staubkind:
Aufgrund der Wetterlage strömten mehr Leute als erwartet zum Staubkind Konzert, um nicht gleich am Anfang des Festivaltages klitschnass zu werden, denn es regnete eimerweise. Doch sollte dieser Schritt nicht bereut werden. Louis Manke legte eine faszinierende Show hin und zog das Publikum mit dem weitaus rockigerem Sound als von der Platte bekannt in den Bann. Man hatte sogar das Gefühl, dass der Sound zum ersten Mal an dem gesamten Wochenende richtig abgestimmt war, was sich die Anhängerschaft durch die rhythmischen Fußbewegungen auch sichtlich anmerken ließ. Bombastischer Schwermut-Rock!
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The Vision Bleak:
Wem diese Höllenkutscher in der Vergangenheit kein Begriff waren, wird sich nach diesem Auftritt ihren Namen umso besser in Erinnerung behalten. Die Bandköpfe Allen B. Konstanz ( Ewigheim) und Ulf Theodor Schwadorf (Ex-Empyrium) brachten so manchen eingefleischten Metalhead mit ihrer horrorartigen Bühnenshow, vereint mit ihrer unvergleichlichen Musik, bestehend aus harten Gitarrenbrettern und einem donnernden Schlagzeug, sowie einer tiefen männlichen Stimme zum grinsen und strahlen. Mit jeder Minute Spielzeit vermehrte sich das Publikum schlagartig und der Platz von der Main Stage füllte sich weitestgehend mit langhaarigen Geschöpfen, die ihre Haare gehörig kreisen ließen. Zahlreiche erstaunte und glückliche Anhänger dürften noch eine ganze zeitlang an diesen Auftritt mit einem glänzen in ihren Augen zurückgedacht haben.
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Kiew:
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Faun:
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The Birthday Massacre:
Die aus Kanada stammenden The Birthday Massacre, die mit ihrem Debüt "Violet" eine der größten Überraschungen des vergangenen Jahres waren, sorgten für ein reges Publikumtreiben trotz des immer noch anhaltenden schlechten Wetters. Mit gekonnt eingesetzten visuellen Effekten und Outfits, die so machen schnell begeisterten, entlockten sie viele Menschen aus ihren Zelten und überdachten Möglichkeiten und ließen sie an ihrer Performance teilhaben. Ein überaus selbstbewusstes und professionelles Auftreten für eine solch junge Band.
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Zeraphine:
Es regnete den gesamten Tag ohne Unterbrechung bis exakt zu dem Moment als Zeraphine die Bühne betraten, so dass "Be My Rain" und ihre restliche Setlist zum ersten Mal in diesem Jahr bei einem halbwegs passablen Wetter gespielt werden konnte. Wie erwartet legten die Berliner eine hervorragende Show hin, vermischt mit alten und neuen Songs, die aufgrund ihrer englischen, sowie deutschen Texte für eine gelungene Abwechslung sorgten. Dafür, dass die Jungs von Zeraphine zur Mittagszeit auftraten, war der Platz vor der Main Stage erstaunlicherweise sehr gut mit Zuschauern gefüllt, weshalb beinahe schon Headliner Niveau erreicht wurde. Nachdem der letzte Song "Deine Welt" seinen Ausklang fand, setzte der Regen wieder erneut an. Das Publikum hatte sichtlich viel Spaß gehabt und verwandelte diesen Auftritt zu einem der Festivalhighlights.
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Lacuna Coil:
So viel Glück auch Zeraphine bei ihrem Auftritt Wettermäßig hatten, einen umso herberen Rückschlag erlebten die Italiener von Lacuna Coil um die hinreißende Sängerin Christina Scabbia. Es regnete dermaßen in strömen, dass viele Besucher das Gelände verließen um entweder die Rückreise anzutreten, zu ihren Unterkünften zu fahren oder um Schutz in ihrem Zelt zu finden. Diejenigen die ihren Mut zusammenfassten und dablieben wurden mit einem unfassbaren Konzert belohnt. Doch rückblickend ist es äußerst schade, dass das Wetter solche Ausmaße annahm und derartige Konsequenzen für eine Band wie Lacuna Coil hatte.
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Melotron:
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Subway To Sally:
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Diary Of Dreams:
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Deine Lakaien:
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Fazit:
Musikalisch gesehen ein tolles Festival, das jedoch am Sonntag durch das Wetter einen entscheidenden Einbruch erhielt und auf die Stimmung zahlreiche Konsequenzen nahm. Die Bands boten ein unglaubliches Programm, das leider nicht gebührend belohnt und gefeiert werden konnte, dennoch oftmals einen bleibenden Eindruck hinterließ.

Viele neue und alte Gesichter waren an diesem Wochenende in Hildesheim anzutreffen, neue Kontakte wurden geknüpft und alte wieder neu ins Leben gerufen. Trotzdem wurde meiner Meinung nach viel zu viel Wert auf das Styling gelegt und damit mehr als auf den eigentlichen Grund des Festivals: Die Musik und die Menschen. Das es eigentlich ein Treffen unter Gleichgesinnten werden sollte, die gemeinsam ihre "Helden" feiern und sich gegenseitig austauschen, rückte zu sehr in den Hintergrund. Dennoch kann man auf das M`era Luna 2006 gespannt sein, denn ein Erlebnis war es allemal!

 

Fotos:
Fotos aus 2004 // Fotos aus 2005

Bericht von Manuela Wawrzyszko, Fotos von Torsten Volkmer / Sebastian Steinfort

Links:
 Festival HP