Mister Misery: Unalive (2019) Book Cover Mister Misery: Unalive (2019)
Arising Empire
04.10.2019
www.mistermisery.com

Tracklist:

  1. The Blood Waltz
  2. You And I
  3. Tell Me How
  4. My Ghost
  5. Legion
  6. Dead Valentine
  7. Alive
  8. Rebels Calling
  9. Stronger
  10. Live While You Can

Der Weg für heutige Newcomer Bands ist steinig. Doch nicht wenn man Mister Misery heißt und aus Stockholm kommt. Dann verwendet man die Steine einfach für die Metal-Steinschleuder und feuert was das Zeug hält. Die vierköpfige Band die sich Anfang 2018 gründete, schüttelt grob 1 ½ Jahre später lässig mit „Unalive“ ein derart durchgestyltes Debütalbum aus dem Ärmel, dass Hören und Sehen vergeht. Als hätten sie nie etwas anderes gemacht und das nicht erst seit wenigen Monaten.

Doch auch in Sachen Optik zeigen sich Mister Misery äußerst affin. Von Kopf bis Fuß verfolgen sie ein Konzept und ziehen es gnadenlos durch. Bei der Bedienung der Sozialen Medien schlafen sie keineswegs und Magazine wie Sonic Seducer haben ihre Hits bereits auf dem beiliegenden Magazin-Sampler. Mit diesem 360° Konzept (und mit Hilfe ihrer Promo Agentur) treffen Mister Misery genau den Nerv der Nachwuchs-Metaller.

Die Videoproduktionen zu den ersten ausgekoppelten Singles „My Ghost“ und „The Blood Waltz“ sind schlicht gehalten und doch visuell hochwertig und ansprechend. Sie transportieren Metal gepaart mit spooky Elementen, passend zum Stil der Band. Das Styling und die Bewegungen wirken sehr einstudiert und perfektioniert. Das hat zur Folge, dass alles übertrieben akkurat und darum etwas unecht erscheint. Frontmann Harley Vendettas Stimme erklingt glasklar... wie ein Glas das gerade zerbricht. Geschmackssache, denn es kann schnell aufdringlich werden, doch genau das ist ein Faktor - gepaart mit den Tim Burton artigen Gruselsamples - der Mister Misery interessanter als andere jugendliche Metalcore Bands macht. Mister Misery klingt wie der kleine Bruder von Wednesday 13 und Cousin von Motionless In White. Nur viel softer und jugendlicher, noch nicht erwachsen und etwas zu pubertär aufgedreht. Doch auch die nächste Generation muss ihre Einstiegsband haben, mit der sie mitwachsen kann.
Die Single „The Blood Waltz“ ist ebenso der Opener des Albums. Man hat das Intro kaum erfasst, da wird es auch schon weggescreamt mit den Worten „It’s so black“, gefolgt von schrillem Gelächter, das fast an Geschrei erinnert. Der Song paart Aternative Metal und Metalcore mit 80er Jahre Horrorelementen und klassischen Komponenten. Ein guter Einstieg, der gleich schonungslos die Fahrtrichtung angibt.

Es folgen eingängige Songs mit Stakkato-Gitarrenriffs, Breaks und verzerrten Voice-Parts, Mister Misery bedienen sich aus dem Lehrbuch der NuMetal / Metalcore Schule. Natürlich darf der eingängige Mitsing-Chorus nicht fehlen. Sie haben ihre Hausaufgaben gemacht. Allerdings kann das einstudierte Schema auf Dauer etwas eintönig werden. Es scheint als wurde zuviel der Kreativität in das Erscheinungsbild gepackt und zu wenig in Abwechslung und Tiefgang der Songs – vor allem im Songwriting. Lediglich Horror-Elemente machen das Ganze besonders und bringen etwas Eigenständigkeit und Charakter auf das Album. Doch das ist auch ein wenig Meckern auf hohem Niveau. Ich denke die meisten Bands starten in einem kleinen Format, die Frage ist, was sich in Zukunft daraus entwickelt. Derzeit ist es noch ganz nett für die Highschool Halloween Party.

„My Ghost“ entpuppt sich als ein Highlight des Albums. Hier stimmt die Mischung an Metal und äußerst kreativem Gruselkram. Der Refrain ist mitsingbar und die "Lalala" Parts sind prädestiniert dafür, vom Publikum aufgenommen zu werden. Ein wahrer Ohrwurm. Und vor allem der letzte Song „Live While You Can“ überrascht mit seinem Melodic Metal Intro. Doch natürlich bleibt die Stimme dieselbe und verleiht dem Song wieder einen Mister Misery Charakter. Die Grusel-Effekte bleiben diesmal aus und es wird mehr auf Gitarrenriffs im Bullet For My Valentine Stil Wert gelegt. Wirklich gelungen!

Unalive ist ein guter Anfang für so eine junge Band. Insgesamt haben sie etwas zu dick aufgetragen und sind dabei zu aalglatt – dadurch wirken sie erst recht gruselig und seelenlos. Ich bin mir sicher, dass dies nicht in dem Sinne erwünscht war. Man muss ihnen aber anrechnen, dass sie mutig und konsequent sie ihren Stil durchziehen. Dieser ist wirklich ausbaufähig und durch die Horrorelemente ein Herausstellungsmerkmal von dem sie besser profitieren könnten. Unalive ist seichte Unterhaltung, aber ich mag es und denke Mister Misery können sich noch gut entwickeln. Und die Deutschland-Tour mit Beyond The Black wird ihnen sicher viele Fans einspielen. Denn ich bin mir sicher, dass auch die Liveshow von Mister Misery die Qualität und Optik des Albums halten kann.

Der gruseligste Fun-Fact an der gesamten Band: es gibt zu dem heutigen Zeitpunkt noch keine Wikipedia Seite. Oder ist das bei Youngsters out?